Zeichen der Solidarität und Ventil für Angst

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Kerze

Symbolische und praktische Unterstützung: Zahlreiche Waldstetter Institutionen laden ein zur Mahnwache, Verwaltung koordiniert Flüchtlingshilfe.

Waldstetten. „Es berührt uns doch alle, dass unschuldige Menschen ihre Existenz verlieren“, sagt Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold über den Krieg in der Ukraine und nennt damit einen Grund für die Mahnveranstaltung an diesem Donnerstag auf dem Alten Friedhof. Der andere ist, den Menschen hier ein Ventil zu geben. Für ihre Solidarität mit jenen, die sich im Kriegsgebiet oder auf der Flucht befinden.

Außerdem: „Die Leute haben zunehmend Ängste“, wo dieser Krieg noch hinführen könnte, sagt Rembold. Sie sollen bei dieser Veranstaltung spüren, dass sie damit nicht allein sind, dass es Zusammenhalt gibt, aus dem sich Kraft schöpfen lässt. „Ganz bewusst“ hat Rembold den Alten Friedhof für die Veranstaltung gewählt. Dort erinnern Gräber und das Marineehrenmal an im Krieg Gefallene und daran, dass so etwas nie wieder geschehen sollte, erklärt der Bürgermeister die Symbolik des Ortes. „Und jetzt passiert es doch.“

Bei den Kirchengemeinden, den Schulen und Vereinen hat Rembold mit seinem Ansinnen offenbar offene Türen eingerannt. So werden Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule und der Franz-von-Assisi-Schule Texte beitragen. Waldstetter Vereine werden „Flagge zeigen“ und mit Bannern und Standarten vertreten sein, die Jugendfeuerwehr wird mit Fackeln dabei sein und der Musikverein sorgt für den musikalischen Rahmen, zählt Rembold auf. Die Kirchengemeinden wirken unter anderem mit einem Friedensgebet mit und die Pfarrer Jörg Krieg und Dr. Horst Walter bringen das Friedenslicht mit, an dem Teilnehmende ihre mitgebrachten Kerzen entzünden können.

Bei Worten soll es nicht bleiben

Neben diesem Signal des Zusammenhalts und der Solidarität passiert noch mehr in Waldstetten. Allein bei Worten wolle es die Verwaltung nicht belassen, sagt Rembold. „Wir möchten die Türen weit aufsperren.“ Eine Liste mit verfügbarem Wohnraum habe die Waldstetter Verwaltung am Dienstag vom Landratsamt erhalten. Nun müsse sie Details klären, etwa, ob Wohnungen renoviert werden müssen oder ob Möbel gebraucht werden. Außerdem melden sich täglich Bürger im Rathaus, die sich erkundigen, welche Spenden gebraucht werden oder die Wohnraum zur Verfügung stellen können. So habe Rembold beispielsweise mit dem Leiter des Schwarzhornhauses gesprochen. Der könne in dem Tagungshaus auf dem Rechbergle nach etwas organisatorischem Vorlauf 39 Betten in acht Zimmern zur Verfügung stellen. Ein anderes Angebot komme von einer Familie, deren polnische Freundin Kontakt zu einer geflüchteten ukrainischen Familie habe.

Die Verwaltung profitiere in der aktuellen Notlage durchaus von den Erfahrungen der Flüchtlingswelle 2015, sagt Rembold. So habe es sich etwa als ungünstig erwiesen, Sachspenden zu sammeln, bevor Flüchtlinge angekommen sind. Konkret festzustellen, was fehlt, wenn etwa eine Flüchtlingsfamilie angekommen ist, sei sinnvoller. Umgekehrt sei es für die spendenden wichtig zu sehen, was mit den bereitgestellten Dingen passiert.

Auch, was das Aufenthaltsrecht betrifft, habe sich die Situation geändert. Wegen der sogenannten Massenzustromrichtlinie bekommen die Geflüchteten sofort einen Aufenthaltstitel, ein reguläres Asylverfahren sei nicht mehr nötig, erklärt Rembold. Auch menschlich stellt er eine Veränderung fest. Nun gehe es um Flüchtende aus einem europäischen Nachbarland, darunter viele Familien, Mütter mit Kindern. Vor sieben Jahren seien es auch viele junge Männer gewesen. „Die Solidarität war nicht ganz so groß wie jetzt.“ ⋌an

Die Mahnveranstaltung an diesem Donnerstag, 10. März, auf dem Alten Friedhof in Waldstetten beginnt um 17 Uhr. Es gelten die aktuellen Coronaregelungen, Masken sollten getragen werden, teilt die Verwaltung mit.

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