CDU-Vorsitz

Endspurt der Kandidaten vor dem CDU-Parteitag

Kurz vor dem entscheidenden Votum lassen immer mehr Unionsleute ihre Präferenzen erkennen. Oft fällt das Stichwort „Regierungserfahrung“ – oder gleich der Name Laschet.
  • Norbert Röttgen (von links nach rechts) Armin Laschet und Friedrich Merz. Foto: Michael Kappeler/dpa
Monatelang dümpelte der CDU-interne Wahlkampf vor sich hin. Kein Wunder, war doch Corona-bedingt lange nicht mal klar, ob und wann überhaupt entschieden wird, wer neuer Parteichef werden soll. Nun aber, wenige Tage vor der Abstimmung, kommt Endspurtstimmung auf. Abzulesen ist das vor allem daran, dass gleich mehrere einflussreiche Unionsmitglieder nun ihre Präferenzen erkennen ließen – und zwar zu Gunsten von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Drei Stimmen sind hervorzuheben, darunter die von Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die den Wettbewerb bisher mit eiserner Neutralität begleitet hatte. Nun aber erklärte sie in der „FAZ“, wie wichtig Regierungserfahrung sei und fügte ausdrücklich den Namen Laschet hinzu. Als dies Wellen in der Partei und auch im Lager von Friedrich Merz schlug, ließ sie klarstellen, dass es sich keinesfalls um eine Wahlempfehlung handele: „Wenn es um die Wahl des neuen Parteivorsitzenden geht, war und bleibe ich neutral.“

Merz und Röttgen wehren sich

Vielleicht auch deswegen, weil nicht zuletzt seit dem heftigen Streit um die Parteitagsverschiebung im Herbst schon der Anschein von Strippenzieherei des „Establishments“ zu einer Pro-Merz-Mobilisierung führen könnte.

Einen dezenteren, aber ebenfalls gut erkennbaren Fingerzeig mit demselben Stichwort hatte vor einigen Tagen Kanzleramtsminister Helge Braun gegeben. „Ich habe eine sehr klare Präferenz dafür, dass wir jemand mit Regierungserfahrung brauchen“, sagte Braun, der damit Merz von seiner Favoritenliste strich. Braun wiederum äußert nur selten etwas, das nicht auch seine Chefin Angela Merkel teilen würde. Schließlich wurde allenthalben registriert, dass der derzeit wohl mächtigste Unionsmann, CSU-Chef Markus Söder, nicht nur am digitalen Neujahrsempfang von Laschet teilgenommen, sondern den NRW-Kollegen dort mit Lob überschüttet hatte.

Merz und der dritte Bewerber Norbert Röttgen hielten derweil nach Kräften dagegen. Merz verwies in einem Interview auf die „zahlreichen Kreisverbände“, die sich mit „teilweise sehr großen Mehrheiten“ für ihn ausgesprochen hätten. Röttgen ließ seinerseits mit einer Absage an die FDP aufhorchen und empfahl sich als Kandidat für alle Strömungen in der CDU. Die 1001 Delegierten stimmen am Samstag online ab, das Ergebnis muss anschließend noch per Briefwahl rechtssicher bestätigt werden. Ein Probelauf verlief nach Parteiangaben erfolgreich: Bei einer Testabstimmung über die Lieblingsmusikrichtung, an der mehr als 800 Delegierte teilnahmen, ging demnach alles glatt – und Pop als Sieger hervor.

Ellen Hasenkamp
© Südwest Presse 14.01.2021 07:45
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