Das Bezirksamt muss herhalten

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Der Hexenbesen sorgt für Abstand: Thomas Schmid, Agnes Schmid, Carolin Thurner, Oberhexe Bettina Dressel.
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Wie ein Posaunist auf Turkey und viele Stuifa-Hexa am Bande den Sturm auf die Wißgoldinger Verwaltung wuppen.

Waldstetten-Wißgoldingen. Sie sind zwar nur zu dritt, und das soll auch so sein, aber Stimmung machen sie allemal, die zwei Stuifa-Hexa und der Drehorgelspieler vor dem Wißgoldinger Bezirksamt. Thomas Schmid sagt, was Sache ist an diesem Schmotzgen Donnerstag: "Mir lassat eufach net nach." Normalerweise würde er mit der Wißgoldinger Hofkapelle für die Schunkelrunden beim Waldstetter Rathaussturm sorgen. Wegen der Pandemie geht das zwar nicht, dafür gibt's in Wißgoldingen etwas noch nie Dagewesenes: Das Bezirksamt gehört nun den Stuifa-Hexa. Das sehen Passanten an zwei Bilder-Girlanden mit DIN-A4-großen Hexen-Bildern, die den Eingang schmücken, und an der lebensgroßen Puppe im grün-schwarzen Häs der Stuifa-Hexa, die nun vor der Tür sitzt. Ein Schüler habe der Puppe Kekse dagelassen, erzählt Oberhexe Bettina Dressler. Er wollte sehen, was aus den Bildern wurde, die Wißgoldinger Schüler in den vergangenen Tagen ausgemalt haben.

Eigentlich hätte eine der Girlanden an der Schule hängen sollen. "Aber das wäre schade gewesen", weil dort gerade kaum Leute vorbeikommen, sagt Agnes Schmid. Sie hat die Aktion initiiert, hat die fertigen Bilder, ein Teil ging an die Stuifa-Hexa, der andere an die Grundschüler, foliert und aufgereiht, damit wenigstens ein bisschen Fasching ist. Ebenfalls dafür greift Thomas Schmid zum Mikrofon und fordert die Wißgoldinger auf, zu Hause zu bleiben und einfach bloß die Fenster aufzureißen. "Wir machen Party nächstes Jahr", stellt er in Aussicht. Und spielt ein paar Stücke auf seiner Drehorgel. Die hat er sich im ersten Lockdown zugelegt, "ich war so auf Turkey" – auf Entzug, weil er als Posaunist in den Musikvereinen Straßdorf und Wißgoldingen, ganz zu schweigen von der Hofkapelle, nicht mehr spielen durfte. Mit seinem neuen Instrument habe er Vereinsmitgliedern coronakonform Geburtstagsständchen im Garten gebracht – "im Verein muss ja auch noch was passieren".

Die beiden Stuifa-Hexa haben inzwischen schon fleißig Whats-App von der Aktion vor dem Bezirksamt verschickt. "Schon 20 Antworten", freut sich Agnes Schmid. Sollte doch mal kurz Funkstille herrschen, können die Wißgoldinger Narren in der extra zusammengestellten "Hexen-Post" schmökern. Und dafür, dass durch den Ort Fahrende ebenfalls mitbekommen, wer hier nun das Sagen hat, sorgt Karin Joos. Die ist zwar Göggingerin, aber "voll dabei", bei den Hexen. In ihrer Tankstelle sind die Fenster nicht nur mit Ausmalbildern, sondern mit Fotos von den Stuifa-Hexa geschmückt.

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