Sensible Kümmerin unterm Stuifen

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Quartiersmanagerin Magdalene Rupp aus Waldstetten ist sich sicher, dass die Corona-Pandemie den Blick für das Wesentliche geschärft hat. Nachbarschaft wird neu gelebt.
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Quartiersmanagerin Magdalene Rupp aus Waldstetten ist Ansprechpartnerin für alle Generationen. Und hat einige Projekte im Visier.

Waldstetten

Die Pandemie hat aus meiner Sicht den Blick fürs Wesentliche geschärft.“ Klare Worte von Quartiersmanagerin Magdalene Rupp. Seit muss es wissen, denn sie ist für viele Waldstetter und Wißgoldinger Ansprechpartnerin Nummer eins, wenn es um Alltagsprobleme geht. Magdalena Rupp baut Netzwerke auf und pflegt vorhandene. Sie ist Bindeglied zwischen allen Generationen. Und zieht ihre Lehren aus der Pandemie, die von jetzt auf nachher das soziale Leben und Miteinander aus dem Gleis geworfen habe.

Zu Beginn der Pandemie kümmerte sich Magdalena Rupp zunächst um Einkaufshilfen für Seniorinnen und Senioren, die angehalten waren, nicht selbst zum Laden um die Ecke zu gehen. „Das hat super geklappt“, erinnert sich Rupp begeistert. Denn zum einen zeigte sich, dass der Bedarf gar nicht so groß war, da Familie und Nachbarn behilflich gewesen seien. Und zum anderen fanden sich schnell „Einkäufer“, die teilweise bis heute einkaufen, da sich Beziehungen aufgebaut haben.

„Es geht darum, Nachbarschaft neu zu denken“, beschreibt Rupp. Was bedeutet, dass man einfach nach dem anderen schaut. Sensibel wird für dessen Bedürfnisse. Und die sind oft für den Betroffenen groß, für den Helfenden aber leicht zu bewältigen. Etwa, wenn es um Behördendeutsch in Anschreiben von Ämtern, Banken oder Krankenkassen geht – „da muss man manchmal übersetzen, denn die Formulierungen sind sehr kompliziert. Das würde auch einfacher gehen“, wünscht sich die Quartiersmanagerin.

Vieles hat Magdalena Rupp seit ihrem Start 2019 in Waldstetten umsetzen können. Und es mangelt auch jetzt nicht an Ideen, deren Realisierung sie verfolgt. Etwa möchte sie das Thema Demenz in den Vordergrund rücken. „Das muss raus aus der leider immer noch herrschenden Tabuzone.“ Es gehe darum, mit Rat und Tat den Betroffenen oder auch ihren Angehörigen beizustehen. „Da sind alle gefragt“, beschreibt sie, dass es etwa dem Einzelhändler auffallen muss, wenn jemand des Öfteren seinen Geldbeutel vergisst. Oder jemand am Bankschalter steht und nicht mehr weiß, was er oder sie eigentlich tun wollte. „Das Thema Demenz muss in die Öffentlichkeit“, fordert sie. Und will sensibilisieren.

Mit großer Freude berichtet sie vom „Gartenprojekt“, das die Generationen zusammenbringe. Junge Menschen mähen etwa den Rasen für Ältere. „Es geht um sehr viel mehr, als um das Mähen oder darum das Taschengeld aufzubessern“, sagt Magdalena Rupp. Denn da stehe dann plötzlich auch mal ein köstlich duftender und schmeckender Apfelkuchen für den Jugendlichen parat – „und man kommt ins Gespräch“, erklärt sie. Die Generationen fänden zusammen, eines der großen Ziele der Quartiersarbeit. Rupp schätzt hierbei auch sehr die Zusammenarbeit mit dem Jugendbeirat, wo sie bei keiner Sitzung fehlt.

Permanenter Kontakt

Stark in der Gemeinschaft könnte ein Motto der Quartiersmanagerin sein. Etwa auch in Wißgoldingen, wo sie eng mit dem Dorfverein zusammenarbeitet. Ideen für ein Mehrgenerationenwohnen auf dem einstigen Löwen-Areal sammelt.

Was Magdalene Rupp ebenso am Herz liegt, ist, ist der permanente Kontakt zu den Betagten. Sofern diese es wünschen. Denn nur durch solche Besuche könne konkret Hilfe geleistet werden. In allen Lebenslagen. Es gehe ums Kümmern und Aufmerksam sein, was das Gegenüber bewegt oder verängstigt, Sorgen bereitet. „Und dann Schritte unternehmen, wie man Ängste und Sorgen nehmen kann.“ Denn oft sind es nur kurze Erklärungen oder Anrufe – und die Hilfestellung kann geboten werden. Um so die möglichst lange Selbstständigkeit der Senioren in den eigenen vier Wänden zu gewährleisten, was für viele das große Ziel sei – wohlwissend, dass jeder Mensch individuell ist. Also auch seine Probleme und Sorgen. Und eben die gilt es herauszufinden. „Was nur im aufsuchenden Beratungsgespräch geht“, ist sich Quartiersmanagerin Magdalene Rupp sicher.

„Es geht darum, Nachbarschaft neu zu denken.“

Magdalena Rupp,, Quartiersmanagerin

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