Tatwaffe verschwunden – Verdächtiger in Psychiatrie

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Eine Mitarbeiterin der Prodi-Werkstatt wurde am Mittwoch tödlich verletzt, der Tatverdächtige ist in der Psychiatrie.
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Ermittlungen und Trauerarbeit nach tödlichem Angriff auf Mitarbeiterin der Prodi-Werkstatt.

Waldstetten. Ein erschütternder Vorfall hält seit Mittwoch die Gemeinde Waldstetten in Atem.

Was bisher bekannt ist

Eine 61-jährige Mitarbeiterin der Prodi-Werkstatt wurde dort am Mittwochmorgen durch Messerstiche so schwer verletzt, dass sie rund eine Stunde später im Krankenhaus gestorben ist. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei hatte ein 44-Jähriger, der seit geraumer Zeit in der Werkstatt arbeitet, die Frau in ihrem Büro aufgesucht, im Gespräch unvermittelt ein Messer hervorgezogen und auf die Frau eingestochen. Der Mann flüchtete daraufhin, die Polizei nahm ihn etwa eine Viertelstunde später kurz nach 10 Uhr am Sportplatz in der Brunnengasse fest.

Wie weiter ermittelt wird

Der Tatverdächtige sei am Donnerstagmorgen dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden, teilt Polizeisprecher Holger Bienert mit. "Er macht keine Angaben über das Tatmotiv" und mache somit Gebrauch von seinem Aussageverweigerungsrecht.

Der Ermittlungsrichter habe die vorläufige Unterbringung in einer Einrichtung für psychisch Kranke angeordnet, teilt der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Freyberger von der Staatsanwaltschaft in Ellwangen mit. Vorläufig deshalb, wie ebenso wie bei der Unterbringung in Untersuchungshaft die Unschuldsvermutung gelte, betont er. Nun gelte es herauszufinden, ob die Tat durch eine psychische Erkrankung oder durch andere Gründe ausgelöst wurde. Dazu müsse ein Gutachter ein forensisch-psychiatrisches Gutachten erstellen. Zugleich laufen die weiteren Ermittlungen der Polizei, sagt Freyberger.

Es gehe nun darum, das Tatgeschehen nachzuvollziehen, erklärt Bienert – durch Zeugengespräche und durch Spurensicherung. So suche die Polizei seit Mittwoch nach der Tatwaffe. Die Suche verlief bis Donnerstagnachmittag erfolglos, darum bittet die Polizei die Bevölkerung um Hinweise.

Das gesuchte Messer

Das Messer wird als dolchähnlich, mit beidseitig geschliffener, etwa 10 bis 15 Zentimeter langer Klinge beschrieben. Der 44-Jährige flüchtete laut Polizei vom Tatort in der Rechbergstraße vermutlich über die Straßenzüge Beethovenstraße, Max-Reger-Weg, Josef-Haydn-Straße, Forstweg, Schwarzhornweg, Hohenstaufenstraße und Barbarossaweg zum Sportplatz in der Brunnengasse, wo er widerstandslos festgenommen wurde. Findet jemand im Umkreis der Straßenzüge ein solches Messer, sollte derjenige umgehend das Polizeirevier Gmünd unter der Nummer (07171) 3580 verständigen.

Wie die Stiftung reagiert

Die Stiftung Haus Lindenhof bietet in der Prodi-Werkstatt Berufsbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Behinderung, Hörbehinderung und für Menschen, die aufgrund einer Erkrankung nicht am allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sind.

Die Räume seien von der Polizei am Donnerstag freigegeben worden, teilt Lindenhof-Pressesprecherin Katharina Stumpf mit. Wann der Arbeitsbetrieb wiederaufgenommen werden kann, lasse sich nicht sagen. Es gehe jetzt um die Verarbeitung des tragischen Unglücks. Der Betrieb in der Werkstatt solle "nach behutsamer Abwägung vorsichtig wieder anfahren". Mitarbeitende und Beschäftigte würden, solange notwendig und gewünscht, seelsorgerlich begleitet. "Das ist uns derzeit am wichtigsten." Unterstützung biete das Kriseninterventionsteam und die Seelsorgerin der Stiftung. Am Donnerstag habe es einen internen Trauergottesdienst mit den Mitarbeitenden der Prodi-Werkstatt gegeben, außerdem sei in allen Werkstätten der Stiftung mit einer Schweigeminute des Opfers gedacht worden. An diesem Freitag werde ein Gottesdienst mit Mitarbeitenden und Beschäftigten gestaltet. Es liefen weitere Überlegungen, Formen der Trauer zu gestalten.

"Die polizeilichen Ermittlungen werden unter Umständen wichtige Hinweise liefern", sagt Stumpf zur Frage, ob Abläufe in der Prodi-Werkstatt geändert werden müssen. Zu gegebener Zeit sei es üblich, das Ablaufprozedere zu reflektieren und gegebenenfalls Veränderungen herbeizuführen. Jetzt stehe die Trauerarbeit im Vordergrund.

Was der Verwaltung wichtig ist

"Das Wichtigste ist, Beistand zu leisten", sagt Bürgermeister Michael Rembold. Darum habe die Verwaltung die Mitarbeiter und Betreuten, die nach der Bluttat im abgeriegelten Bereich bei der Prodi-Werkstatt standen, zum Abwarten ins Rathaus gebeten. Unter anderem habe Rembold dem Kriseninterventionsteam Hilfe zugesagt. Und er hat sich am Donnerstag per Videobotschaft über Facebook an die Bürger gewandt. "Wir gehören zusammen", ist seine Botschaft. "Prodi ist eine ganz wertvolle Einrichtung", die Getötete habe dort mehr als 20 Jahre lang wertvolle Arbeit geleistet. Es gehe nun darum, "die Last gemeinsam zu tragen".

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