Heizen im Sommer – Das müssen Sie wissen

Heizung Mag sich der Sommer nicht so richtig einstellen und bleiben die Temperaturen kühl, muss auch außerhalb der sogenannten Heizperiode geheizt werden.

Sommer, Sonne, Wärme … nicht immer. In den Sommermonaten kann es auch zu Kälteperioden kommen, in denen die Temperaturen kaum an die 20-Grad-Grenze reichen. Dann heißt es für Mieter und Hausbesitzer: Heizung einschalten. Doch beim Thema Heizen im Sommer gilt es einiges zu beachten.

Außerhalb der Heizsaison heizen

Zunächst ist festzuhalten: Eine gesetzliche Heizperiode gibt es grundsätzlich nicht. Dennoch gilt der Zeitraum zwischen dem 1. Oktober und dem 30. April als allgemein gültig. In der Vergangenheit haben verschiedene Gerichtsurteile diesen zeitlichen Rahmen bestätigt. Je nach Region sind auch Ausnahmen zulässig. In diesen Fällen ist der Beginn auf den 15. September und das Ende auf den 15. Mai verschoben.

Da es dazu keine gesetzliche Verankerung gibt, ist die Heizperiode nicht selten im Mietvertrag festgehalten. Doch laut einem Urteil des Landgerichts Kassel (LG Kassel WM 64,71) ist diese vertragliche Übereinkunft bei der Frage, ob im Sommer geheizt werden muss oder nicht, nicht von großer Bedeutung.

Die Tagestemperatur ist entscheidend

Ob im Sommer geheizt werden muss, ist von den Temperaturen, die draußen herrschen, abhängig. Das bedeutet, sinken die Außentemperaturen, sodass die Wohnung auskühlt, muss der Vermieter etwas unternehmen. Dabei sind jedoch nicht die eigenen Wohlfühltemperaturen entscheidend. Um sich an einem Wert zu orientieren: die Heizungsindustrienorm DIN 4701 sieht eine Mindesttemperatur in Wohn- und Schlafräumen von 20 Grad Celsius vor. Der Bundesgerichtshof (Urteil v. 15.05. 1991 – VII ZR 38/90) hält dies im Übrigen auch für angemessen. Im Bad sollte es mit 22 Grad Celsius etwas wärmer und im Flur kann es hingegen auch etwas kühler sein (15 Grad Celsius).

Sinken die Zimmertemperaturen in den Sommermonaten dauerhaft unter 18 Grad Celsius, ist der Vermieter verpflichtet, die Heizungsanlage wieder anzustellen. Dabei reicht es auch, wenn sich die Witterungsverhältnisse absehbar nicht verändern. Im Klartext: die Temperaturen müssen nicht über mehrere Tage erfasst werden, um im Anschluss den Vermieter zu informieren. Mieter können bereits ihren Vermieter am ersten Tag darauf hinweisen, wenn die Außentemperaturen so niedrig sind und laut Wetterprognose keine Veränderung in Sicht ist.

Übrigens lassen sich Beginn und Ende der Heizperiode auch anhand der Außentemperaturen ermitteln. Die Grundlage bildet hierbei ein durchschnittlicher Wert aus fünf Tagen. Liegt das sogenannte Tagesmittel unter 15 Grad Celsius, fängt in der Regel die Heizsaison an und sie endet, wenn über fünf Tage hinweg die Temperaturen durchschnittlich mindestens 15 Grad Celsius betragen.

Die Frage nach der Mietminderung

Grundsätzlich sind die Gerichtsurteile und auch die DIN-Norm nur eine Orientierung. Das heißt, kann die 20-Grad-Grenze im Sommer nicht erreicht werden und schaltet der Vermieter die Heizung auch nicht wieder an, liegt ein Mietmangel vor. Dieser begründet eine Mietminderung nach § 536 BGB. Wie hoch diese ausfällt, richtet sich danach, in welchem Umfang die Wohnung wirklich nicht mehr genutzt werden kann. Schäden wie Feuchtigkeit oder Schimmel sind ein wichtiger Faktor. Jedoch sollte der Mietmangel dauerhaft sein. Besteht er nur wenige Tage im Sommer, wird er in der Regel nicht vor Gericht bestehen können.

Die Mietminderung sollte jedoch immer das letzte Mittel der Wahl sein. Denn es ist in jedem Falle ein juristischer Schritt, der auch gut vorbereitet sein sollte. Eine Empfehlung: die Anfertigung eines Temperaturprotokolls über mehrere Tage hinweg.

Die Pflicht des Mieters

Das Heizen im Sommer ist jedoch nicht nur eine Frage der Verantwortung seitens des Vermieters. Denn unter Umständen macht es dem Mieter nichts aus, wenn es im Wohnzimmer 18 Grad Celsius oder kälter ist. Das bedeutet, der Mieter muss natürlich auch nicht heizen - wenn er nicht möchte. Einzige Einschränkung dabei ist, dass keine Schäden an der Wohnung entstehen, wenn der Mieter im Sommer nicht heizt (wie zum Beispiel Schimmel oder dergleichen).

Bild: Pixabay user:ri

© Gmünder Tagespost 22.06.2018 11:59
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