Durchgekaut

Omas Rezept und die Folgen

Bea Wiese über Kohlgemüse, für das nicht jeder schwärmte

Denke ich an Kohlgemüse, dann habe ich ihn noch heute in der Nase: den süßlich-herben, durchdringenden Duft von Rotkohl, der das ganze Haus erfüllte. Meine Großmutter, die täglich für die fünfköpfige Familie kochte, bereitete ihn von A bis Z selber zu. Der rote Kohlkopf wurde im eigenen Garten gezogen, neben Weißkohl, Grünkohl, Wirsing, Lauch, Sellerie und anderem mehr. Alles bio, würde man heute sagen, ein Begriff, den Oma noch nicht kannte. Dass mancher in der Familie das Rotkohlgemüse doch nicht so schätzte, lag an Omas Zubereitungsart. „Kohl muss blank sein“, verriet sie mit einem fast verschwörerischen Blick. „Blank“, das hieß nach ihrem Rezept: den klein geschnittenen Rotkohl nicht nur in Fett anschmoren, sondern noch eine ordentliche Portion Schweineschmalz dazugeben. „Teufelszeug“, würden Ernährungsexperten von heute sagen. Für Oma war Schmalz unverzichtbar für den „runden“ Geschmack des Rotkohls. Für manchen am Tisch ein guter Grund, hinterher einen Schnaps zu trinken. Nur für die Verdauung natürlich, was sonst?!

© Gmünder Tagespost 18.02.2021 14:40
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