Wie willkommen ist der Besucher?

Einreise Vor den Urlaub haben die Bürokraten die Grenze gesetzt: Vor allem im außereuropäischen Ausland warten auf Reisende Gedulds- und andere Prüfungen.

Lange ist es her, dass die Mehrheit der US-Reisenden schon aus der Ferne die sich stolz in den Himmel reckende Freiheitsstatue erblickte und manches Herz vor Aufregung schneller schlug. Heute verfällt das Organ eher in Schockzustand angesichts der Endlosschleifen, in denen sich Neuankömmlinge unter Neonlicht durchs Terminal winden. Dabei ist das mehrstündige Auf-der-Stelle-Trampeln eine Streicheleinheit im Vergleich zum folgenden Kreuzverhör, das selbst in besten Verhältnissen lebende Europäer in Schwerverbrecher verwandelt: Man wolle einen Freund besuchen? Ja, woher kenne man den denn? Wie lange schon? Was habe man am Ort des Kennenlernens gemacht? Was habe man nun gemeinsam vor? Doch nicht nur die US-Grenze ist bei Reisenden gefürchtet, auch in Israel prasseln die Fragen auf Einreisende ein: Woher man komme und seit wann man dort lebe und wieso? Und warum sei man zuvor in Jordanien gewesen? Wo und bei wem und mit wem? Was wolle man in Israel genau sehen und tun? Da hatte es der Koffer noch gut, der dreimal durch den Scanner geschoben wurde, bis auch das letzte verdächtige Teil im Inneren von den Strahlen weggebeamt worden war.

Immer lächelndes Personal

Wer nach Japan reist, hat es da schon leichter: Nach der verstopften Flugzeug-Toilette ist zunächst Erleichterung auf einer Hightech-Toiletteneinrichtung mit 20 Knöpfen – auf Japanisch beschriftet– angesagt. Wer es schafft, die richtigen Knöpfe zu drücken, bekommt nicht nur den Sitz vor Geschäftsbeginn hochglanzpoliert, sondern nach vollbrachter Tat auch alle wesentlichen Körperstellen mit warmem Wasser abgespritzt. Um dann von behandschuhtem und mit Anzug bekleidetem Flughafenpersonal lächelnd in die richtige, zügig voranschreitende Schalterschlange dirigiert zu werden. Ein Blick, ein Stempel und das Land der aufgehenden Sonne liegt einem zu Füßen.

An Australien scheiden sich die Geister – da gibt es Geschichten über amerikanisch angehauchte Wort-Folter, aber auch Anekdoten über Grenzbeamte, die es nicht ganz so eng sehen mit dem Verhörfragebogen. Besonders, wenn eine Reise nach South Australia, in den Schlemmer- und Weinstaat, geplant ist und der Beamte sämtliche Tipps und Tricks zur Weinverkostung loswerden muss. Aber wehe dem, der eine zerquetschte Banane, Nüsse oder andere illegale Lebensmittel im Gepäck vergessen hat: Die Diskussionen über verdächtiges Futter gestalten sich lang, die Geldbußen sind hoch.

Zu Fuß über die Grenze

Doch am spannendsten sind Grenzen, die man zu Fuß überquert, an irgendeinem Grenzposten in der Einöde. Wie zwischen Kambodscha und Laos, wo sich die Reisenden vor Kiosken voller Snacks und an Picknickbänken sammeln, an denen die Hühner scharren und wo streunende Hunde nach Essbarem rund um Koffer und Rucksäcke wühlen. Je nach Laune der Beamten ist man irgendwann dankbar für die Verpflegungsoptionen, denn es kann vorkommen, dass der Grenzposten schließt. Feierabend halt. Morgen geht’s weiter.

Ähnlich sieht’s zwischen Südafrika und Mozambique aus, nur dass statt Hühnern jede Menge Frauen mit überdimensionalen Schalen und Körben auf den Köpfen durcheinanderwuseln, die alles von Snacks und Drinks bis zu Elektronikartikeln und Dingen, die man bei der Grenzüberschreitung unbedingt braucht, unters Reisevolk bringen.

Und dann gibt es noch die Grenze zwischen der Kurischen Nehrung in Litauen und dem zu Russland gehörigen Kaliningrad, dort patrouillieren Soldaten bei Meerblick, denn die Grenze zwischen beiden Ländern verläuft, wo Grenzen viel öfter verlaufen sollten: im Sand.

© Gmünder Tagespost 06.09.2019 15:00
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