Staatsanwalt spricht von Heimtücke und Mord

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Die öffentliche Hauptverhandlung zum Tötungsdelikt in der Prodi-Werkstatt hat begonnen.

Ellwangen/Waldstetten. Hereingeführt wird der Angeklagte B. mit Fußfesseln und fixiert an den Händen. Begleitet von Wachpersonal in Zivil und in Uniform. Kaum ist das Gericht mit dem Vorsitzenden Richter Bernhard Fritsch erschienen und hat im großen Schwurgerichtssaal Platz genommen, dürfen nach Rücksprache mit den Bewachern die Handfesseln gelöst werden. Sogleich greift B. zu einer Aktenmappe, entnimmt ihr einen Stapel Papiere und legt diese ordentlich vor sich. Der Angeklagte wolle Angaben machen, sagt sein Verteidiger Timo Fuchs.

Das habe Zeit bis später, sei hauptsächlich geplant für den zweiten Verhandlungstag am 4. Mai, bremst der Vorsitzende Richter und erteilt, nachdem allen Formalien Genüge getan ist, dem Staatsanwalt das Wort. Jens Weise verliest die Anklageschrift, in der zunächst festgestellt wird, dass der 45-Jährige an einer Form der paranoiden Schizophrenie leidet und schon zwischen 2011 und 2015 in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht war nach einem Messerangriff, dessen Opfer zum Glück überlebte. Ab Ende 2017 war der Angeklagte in der Prodi-Werkstatt in Waldstetten beschäftigt, wo den Betreuern zuletzt eine "Wesensveränderung" aufgefallen sei, liest der Staatsanwalt weiter. Schon am 6. Oktober sei B. von seinem späteren Opfer darauf angesprochen worden – in dem Gespräch sei es um die Vergangenheit des Angeklagten gegangen und darum, dass seine aktuelle Verfassung "kein gutes Gefühl" im Team der Betreuenden auslöse. B. habe dabei eingeräumt, dass er seine Medikamente selbstständig abgesetzt habe und er habe seinem Gegenüber versichert, dass nichts passieren werde. Für den 20. Oktober wurde ein weiterer Gesprächstermin vereinbart. Am nächsten Tag habe B. sich krank gemeldet.

Am 13. Oktober war der Angeklagte dann erneut bei seiner Betreuerin aufgetaucht. Diese habe ihm erläutert, dass er seiner Beschäftigung in der Werkstatt nur weiter nachgehen könne, wenn er seine Medikamente einnehme. Schon zu diesem Zeitpunkt habe der Angeklagte beschlossen, die Betreuerin zu töten, weil er sich mit ihrer Forderung nicht abfinden wollte, sagte der Staatsanwalt. Als B. tags drauf, am 14. Oktober, um 9.30 Uhr erneut die Prodi-Werkstatt betrat, um bei seiner Betreuerin vorstellig zu werden, habe er in seinem Rucksack das Messer dabei gehabt. Weil sein Opfer darauf bestand, dass er nur arbeiten könne, wenn er seine Medikamente eingenommen habe, und ihm bis dahin auch ein Hausverbot androhte, sei B. wütend geworden, habe das Messer gezückt und damit dreimal auf die Betreuerin eingestochen. Der zweite Stich verletzte die Halsvene und die Halsschlagader und habe die tödliche Embolie ausgelöst. Auch der dritte Stich wäre tödlich gewesen, sagte Staatsanwalt Weise. Weil das Opfer mit keinem Angriff rechnen konnte, es zuvor keine Konflikte gab, die darauf gedeutet hätten, und alle vorigen Gespräche eher von konstruktiver Haltung geprägt waren, charakterisierte der Staatsanwalt das Vorgehen des Angeklagten als "heimtückisch" und sprach von "Mord aus niederen Beweggründen".

Dem Vorsitzenden Richter, der sich nun ihm zuwandte, zeigte der Angeklagte vier handgeschriebene Seiten. "Wenn Sie das lesen, brauchen wir keine lange Verhandlung", sagte er und bat darum, Auszüge vortragen zu dürfen. Sinngemäß machte B. mit seiner schriftlichen Einlassung nicht nur Gedanken zur "göttlichen Trinität" oder zur "Sprache im Garten Eden" und zur "Ausdehnung des Universums" öffentlich. Er betonte auch, es gebe nichts, das seine Tat rechtfertige, jeder Einwand sei damit pietät- und sinnlos. Es gebe keinen plausiblen Grund für Mord, eine vordergründige Entschuldigung könne die Nebenklage als Hohn empfinden. "Steht doch drin in der Anklage", beantwortete er weitere Fragen des Vorsitzenden Richters und betonte "Ich verzichte auf Zeugen. Ich würde das Urteil so annehmen."

Richter Bernhard Fritsch betonte, dass eine gewisse Beweisaufnahme notwendig sei, damit das Gericht sich ein Bild machen könne. Fortgesetzt wird die Verhandlung deshalb am Dienstag, 4. Mai.

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