Was Familie heißt und wo falsche Helden verehrt werden

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Soirée mit Landrat Dr. Bläse: Nachbericht

Franz Merkle im Gespräch mit Landrat Dr. Joachim Bläse in der Waldstetter Gemeinschaftsschule.

Waldstetten. Der Arbeitstag von Landrat Dr. Joachim Bläse beginnt um 7.05 Uhr mit der Fahrt im E-Auto nach Aalen und endet um etwa 22 Uhr. Dazwischen: zahlreiche Termine und Besprechungen. Als Ausgleich geht's am Sonntagmorgen zum Lauftreff. Über einiges mehr sprach Bläse bei der Soirée mit Franz Merkle in der Gemeinschaftsschule Unterm Hohenrechberg.

Bürgermeister Michael Rembold hatte zunächst nach Bläses Kindheit gefragt. Aufgewachsen als ältestes Kind einer Handwerkerfamilie - der Vater Lindacher, die Mutter Österreicherin, ist Bläse nie weggezogen. Die Lindacher sehen ihn als Mitbürger, weshalb er auch bei den örtlichen Vereinen anzutreffen ist.

Im Sport war Bläse nie herausragend, seine Stärke fand „Speaker“, wie er im Parler-Gymnasium genannt wurde, als Schülersprecher. Dafür gab's den Sonderpreis der Schule. „Meine Lehrer haben mich stark gemacht“, blickt er dankbar zurück.

Er habe nie daran gedacht, Politiker zu werden, antwortet Bläse auf Merkles Frage. In der Schule war er geschichtlich-politisch interessiert, in Lindach leitete er die Kinderkirche. Nach dem Jura-Studium arbeitet er als Rechtsanwalt. Parallel war er Ortschaftsrat und stellvertretender Ortsvorsteher. Es folgte die Tätigkeit als Zweiter, dann als Erster Bürgermeister in Gmünd.

Landrat zu werden, kam für Bläse nur in seinem Heimat-Kreis in Frage. Er startete in der Pandemie. Es habe schon genügend Herausforderungen gegeben, dann kamen Corona und jetzt der Ukraine-Krieg. „Ich bin stolz, was wir in Ostalbkreis gestemmt haben“, sagt Bläse. So bekamen 2200 Ukrainer innerhalb kürzester Zeit eine Bleibe.

Wichtig sind Bläse die Themen Umwelt, Klima, künstliche Intelligenz. Und er wisse, dass Zuwanderung nötig sei, denn es werde immer mehr Ältere und weniger Jüngere geben. Dem Familienmenschen ist wichtig, dass Religionen und Kulturen keine Ausgrenzung erfahren. Seine Definition von Familie: Wo jemand für einen andern da ist, das ist Familie. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zeigt sich auch in der Definition des Ostalbkreises. Zum 50-jährigen Bestehen 2023 wird in allen Landratsämtern jedes Wochenende die Fahne einer Kommune des Kreises gehisst.

Kinder sind dem Landrat ebenfalls wichtig. So soll ein neues Sportprogramm für Kinder aus ärmeren Verhältnissen Türen zu Vereinen öffnen, vier regionale Firmen subventionieren Mitgliedsbeiträge. „Integration ist kein Selbstläufer, da sind wir alle gefordert“, so Bläse. Den Älteren rechnet er hoch an, dass sie den Generationenvertrag nicht gekündigt haben. Und fordert: „Lasst uns genau hinsehen, wann jemand in den Ruhestand treten kann.“ Denn dies hänge davon ab, wann der Berufseinstieg war.

Wen Bläse gerne kennengelernt hätte: Martin Luther, sagt der überzeugte Protestant. Und Angela Merkel: „Sie war ein Staatsdiener.“

Angst hat Bläse vor fehlender Dialogbereitschaft. „Wir zeigen der Jugend, dass das Recht des Stärkeren gilt, anstatt den Umgang mit Mehrheitsentscheidungen zu stärken.“ Es sei falsch, dass die Helden seien, die ihre Interessenten durchsetzen, meinte er mit Blick auf Putin und Trump. An Jugendliche appellierte er: „Lasst Euch nicht unterkriegen, es ist Euer Leben, Eure Zukunft.“

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