Technologieoffenheit statt Elektromobilität

BMW: Zipse glaubt nicht an „rasche Umstellung“ auf Elektroauto

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BMW-Chef Oliver Zipse glaubt nicht an einen schnellen Wechsel auf das Elektroauto. Daher sollen die Kunden entscheiden, welchen Antrieb sie bevorzugen.

München – Die Tage des Verbrenners scheinen langsam, aber sicher gezählt. Für viele Hersteller ist das Elektroauto die Zukunft. Audi will deswegen ab 2030 keine Verbrenner mehr verkaufen. Bei BMW zeigt man sich indes zurückhaltend, der Chef des Münchner Autobauers, Oliver Zipse (58), warnte jüngst erst vor einem zu schnellen Umstieg. Diese Meinung hat er nun noch einmal bekräftigt.

Während die Konkurrenz bereits Ausstiegsdaten nennt, geht BMW einen anderen Weg und setzt auf Technologieoffenheit. Die Kunden sollen entscheiden, welchen Antrieb sie bevorzugen. Allerdings wird das Elektroauto auch in München immer wichtiger: So sollen spätestens 2030 die Hälfte der weltweit verkauften Fahrzeuge batterieelektrisch sein, sagte Zipse in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)“.

Elektroautos sollen bis 2030 die Hälfte des BMW-Absatzes aus machen. An einen schnellen Umstieg glaubt Oliver Zipse jedoch nicht. (Symbolbild)

BMW: Zipse glaubt nicht an „rasche Umstellung“ auf Elektroauto

Vereinzelt könne der Anteil der Elektroautos auch höher ausfallen. „Gleichzeitig verkaufen wir in Europa noch immer eine sechsstellige Zahl von Dieselfahrzeugen jährlich. Zugleich hat in den ersten drei Monaten keiner unter den etablierten Premiumherstellern weltweit so viele batterieelektrische Autos verkauft wie BMW“, betont Zipse.

Gleichzeitig entwickelt BMW auch weiterhin an der Wasserstoff-Brennstoffzelle. Diese sieht Zipse als eine „sinnvolle Ergänzung im oberen Marktsegment“, da die Brennstoffzelle die Vorteile von Verbrennungs- und Elektromotor verbinde. „In Kalifornien, Südkorea und Japan wird sie am schnellsten relevant. Diese Länder sind offener als wir hier in Deutschland“, erklärt der BMW-Chef, der an den Sonderweg der Marke glaubt. „Vielfalt ist gut, Vielfalt schafft Resilienz. Das ist besonders wichtig, wenn sich die Rahmenbedingungen so schnell ändern wie gerade jetzt.“

BMW: Zipse sieht in Deutschland bei Ladesäulen Nachholbedarf

Zipse fühlt sich auch durch das gute Ergebnis im ersten Quartal in seinem Weg bestätigt. Deswegen plant BMW vorerst auch noch nicht die Entwicklung der Verbrenner einzustellen – so wie es etwa Audi plant. Das wäre nur dann sinnvoll, wenn in den kommenden „zehn Jahren alle Kunden auf das Elektroauto umsteigen. Diese Wette gehe ich nicht ein.“

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Auf einzelnen Märkten, wie Deutschland oder Großbritannien, kann sich der BMW-Chef einen schnellen Wechsel vorstellen. Weltweit sei eine so „rasche Umstellung“ aber nicht zu erwarten. Damit die Transformation jedoch problemlos gelinge, brauche es jedoch mehr Lademöglichkeiten. Hier sieht Zipse in Deutschland jedoch noch Nachholbedarf: „In Deutschland wächst der Markt für Elektroautos etwa fünfmal so schnell wie das Angebot an Ladesäulen.“ Auf Dauer könnte diese Entwicklung zu einer Gefahr für den Verkauf der Stromer werden, betont der 58-Jährige. Daher müsse die EU die Mitgliedsstaaten über die AFIR-Regulierung dazu verpflichten, eine „entsprechende Ladeinfrastruktur“ aufzubauen.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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