Seat-Tochter schickt Sondermodell auf die Straße

Testfahrt im Cupra Formentor VZ5: Ein Kampfstier im Schafspelz

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Driften auf Asphalt - dafür hat der Cupra Formentor VZ5 sogar ein eigenes Fahrprogramm. Erlaubt ist das aber nur auf abgesperrten Pisten.
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Er ist einer von 7.000. Nur so viele Exemplare wird Cupra, die Edel- und Performance-Marke von Seat, vom neuen VZ5 bauen. Wir konnten das 390-PS-SUV testen.

  • Noch nie hatte ein Cupra so viel Power wie der neue Formentor VZ5.
  • Mit 390 PS und 480 Nm Drehmoment kann man kurven, carven, driften.
  • Wer einen haben will, muss sich aber beeilen – es gibt nur 7.000 davon.

Olé, caramba und hasta la vista! Wer immer noch denkt, dass Seat eine verschnarchte VW-Tochter aus Spanien ist, der hatte noch keine Begegnung mit einem Cupra. So heißt nämlich die ziemlich erfolgreiche Perfomance-Tochter, die mit dem Formentor anno 2021 das erste komplett eigenständig entwickelte Fahrzeug auf die Straßen geschickt und damit auf Anhieb den Titel des „beliebtesten deutschen Leasingfahrzeugs“ errungen hat. Damit jedoch nicht genug. Vom Formentor gibt es jetzt eine auf 7.000 Exemplare beschränkte Sonder-Edition mit 390 PS und dem legendären Fünfzylinder-Motor von Audi. Ein Kampfstier im Schafspelz. Wer sich für weitere ausführliche Fahrberichte interessiert, wird zudem hier fündig*.

Kupferfarben ist der Auspuff auch beim VZ5, diesen speziellen Cupra erkennt man an den versetzt angeordneten Endrohren.

Das Geheimnis des Torque-Splitters

Was den VZ5 so fahrdynamisch macht, ist der so genannte Torque-Splitter. An der Hinterachse verteilen zwei unabhängig voneinander arbeitende Lamellen-Kupplungen die Kraft unterschiedlich an die Räder. Bis zu herzhaften 1400 Nm Drehmoment sind dadurch an einem einzigen Rad möglich. Was das für die querdynamischen Eigenschaften des Fahrzeugs bedeutet, konnten wir auf einem neuen Gelände am Münchner Flughafen testen. Das Cupra-Center ist jetzt dort, wo auch Audi seine Trainingsschleifen dreht. Direkt hinter den Lufthansa-Wartungshallen wartet ein abgesteckter Asphalt-Kurs auf uns. Das ist insofern wichtig, als man den Drift-Mode, den es so nur im Cupra VZ5 gibt, nicht auf öffentlichen Straßen nutzen darf und sollte. Denn in diesem Fahrmodus wird die elektronische Stabiltätskontrolle (ESC) tatsächlich komplett ausgeschaltet, nur ein Kippen das Fahrzeugs seitlich über die Räder wird im äußersten Notfall noch verhindert. Sonst bewegt man so ein Auto wie man früher einen Wagen gefahren hat. Ohne Netz und doppelten Boden.

Sechs Fahrmodi bietet der VZ5. Wer auf Drift schaltet, kann in den Kurven schleudern, aber Vorsicht! Alle Sicherheitssysteme sind dann abgeschaltet.

Mit dem VZ5 auf Asphalt so driften wie auf Eis

Reichlich Leistung auch für einen kurzen Anlauf bis zur Kurve ist ja vorhanden. Der legendäre Fünfzylinder-Turbo-Benziner, der auch im Audi RS 3 seinen Dienst tut, bringt 390 PS auf die Straße. Das Drehmoment zieht schon bei 2.250 Umdrehungen auf das höchste Niveau und beißt erst jenseits von 5.700 U/min wieder aus. Der Tritt auf das Gaspedal peitscht den Formentor nach vorne, Kurve anvisieren und schon nach einem bemerkenswert geringen Lenkeinschlag kommt das Heck um die Ecke. Kurzfristig hat der Torque Splitter bis zu 100 Prozent der Hinterachs-Antriebskraft an das kurvenäußere Rad geschickt. Ein kleiner Twist mit großer Wirkung. Gegenlenken, Fahrzeug einfangen – und weiter geht’s bis zur nächsten Kurve und zum nächsten Drift. Das ist fast so einfach wie auf Eis, allerdings deutlich ruinöser für die Pneus.

Die eigens für den VZ5 entwickelten Sportsitze, sind hart aber bequem und bieten den nötigen Seitenhalt in scharf gefahrenen Kurven.

Wer noch mehr will: Abt bringt den Formentor auf 450 PS

Mit seinen 390 PS ist der Cupra Formentor VZ5 das bislang stärkste Modell der spanischen VW-Tochter. Zum technisch ziemlich ähnlichen RS 3 von Audi wird wohl aus konzerninternen Gründen ein kleiner Abstand gewahrt. Zehn PS mehr holen die Ingolstädter aus dem gleichen Motor und auch beim Drehmoment satteln sie um 20 bis 500 Nm auf. Wer das alles noch toppen möchte, aber beim Cupra bleiben will, der muss den Weg ins Allgäu antreten. Dort sitzen die Spezialisten von Abt und zaubern 450 PS aus dem Benziner, das Drehmoment steigt auf 530 Nm, was sich auch bei den Sprintwerten niederschlägt. 3,8 Sekunden von 0 auf 100, da geht zwar trotzdem der RS3 als erster ins Ziel, kurz aber dahinter kommt der Abt mit 3,9 Sekunden. Der „normale“ VZ5 erhält Bronze mit 4,2 Sekunden. Dafür bremst der Formentor auf Augenhöhe mit dem RS 3 – denn beide haben ein Upgrade erhalten. Nein nicht Brembo, sondern eine Nummer drüber: eine 6-Kolben-Bremse von Akebono.

Macht auch im Gelände eine gute Figur. Der Cupra Formentor VZ5 klettert über Stock und Stein, richtig daheim ist er aber auf Asphalt.

Cupra Formentor VZ5: Komfortabel cruisen und giftig um die Kurven tanzen

All diese Werte sind ja schön und gut und bester Stoff oder beim Kampf um die Lufthoheit am echten oder wahlweise virtuellen Stammtisch in der Facebook-Gruppe. Viel wichtiger ist, wie sich die Autos im Alltag fahren lassen. Und da haben sie den Cupra Formentor VZ5 recht gut platziert. Er kann Komfort und er kann um die Kurven tänzeln. Das ist echter Fahrspaß mit echter und auf Wunsch auch künstlicher Klangbegleitung aus dem Lautsprecher. Dabei schaut der eigens für den VZ5 konstruierte, vierflutige Auspuff so aus, als ob er sich auch so ordentlich Gehör verschaffen könnte. Cool sind jedenfalls die Doppelend-Rohre. Sie sind leicht versetzt übereinander angeordnet. Schließlich will der stolze VZ5-Besitzer auf den Straßen auch als solcher erkannt werden. Denn die anderen Unterscheidungsmerkmale zum handelsüblichen Formentor sind ziemlich dezent: Die Akzentfarbe Schwarz, sowie Frontlippe und Heck-Diffusor in Carbon-Optik übersieht man leicht. Auch dass der VZ5 um zehn Millimeter niedriger liegt, fällt vermutlich nur dem Experten auf.

Kurios: Von Zeit zu Zeit gibt das Display Eco-Tips, flächendeckend, so dass Infos wie das Tempo nur ganz winzig gezeigt werden können.

Unser Fazit: Schade, dass nur 7.000 diesen Spaß haben

Auch jenseits der Teststrecken zeigt sich der VZ5 ziemlich agil. Das hat man ihm quasi schon mit dem Namen mitgegeben. VZ ist die Abkürzung für das spanische Wort „veloz“, was für schnell und wendig steht. Und so geht es auch durch die Bergstraßen. Wie der Formentor so um das Stockerl fährt, beim Skifahren nennt man das nicht kurven, sondern carven. Worauf wir verzichten können, das ist die Eco-Anzeige, die im unpassenden Moment auf dem digitalen Tacho erscheint und flächendeckend so gute Eco-Tipps gibt wie „Bitte Wählhebel in Position D einlegen“. Extrem sinnbefreit, wenn man gerade im Sportmodus um die Ecken zirkelt, weil man Spaß haben will. Wie man von Cupra hört, kann man das aber auch ausschalten. Ist auch besser so. Unser Fazit zum VZ5: Schade, dass es nur 7.000 Exemplare gibt, wir hätten viel mehr Leuten so viel Fahrspaß gegönnt.

Technische Daten Cupra Formentor VZ5 4drive

  • Motor: Fünfzylinder-Turbo-Benziner
  • Hubraum: 2.480 ccm
  • Leistung: 287 kW (390 PS) bei 5.710 - 7.000 U/min
  • Drehmoment: 480 Nm bei 2.250 – 5.710 U/min
  • Antrieb: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad
  • 0 – 100 km/h: 4,2 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Normverbrauch: 9,3 l
  • CO2-Ausstoß: 212 g/km
  • Länge/Breite/Höhe: 4,45/1,84/1,51 m
  • Leergewicht/Zul.: 1.683/437 kg
  • Kofferraum: 420 – 1.474 l
  • Preis ab 62.700 Euro

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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