Waldstetter Wäschgölten planen für bewegtere Zeiten

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Schutzhelm statt Narrenkappe: Die Waldstetter Wäschgölten um Präsident Martin Ehmann haben kürzlich das Gelände für die neue Vereinsunterkunft gerodet.
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Wie die Waldstetter Wäschgölten auf die traditionellen Veranstaltungen zur Fasnet verzichten und trotzdem ganz schön viel zu tun haben.

Waldstetten

Die Tanzgarden haben das Training eingestellt oder üben nur noch per Videokonferenz, die Büttenredner sitzen auf den übers Jahr angesammelten Notizen zum Tagesgeschehen. Und die Wagenbauer haben gar nicht erst angefangen, sich über Aufbauten Gedanken zu machen. Auftaktsitzung, Männerballett, närrischer Gottesdienst, Rathaussturm: Wegen der Corona-Pandemie läuft nichts Närrisches in dieser Fasnetssaison bei den Waldstetter Wäschgölten.

"Uns ist es wichtiger, dass die Leute gesund bleiben", sagt Martin Ehmann, "auch wenn Fasching nicht nur ein Ramtamtam ist, es ist Brauchtum", stellt der Präsident der Waldstetter Wäschgölten klar, um was es den Mitgliedern seines Vereins geht. Wie manche den Fasching tatsächlich ausleben, "ist eine andere Frage".

Dass nichts läuft, heißt nicht, dass die Wäschgölten nichts zu tun haben. Zum einen haben sie ihre Faschingsveranstaltungen wie üblich geplant – falls was würde sein dürfen. "Die Veranstaltungen sind zum Teil Selbstläufer, jeder kennt seine Aufgaben", sagt Ehmann. Und Verträge, etwa für Veranstaltungssound, seien so abgeschlossen, dass sie sich "ohne Kosten" ins nächste Jahr übertragen lassen. Trotzdem bedeutet das ein Minus von rund 2000 Euro bei den laufenden Kosten, etwa für die Haftpflichtversicherung für den Umzugswagen oder vorsorglich vorgenommene Kostümänderungen oder Gema-Gebühren. Dazu kommen Einnahmen von Veranstaltungen, die nun wegfallen. Das könnten 4000 bis 5000 Euro sein, sagt Ehmann. Dass die Wäschgölten finanziell trotzdem solide dastehen, ist dem Präsidenten wichtig. Denn anstelle der Fasnetsaktivitäten beschäftigt den Verein ein anderes großes Projekt: der Neubau der Vereinsunterkunft im Gewerbegebiet Fehläcker am nordöstlichen Waldstetter Ortsende Richtung Bettringen. Dort soll im Frühjahr ein Doppelhaus entstehen, in dessen anderer Hälfte die Waldstetter Pfadfinder einziehen werden. Beide Vereine brauchen eine neue Bleibe, wenn das Rathaus im kommenden Jahr abgerissen wird.

Der Bau mit Kosten von etwa 130 000 Euro sollte so geplant werden, "dass ich das finanzieren kann ohne Einnahmen", sagt Ehmann. Die Finanzierung werde abgedeckt durch die Mitgliedsbeiträge. Nach Jahren seien die Beiträge von 18 auf 30 Euro erhöht worden – ein Vorschlag, der aus den Reihen der Mitglieder kam, die Vorstandschaft habe lediglich eine Erhöhung auf 25 Euro vorgeschlagen. So sei der Verein, mit 480 Mitgliedern der zweitgrößte in Waldstetten, "solide aufgestellt". Dazu kommt, dass die Vereinsmitglieder am Innenausbau viel selber machen können, unter anderem Elektrik und Sanitär, zählt Ehmann auf. Und weil sie aus ihrer Unterkunft auf dem Rathausareal raus müssen, wenn dort der Abriss losgeht, ist jetzt statt Wagenbau Sortieren angesagt: Was kann weg, was muss mit, lautet die Frage vor dem anstehenden Umzug.

Auch wenn Fasching nicht nur ein Ramtamtam ist.

Martin Ehmann, Wäschgölten

Prodi-Projekt geht weiter

Darüber hinaus beschäftigt Ehmann das Kunst-Projekt, das die Wäschgölten seit Jahren mit den in der Waldstetter Prodi-Werkstatt arbeitenden Menschen mit psychischer Behinderung umsetzen. Das ist in diesem Jahr ebenfalls Corona zum Opfer gefallen. außerdem suchen die Wäschgölten einen Nachfolger für den verstorbenen Kunst-Pädagogen Uwe Feuersänger, der das Projekt begleitet hat. Gespräche für gemeinsame Aktivitäten im kommenden Jahr seien nun außerdem verschoben worden angesichts der Tötung einer Mitarbeiterin der Prodi-Werkstatt, die laut Polizei von einem psychisch Kranken Mitte Oktober mit einem Messer attackiert worden war. Die Beschäftigten dort brauchen das Projekt, "gerade jetzt, in dieser Situation", ist Ehmann sicher, der auch den Fasching für Menschen mit Handicap organisiert, zu dem sich in normalen Jahren die Stuifenhalle mit Gästen aus der Region füllt.

Der Fasching "fehlt uns allen", sagt Ehmann. Andererseits: "Ich kann lauter Projekte nacharbeiten, die sonst liegenbleiben." Und ein bisschen Fasnet ist ja doch. So haben sich die Wäschgölten am 11.11., dem offiziellen Beginn der Saison, gegenseitig Bilder davon geschickt, wie sie allein oder im coronakonform kleinen Kreis auf die Fasnet anstoßen. Eventuell könnte es in den sozialen Medien weitere Beiträge geben oder ganz real der Narrenbaum in Waldstetten aufgestellt werden, dabei gebe es in der Regel kein Publikum, sagt Ehmann. Denn das ist den Wäschgölten wichtig: "Wir wollen keine Privatpartys anzetteln." Doch irgendwie lasse sich auch ohne sicher zeigen im Dorf: "Jetzt ist die Zeit."

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