Mängel beim Masern-Impfschutz: Ostalb weit hinten

Gesundheit AOK Ostwürttemberg legt repräsentative Landkreiszahlen zur Masernimpfung vor.
  • Die AOK Ostwürttemberg rät, den zweiten Masernimpftermin nicht zu vergessen. Quelle: AOK Mediendienst

Aalen. Die AOK Baden-Württemberg hat bei den im Jahr 2011 Geborenen die Impfquote für die erste und die zweite Masernimpfung ermittelt. Einen umfassenden Schutz bietet laut Krankenkasse erst die zweite Impfung. Die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut empfiehlt, die Grundimmunisierung gegen Masern mit einer zweimaligen Impfung bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr abzuschließen.

Das Ergebnis der AOK-Untersuchung: Der Ostalbkreis liegt mit 86,3 Prozent Impfquote auf dem letzten Platz unter allen 44 Land- und Stadtkreisen in Baden-Württemberg. Lediglich Konstanz, Baden-Baden, der Enzkreis sowie der Hohenlohekreis und Ravensburg haben schlechtere Quoten. Der Landkreis Heidenheim liegt mit einer Quote von 89,60 Prozent im Mittelfeld. Bei der ersten Impfung sind es 96,8 Prozent und damit nur knapp unter dem Landesschnitt von 96,9 Prozent.

Im Ostalbkreis besteht auch bei der ersten Impfung Handlungsbedarf, denn hier wird mit 94,8 Prozent auch die Quote für Herdenimmunität von 95 Prozent knapp verfehlt. Die aktuellen AOK-Zahlen weichen nicht groß von den älteren Daten der Schuleingangsuntersuchung 2016/2017 des Gesundheitsamtes im Ostalbkreis ab. Eine Masernimpfung hatten damals 94,1 Prozent der Kinder erhalten. Die zweite Masernimpfung erhielten nur 89,1 Prozent.

Herdenimmunität bedeutet, dass ein umfassender Schutz für Säuglinge im Alter von unter sechs Monaten, Schwangere und Menschen mit angeborenen oder etwa durch Chemotherapie erworbenen Störungen des Immunsystems verlässlich erst ab einer Impfquote von über 95 Prozent besteht. Gerade bei Kindern unter fünf Jahren kommt es besonders häufig zu Komplikationen der Masern. Dazu gehören Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen und Durchfälle. Diese Altersgruppe ist auch besonders gefährdet im Verlauf der Infektion eine Masernenzephalitis zu entwickeln, die in seltenen Fällen sogar tödlich verlaufen kann.

Dass die fehlende Herdenimmunität nicht an den Impfverweigerern liegt, zeigt der Blick auf die Werte bei der ersten Impfung. Landesweit wurden 96,9 Prozent der Versicherten im Einschulungsalter zumindest einmal gegen Masern geimpft. „In vielen Fällen wird der zweite Impftermin vermutlich einfach vergessen“, meint Josef Bühler. Der Geschäftsführer der AOK Ostwürttemberg appelliert an die Eltern, die Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U11) wahrzunehmen und mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin die wichtigen Kinderimpfungen zu besprechen.

© Gmünder Tagespost 14.08.2019 21:11
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