Was junge Wißgoldinger wollen

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Alina Brühl und Markus Bader, die Kümmerer der Aktionsgruppe Jugend, auf der Skateranlage in Wißgoldingen. Mit ihren Mitstreitern denken sie über Aktionen nach, die bei Wißgoldinger Jugendlichen gut ankommen und Gemenischaft erzeugen.
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Die Aktionsgruppe Jugend kümmert sich um die Interessen junger Leute und setzt dabei auf Eigenverantwortung und Gemeinschaftserlebnisse.

Waldstetten-Wißgoldingen

Ein Jugendraum stand ganz oben auf der Liste der Dinge, die die Aktionsgruppe Jugend im Wißgoldinger Quartiersprojekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“ für junge Leute angehen wollte, erzählt Markus Bader als Kümmerer der Gruppe. Mit deren Themen „tut man sich ein bisschen schwer“, schließlich sei Jugendarbeit eigentlich eine kommunale Aufgabe. Immerhin konnte die Aktionsgruppe auf Vorhandenes zurückgreifen, denn einen Jugendraum gibt es im Untergeschoss der Schule. „Den kenn‘ ich sogar noch“, erinnert der 47-Jährige sich an seine Jugend. Wie in vielen anderen Gemeinden hat „der Raum“, wie er in Wißgoldingen schlicht heißt, ein Auf und Ab erlebt, lief selbstverwaltet „mal besser, mal schlechter“. Zuletzt war er pandemiebedingt geschlossen, sagt Bader. Davor habe sich zweimal pro Woche die Sozialarbeiterin der Gemeinde gekümmert, die nun aber nicht mehr da sei. „Heute ist Chillen angesagt“, bringt er das auf den Punkt, was die Jugendlichen sich für ihren Raum wünschen. 14 bis 16 Jahre alt sei die aktuelle Clique. Jüngere hätten sich auch für den Raum interessiert, doch die Altersgruppen passen nicht zusammen, darum seien die Jüngeren nun eher am Skaterpark hinter der Kaiserberghalle.

Als der Jugendraum zu war, seien die jungen Leute in Hütten oder Bauwagen ausgewichen, sagt Alina Böhm. Die 18-Jährige ist ebenfalls  Kümmererin in der Aktionsgruppe und weiß: „Daheim sitzen willst du nicht.“ Alternativen seien Bushaltestellen oder „Plätzla“, etwa hinter der Kaiserberghalle, sagt Bader. Weil es deswegen Ärger wegen Müll und Lärm gab, kam’s zu einem runden Tisch und schließlich zur Wiedereröffnung des Jugendraums im Frühjahr. Ein Elternteil hat nun einen Schlüssel, ein 18-Jähriger kümmere sich flexibel und nach Bedarf um die Öffnung. Eigentlich sei der Jugendraum „der Traum“, sagt Bader. Tischkicker, Darts, Billard, Tischtennis – alles da. In einem Nebenraum stehe eine kaputte Küche, dafür, dass dort ein Kühlschrank hineinkommt, organisieren sich die Jugendlichen gerade. Ziel sei eine Struktur mit Zuständigen für Schlüssel und Getränke. Etwa den Innenraum zu gestalten, wäre „ein Schritt, Eigenverantwortung zu übernehmen“, sagt Brühl.

Zusammen Spaß haben

Als Wißgoldinger Mitglied des Jugendgemeinderats sei sie quasi gesetzt gewesen für die Aktionsgruppe, sagt Brühl. Bader, Vater eines 18- und eines 20-jährigen Sohnes, hat sich bereits als Ortschaftsrat um die Belange von Jugendlichen gekümmert. Das Quartiersprojekt, verbunden mit dem Dorfverein, sei die Gelegenheit, das Thema mit hauptamtlicher Unterstützung von Quartiersmanagerin Magdalene Rupp anzuschieben. Und zwar nicht nur den Jugendraum. Auch über Aktionen denken die Kümmerer und weiteren Mitglieder der Gruppe nach, ein Open-Air-Kino haben sie bereits umgesetzt.  Früher habe es Feste gegeben, bei denen Leute verschiedenen Alters mitgemacht haben unter dem Motto „Zusammenkommen, Spaß haben“, erinnert sich Brühl etwa ans Gerümpelturnier. Solche Veranstaltungen seien ausgelaufen, weil es „ein Riesenaufwand“ gewesen sei und die veranstaltenden  Vereine „kurz vorm Draufzahlen“ gewesen seien, sagt Bader, der auch Vorsitzender des TV Wißgoldingen ist.  Möglicherweise könnten im kommenden Jahr die „Fest-erfahrenen Vereine“ etwas auf die Beine stellen, überlegt er. Und hat dabei die positive Erfahrung vom Fest zum Gemeindejubiläum am Stuifenkreuz vor einigen Wochen im Kopf. Da konnten die Wißgoldinger Vereine am Sonntag die bereits von den Stuifenläufen des TV vorhandene Infrastruktur nutzen. Ebenfalls klar war: Die Aktionsgruppe Jugend würde für die Nachtwache bei der Sonnwendfeier sorgen. Wichtig bei allen Überlegungen: Eine Konkurrenz für die Veranstaltungen der Vereine sollen die Ideen der Aktionsgruppe Jugend nicht sein, betont Bader.

Weitere Wünsche junger Wißgoldinger zu erfahren, erhoffen sich die beiden Kümmer davon, dass das Jugendforum, bei dem es genau darum geht, künftig abwechselnd in Waldstetten und Wißgoldingen stattfinden soll – am besten unter einem etwas griffigeren Namen, finden die beiden. Was Brühl und Bader jetzt schon über Wißgoldinger Jugendliche wissen:  Sie „sind verstreut“, sagt Brühl, und meint damit, dass sich die jungen Leute, was Schulen und Freizeit betrifft, entweder nach Gmünd oder nach Göppingen orientieren. Was seit der Umfrage des Dorfvereins zum Leben in Wißgoldingen  vor zwei Jahren bekannt ist und sicher eine gute Ausgangssituation für die Arbeit der Aktionsgruppe Jugend bildet, fasst Bader zusammen: „Dass die Jugendlichen hier zufrieden sind.“ 

Die Gmünder Tagespost stellt in lockerer Folge die Arbeit der sieben Aktionsgruppen im Wißgoldinger Projekt „Wir leben Dorfgemeinschaft“ vor. Wer an diesem Bürgerprojekt mitwirken möchte, kann sich für weitere Auskünfte bei Quartiersmanagerin Magdalene Rupp unter der Telefonnummer (07171) 40357 oder per E-Mail an: magdalene.rupp@haus-lindenhof.de melden.

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