Der Austritt aus der Erbengemeinschaft

  • https://pixabay.com/de/photos/teamgeist-zusammenhalt-gemeinsam-2447163/

Was eine Erbengemeinschaft ausmacht

Eine Erbengemeinschaft ist eine Art Zwangsgemeinschaft. Sie können sich nicht aussuchen, wer dazu gehört, Sie können auch sich selbst nicht ohne Weiteres aus dieser Gemeinschaft herausnehmen. Die Rechte und Pflichten einer Erbengemeinschaft sind zu wahren beziehungsweise zu erfüllen, bis diese letztlich aufgelöst wird. Erst nach der Auflösung der Erbengemeinschaft kommt der einzelne Erbe an sein Geld. Dies ist gleichzeitig auch das Ziel: das Erbe soll verteilt und somit die Gemeinschaft aufgelöst werden.

Zwietracht und Spaltung

Leider ist es oftmals so, dass sich die Erbgemeinschaft in vielen Punkten nicht einigen kann. Die Interessen der einzelnen Miterben sind zu verschieden, der Wille des Erblassers ist oft unklar im Testament formuliert, wird von einzelnen Miterben nicht akzeptiert oder die Erbmasse lässt sich nicht gleichmäßig verteilen. Meist betrifft dieses Problem Immobilien und es kommt im schlimmsten Fall zu einer Teilungsversteigerung, wenn nicht vorher Miterben ihre Anteile an einen anderen Erben oder Dritte verkaufen oder sich mittels einer Art Abfindung auszahlen lassen, sodass die Anteile des Erbes sich auf die übrigen Erben verteilen. Gerichtliche Streitereien jedenfalls ziehen das ganze Verfahren in die Länge und verteuern es auch enorm.

Die Einigung über die Verteilung der Erbmasse

In jedem Fall ist es daher das Beste, wenn die Erbengemeinschaft zu einer Einigung findet. Im Idealfall gibt es vom Erblasser einen "letzten Willen", der durch einen Testamentsvollstrecker durchgesetzt wird. Oftmals versuchen Erblasser bereits vor ihrem Ableben, Streitigkeiten über ihr Erbe zu vermeiden, und verteilen das Erbe entsprechend - so dies überhaupt möglich ist. Auch wenn es sich um ein Thema handelt, über das man ungern in der Familie spricht, bietet es sich an, im Vorfeld miteinander zu sprechen und vielleicht auch schon vorab sinnvolle Lösungen zu finden.

Ist kein Testament vorhanden?

Sofern jedoch kein gültiges Testament vorhanden ist, wird das Erbe entsprechend der gesetzlichen Regelungen aufgeteilt. Auch hier können die Erben gemeinsam zu einer Einigung finden. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn das Erbe problemlos aufgeteilt werden kann, wie etwa eine Geldsumme oder diverse kleinere Habseligkeiten. Oder wenn die einzelnen Erben in der Lage sind, Kompromisse einzugehen, ohne stets nur das Beste für sich selbst herausholen zu wollen. Das ist oft schwierig, gerade wenn die Bande zwischen den Erben nicht eng genug geknüpft sind oder persönliche Notlagen oder Begierden einer vernünftigen Auseinandersetzung im Weg stehen.

Erbanteile an Dritte verkaufen

Sofern der Wunsch besteht, kein Teil der durch ein Testament oder den Erblasser definierten Erbengemeinschaft zu sein, besteht auch die Möglichkeit, seinen Erbanteil an Dritte zu verkaufen. Über einen notariell beurkundeten Verkaufsvertrag lassen sich somit die dem Erben zustehenden Erbanteile sowie sämtliche daraus resultierende Rechte und Pflichten auf den Käufer übertragen. Im Falle eines solchen Verkaufs bedarf es keiner weiteren Zustimmung der übrigen Erbengemeinschaft. Ist dieser Verkauf jedoch vollständig vollzogen, lässt er sich im Nachhinein nicht mehr rückgängig machen. Daher sollte diese Entscheidung nicht voreilig getroffen werden und gegebenenfalls auch eine kompetente Beratung, wie sie beispielsweise durch das Unternehmen Deutsches Erbenzentrum geboten wird, in Anspruch genommen werden.

Besinnung auf den Erblasser

Wenn Sie der Zwangsversteigerung beispielsweise einer liebgewonnenen Immobilie aus dem Weg gehen, oder einfach den Frieden unter den Miterben nicht gefährden wollen, besinnen Sie sich auf das, was in diesem Moment wirklich wichtig ist: der Erblasser wird sicher nicht gewollt haben, dass seine Erben im Schlechten auseinander gehen. Und auch ist Ihnen möglicherweise der Verbleib der Immobilie bei einem Verwandten lieber als eine Zwangsversteigerung. Lassen Sie sich gesagt sein, dass es immer eine Lösung gibt, wenn man wirklich danach sucht. Bleiben Sie in den Gesprächen also stets fair und kompromissbereit. So ermutigen Sie auch Ihre Miterben zum Fair-Play.

© Gmünder Tagespost 02.04.2019 08:58
1571 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.