Bagger beißt sich in den Löwen in Wißgoldingen

  • Weitere
    schließen
+
Der Bagger frisst sich in das baufällige Gebäude in der Wißgoldinger Ortsmitte.

In der Ortsmitte haben die Arbeiten für den Abbruch des einstigen Gasthauses begonnen.

Waldstetten-Wißgoldingen. Mit viel Fingerspitzengefühl ist Baggerführer Tim Schumacher von der Firma CK aus Eislingen am Werk. Denn die Nachbargebäude grenzen unmittelbar an das Haus, das er abreißen soll; das einstige Gasthaus "Löwen" in der Wißgoldinger Ortsmitte.

"Ich wohne schräg gegenüber und kann zusehen. Da kommt ein Stück Historie vom Ort weg", sagt eine Anwohnerin und fügt hinzu: "Aber es wird hoffentlich etwas schönes Neues entstehen." Gebannt beobachtet sie, wie sich der Bagger in die Außenhülle des Gebäudes beißt. Längst war die Bausubstanz baufällig. Die Gastwirtschaft schloss bereits 1974 offiziell ihre Türen. Ein Erhalt sei nicht mehr möglich gewesen, sagt Ortsbaumeisterin Maren Zengerle.

Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold, der zum Start der Abbrucharbeiten am Mittwoch Erläuterungen vor Ort bot, bestätigt diese Aussage. Ebenso Uli Calmbach vom Ingenieurbüro VTG Straub. "Man kam stellenweise kaum durch die Räume durch, so vollgestellt und vermüllt waren sie", erklärt er zudem kopfschüttelnd.

Ortsvorsteherin Monika Schneider macht derweil deutlich, dass das Gasthaus "Löwen" "markant für unser Wißgoldingen" gewesen sei. Mit Blick auf den Bagger, der seine Tätigkeit nun aufgenommen hat, bemerkt sie: "Es tut schon ein bisschen weh. Aber die Nutzung war einfach nicht mehr gegeben. Gucken wir, was draus wird." Sie sei gespannt, wie die künftige Nutzung eines Neubaus aussehe.

Bürgermeister Rembold informiert, dass es der Gemeinde gelungen sei, das Nachbargebäude ebenfalls zu erwerben. Der momentane Bewohner könne darin aber noch weitere zwei Jahre wohnen. Dann werde auch dieses abgerissen. Und so entstünde letztlich eine Gesamtfläche von rund 1900 Quadratmeter, auf dem Wohnen für junge Familien, aber auch für Senioren anvisiert sei. Jetzt mache man sich auf die Suche nach Bauträgern oder Investoren, die an dieser Stelle etwas Neues schaffen. Er sprach von einer großen Chance für die Entwicklung der Wißgoldinger Ortsmitte. Zu dieser wolle man auch das Ohr an den Bürgern haben und den neugegründeten Dorfverein "um Rat fragen".

Kämmerer Gerhard Seiler informiert darüber, dass es für den Abbruch und den Kauf des Geländes einen Zuschuss in Höhe von rund 200 000 Euro aus dem Fördertopf "Entwicklung Ländlicher Raum" gegeben habe. Rembold wiederum rechnet dagegen, dass die Gemeinde mit insgesamt 600 000 Euro (inklusive Abbruch und Entrümpelung) in Vorleistung gehe, damit hier eine neue Ortskernentwicklung stattfinden könne. Er sah das Projekt als "wichtige und stärkende Maßnahme für die Entwicklung Wißgoldingens" an. k

Anja Jantschi

Zurück zur Übersicht: Wißgoldingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL