Umdenken statt Abmähen

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Schilder weisen nun in Waldstetten darauf hin, dass die stehengelassenen Gräser und Blühpflanzen keine Unordnung sind, sondern Insekten als Nahrungsquelle und Unterschlupf dienen. Mit dabei, als Bürgermeister Michael Rembold (M.) dem Pflock den letzten Schlag versetzt (v. l.): Tamara Luckas, Martin Mager, Christian Horan, Michael Rembold, Maren Zengerle, Verwaltungspraktikantin Leonie Stock und Michael Weber in der Blühfläche beim Freibad.
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In Waldstetten dürfen Gräser und Blühpflanzen an verschiedenen Stellen zugunsten der Insektenvielfalt möglichst lange stehenbleiben, darauf weisen nun Schilder hin.

Waldstetten

Bequemlichkeit steckt nicht dahinter, dass in Waldstetten an einigen Straßenrändern und im Kreisel bei der ehemaligen „Alten Post“ Gräser und Kräuter stehen bleiben. Das gehört zur Aktion „Waldstetten blüht auf“, erklärt Bürgermeister Michael Rembold am Montag an der Straße zum Gemeindebauhof, wo einer von sechs solchen Blühstreifen stehengelassen wird. Den Pflock mitsamt Schild mit einem entsprechenden Hinweis darauf hat kurz zuvor der stellvertretende Bauhofleiter Christian Horan dort eingeschlagen. Dieselben Schilder, versehen mit fröhlich lachenden Bienchen, weisen nun an allen Blühflächen auf die verfolgte Absicht hin. Denn es gebe immer wieder Anfragen aus der Bürgerschaft, warum es an den betreffenden Stellen „nicht sauber und ordentlich aussieht“, sagt der Bürgermeister. Und mahnt: Es müsse „ein Umdenken stattfinden“, und das geschehe in Waldstetten nicht erst angesichts der Hochwasserkatastrophe im Südwesten.

Bereits vor zwei Jahren sei der Anstoß dazu aus dem Gemeinderat gekommen. Die dazu gegründete Arbeitsgruppe mit den Gemeinderäten Christian Bundschuh, Martin Mager und Michael Weber habe gemeinsam mit Verwaltung und Bauhof an Ideen gearbeitet.

Die nicht gemähten und gemulchten Grünstreifen seien „eine kleine Maßnahme, mit der man viel erreichen kann“, sagt Michael Weber. Eine Hummel, Bienen und Grashüpfer hat er mit einem Blick im hohen Grün entdeckt. Denn es gehe nicht nur darum, Bienen zu schützen. Die wild wachsenden, zwei bis fünf Meter breiten Wiesenstreifen an Wegrainen bieten auch anderen Insekten Nahrung und Lebensraum, sogar im Herbst und Winter, wenn Tiere in den Pflanzenstängeln wohnen. „So lernt man's nicht in der Ausbildung“, sagt der Landwirt. Doch auf „das Bisschen“ Unkrautsamen, das in die Felder fliegt, komme es nicht an.

„Einmal ganz spät“ werden die Blühflächen gemäht, erklärt Christian Horan. Das abgemähte Gras bleibe dann erstmal liegen, bevor es weggeschafft wird, damit die Insekten Zeit haben, daraus hervorzukommen und sich andere Plätze suche können. Außerdem, fügt Weber hinzu, werde dort gemäht, wo etwa eine Wasserrinne freigehalten werden muss. Kurz gehalten werde das Gras auch dort, wo an Straßenrändern oder Kreuzungen das Sichtfeld der Verkehrsteilnehmer behindert sein könnte, ergänzt Ortsbaumeisterin Maren Zengerle.

Martin Mager, der neben seinem Ehrenamt als Gemeinderat auch Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins ist, freut sich, dass die Gemeinde entsprechende Flächen zur Verfügung stellt. Etwa die gut 4500 Quadratmeter große Fläche beim Waldstetter Friedhof, wo der Verein Streuobstbäume betreut. Bis eine Wiese eine natürliche Vielfalt mit unterschiedlichen Pflanzen biete, müsse sie erst abmagern. Erst wenn sie über Jahre nicht gedüngt worden sei, wachsen verschiedene Blühpflanzen, sagt Mager.

Beschwerden über den „Anflug“ von Unkrautsamen auf dem heimischen, gepflegten Rasen bekommt immer mal wieder Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Tamara Luckas von Bürgern zu hören. Die Erklärungen dazu stießen aber durchaus auf Verständnis. Die Schilder auf den Blühstreifen tun nun ein Übriges dazu.

Eine kleine Maßnahme, mit der man viel erreichen kann.“

Michael Weber,, Landwirt, über Blühstreifen

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