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Pilot gibt „Geheimnisse“ aus Arbeitsalltag preis: schlimmster Flughafen und Amateure am Steuer

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Von: Franziska Kaindl

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Sie waren schon immer neugierig, wie es im Alltag eines Piloten wirklich aussieht? Ein Flugkapitän gibt nun anonym Einblick in den Beruf.

Pilot ist für viele von Kindheitsbeinen an ein Traumberuf. Ständig auf Achse sein, ein gutes Gehalt bekommen, den Respekt der Mitmenschen spüren – all das klingt für Außenstehende besonders verlockend. Wer mit dem Gedanken spielt, ebenfalls Pilot zu werden, hat sich aber bestimmt auch schon gefragt, wie es hinter den Kulissen wirklich aussieht. Und auch für diejenigen, die sich beruflich bereits anderweitig festgelegt haben, ist es spannend zu erfahren, wie manche Dinge aus Sicht eines Flugkapitäns wirken. Antworten auf viele Fragen gibt nun ein Mann auf der Online-Diskussionsplattform Reddit: Nach eigener Aussage ist er Pilot einer europäischen Airline und fliegt eine Boeing 737. Den Arbeitgeber möchte er aber nicht preisgeben.

Pilot beantwortet Fragen: Wie gefährlich ist ein Handy, dass sich nicht im Flugmodus befindet?

Bei Start und Landung müssen Passagiere ihre Smartphones auf den Flugmodus einstellen – aber was passiert eigentlich, wenn das jemand vergisst? Das wollte zum Beispiel einer der Nutzer von dem anonymen Piloten wissen: „Wie oft ist schon die Elektronik in Deinem Cockpit durcheinander gekommen, weil jemand heimlich sein Handy doch nicht im Flugmodus hatte?“

Gefaltene Hände eines Piloten
Pilot zu sein, ist ein anspruchsvoller Beruf. © Image Source/Imago

Die Antwort darauf: „Quasi täglich stürzen wir deswegen ab“, meint der Flugkapitän mit einem Augenzwinkern. „Nein, im Ernst, es macht vermutlich die Masse. Wenn sich 200 Handys gleichzeitig im Netz einwählen würden, könnte es mit Sicherheit Interferenzen geben, aber bei gewöhnlichen Anflügen merkt man nichts.“ Nur bei Anflügen im Nebel würde oft noch einmal gesondert darauf hingewiesen werden, dass Handys auszuschalten sind. „Der Anflug ist aber auch deutlich präziser, sodass kleine Interferenzen schneller bemerkbar sind. Man hört es aber manchmal im Headset, wenn ein Handy an ist.“

Welcher Flughafen ist für Piloten am schlimmsten?

Als Reisender macht man so seine Erfahrungen mit Flughäfen – von Verspätungen über Streiks bis hin zu den Preisen für Speisen und Getränke. Aber was ist eigentlich der schlimmste Flughafen aus Pilotensicht, möchte ein Nutzer wissen. Darauf gibt es eine klare Antwort: „Ich persönlich finde Paris Charles de Gaulle furchtbar. Lange Rollzeiten, viel Verkehr im Anflug, dementsprechend bekommt man ständig die Speeds und alles vorgegeben. Dazu am Boden oft Chaos in der Abfertigung, ständig Streiks und dauernd französisch auf der Frequenz.“

Ob sich das mit der Meinung von Flugpassagieren überschneidet? Zumindest im AirHelp Score 2022 schneidet der Airport mit dem 115. von 151. Plätzen ebenfalls nicht bestens ab. Doch auch deutschen Flughäfen schaffen es nur knapp unter die Top 100.

Traumberuf: Wie attraktiv ist der Beruf des Piloten noch?

Das Pilotendasein gilt für viele immer noch als Traumberuf – aber ist das in der Realität genauso? Auch hier scheint sich das Bild ein wenig gewandelt zu haben, wie der Pilot anonym auf Reddit meint: „Mit Sicherheit nicht mehr so wie früher. Wie in jeder anderen Branche wird an jeder Ecke versucht zu optimieren. Ich bin sehr froh bei meinem Arbeitgeber, von daher habe ich nie bereut den Weg einzuschlagen.“

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Nutzer will wissen: Fliegen Piloten auch mal betrunken?

Apropopos Wandel: Ein Reddit-User meint, gehört zu haben, dass Piloten oft betrunken fliegen – und fragt natürlich prompt nach. Dazu meint der Flugkapitän: „Früher kam es mit Sicherheit häufiger vor, heutzutage aber sehr selten. Es werden vereinzelt Alkoholkontrollen durchgeführt, das soll wohl die nächsten Jahre intensiviert werden. Was in anderen Airlines abgeht, kann ich aber natürlich nicht einschätzen.“

Amateur am Steuer: Könnte ein Passagier ein Flugzeug im Notfall landen?

Es ist ein Szenario, das sich wohl jeder Flugpassagiere schon einmal ausgemalt hat: Der Pilot ist außer Gefecht gesetzt und plötzlich muss ein Laie ans Steuer. Eine Vorstellung, die auch gerne mal in Hollywood-Filmen, zur Realität gemacht wird. Aber: „Wie wahrscheinlich ist es für einen Laien, der keine Ahnung hat, in einem angenommenen Ausnahmefall das Flugzeug mit Anweisungen über Funk zu landen?“, will ein Nutzer wissen.

Zumindest scheinen die Chancen nicht gegen null zu gehen, wie es scheint: „Zunächst muss der Laie natürlich erstmal wissen, welche Knöpfe man überhaupt zum Funken drücken muss“, meint der Pilot amüsiert. „Aber wenn auf der anderen Seite ein Pilot sitzt, der das gut erklärt, ist es schon denkbar. Ich würde mich in dem Fall nicht darauf verlassen, dass der Laie den Flieger selber landet, sondern ihn anweisen, eine automatische Landung zu programmieren.“

Tipps gegen Flugangst – vom Piloten

Auch für Fragesteller mit Flugangst hat der Pilot auf Reddit einige Tipps parat. Seiner Meinung nach gäbe es keinen objektiven Grund für Flugangst. „Ich weiß aber natürlich, dass solche Ängste nicht auf Fakten ruhen“, so der Flugkapitän. „Wir haben eine gute Ausbildung durchlaufen und meist echt Spaß im Cockpit. Um an einem Punkt anzukommen, den man nicht mehr oder nur noch schwer kontrollieren kann, muss schon vorher einiges falsch gelaufen sein, aber um das zu verhindern werden wir regelmäßig trainiert“. Wer dennoch aktiv etwas gegen seine Flugangst unternehmen wolle, könne auch an entsprechenden Seminaren teilnehmen: „Es gibt Flugangstseminare, die Grundlagen der Theorie, den Ablauf eines Fluges und die Trigger für Flugangst behandeln. Meines Wissens sind bei einigen Seminaren auch Flüge in Begleitung eines Psychologen mit inbegriffen. Die sind nicht ganz billig, aber über das Leben gesehen kann es ja eine sinnvolle Investition sein.“

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