Blinddarmentzündungen richtig erkennen

Hüpfen kann Klarheit schaffen
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Aalen. Eine Blinddarmentzündung ist anfangs nicht leicht zu erkennen. Bei Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen können viele Gründe vorliegen. Der Schmerz tritt meist zunächst rund um den Bauchnabel auf und verlagert sich mit der Zeit in den rechten Unterbauch. Es kommt zu Fieber.

„Die sogenannte Blinddarmentzündung ist die häufigste akute Darmkrankheit. Besonders oft tritt sie im Alter zwischen zehn und 29 Jahren auf“, erläutert AOK-Arzt Dr. Jan Paulus. Rund 56 Prozent aller Blinddarm-OPs finden in dieser Altersklasse statt.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 80 000 Menschen daran. In Baden-Württemberg waren 6600 AOK-Versicherte 2018 auf dem OP-Tisch, in Ostwürttemberg waren 229 – davon 150 im Ostalbkreis und 79 im Landkreis Heidenheim, um eine Appendektomie, die operative Entfernungen des Wurmfortsatzes vorzunehmen.

Die Zahlen sind bundesweit seit Jahren leicht rückläufig, was vermutlich demographische Ursachen, da weniger Kinder operiert wurden.

Es gibt keine Untersuchungsmethode, die eine Appendizitis mit Sicherheit bestätigen oder ausschließen kann. Ein Indikator: Wenn beim Fiebermessen unter den Achseln und rektal unterschiedliche Temperaturen angezeigt werden.

In der Akutphase der Entzündung werden die Schmerzen beim Laufen plötzlich stärker. Daher wird bei Verdacht der Patienten vom Arzt darum gebeten, zu hüpfen. Bei starken Schmerzen ist die Wahrscheinlichkeit einer Wurmfortsatz-Entzündung sehr hoch. Neben dem körperlichen Abtasten werden auch Blut- und Urinproben auf Entzündungswerte untersucht.

„Bei einem entzündeten Blinddarm besteht die Gefahr, dass er aufplatzen kann. Dabei ergießt sich der mit Keimen überschwemmte Darminhalt in den Bauchraum. Das kann eine schwere und lebensgefährliche Bauchfellentzündung verursachen“, weiß Dr. Paulus. Daher ist zügiges Handeln geboten. Je nach Entzündungswert entscheidet der Arzt, ob eine OP stattfindet oder es mit einer Antibiotikatherapie versucht wird.

Gründe für eine Blinddarmentzündung gibt es mehrere: häufig ist ein Verschluss des Wurmfortsatzes durch verhärteten Kot oder eine Abknickung desselben. Vorbeugende Maßnahmen sind nicht bekannt.

Beruhigend zu wissen: Bei einer Operation wird minimal-invasiv vorgegangen, so dass die kleinen Bauchschnitte kaum Narben hinterlassen. In der Regel ist der Patient nach der OP für zwei Wochen krankgeschrieben, damit die Verheilung erfolgreich verläuft.

© Gmünder Tagespost 12.06.2019 07:24
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