Ist das noch Handwerk?

Die Idee entstand in Australien, dann starteten zwei junge Damen im Handwerk durch und haben heute ihre eigene Styling-Kollektion für lange Haare.
  • Ist das noch Handwerk? – Ja, und zwar topmodern und mal ganz anders: die Langhaarmädchen, die Nersingerin Mona Mayr (re.) und Julia Schindelmann aus Würzburg. Foto: Copyright Blaenksen

Ulm. Langhaarmädchen, das sind zwei Freundinnen und Hair & Make-up-Artists aus vollster Leidenschaft. Mona Mayr kommt aus Neu-Ulm, genauer aus Nersingen, Julia Schindelmann aus Würzburg. Ihre Freundschaft entwickelte sich aus ihrer Liebe zu ihrem Handwerk. Kennen gelernt haben sich die beiden in einem Münchner Friseursalon, in dem sie ein Jahr lang zusammen arbeiteten. Heute sind sie Unternehmerinnen mit eigener Styling-Kollektion bei einer großen Drogeriemarktkette und – ja –auch mit vollem Herzblut Handwerkerinnen.

Eine kleine Erfolgsgeschichte

Wie das alles begann, das ist eine famose Geschichte, die uns mit traditionellem Deutschen Handwerk in die ganze Welt führt. Doch bevor sich Julias und Monas Wege kreuzten, hatte jede ihre eigene kleine Erfolgsgeschichte: Mona war mehrmals für den German Hair Dressing Award nominiert und arbeitete in der High-Fashion-Branche, unter anderem für Louis Vuitton, Cartier und die Fashion Week. Julia wurde im Jahr 2010 Kammer-, Landes- und Bundessiegerin und somit Deutschlands beste Jungfriseurin. Sie erhielt ein Stipendium, schloss ihren Meister mit Bravour ab und erhielt den Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung. 2014 trafen sich die beiden nun in München. Hier arbeiteten sie zusammen in einem Friseursalon und wurden beste Freundinnen.

Nach einem Jahr ging Julia zurück in ihre Heimat Würzburg. Mona packte das Fernweh und sie reiste nach Kapstadt, um nun ihrem Traum als High-Fashion Hair & Make-up-Artist nachzugehen. Angekommen in Kapstadt, stellte Mona fest, dass sie liebend gerne Shootings begleitete – das große Drumherum sie allerdings nicht erfüllte.

Sie beschloss, Kapstadt zu verlassen und in Australien als Friseurin zu arbeiten – „back to the roots“, sozusagen. In Sydney arbeitete sie dann in einem angesehenen Salon und erhielt nach nur vier Wochen ein Sponsorship, mit dem sie für fünf Jahre in Australien bleiben konnte. Jedoch merkte Mona dann, dass es noch nicht die Erfüllung war.

Ich liebe es, ein Stück Hippie zu sein.

Mona Mayr

Mit dem Bus durch Australien

Sie kündigte den Job, kaufte sich von ihrem letzten Ersparten einen kleinen Bus und startete einen Roadtrip durch Australien – das war der Beginn von Langhaarmädchen. „Der Bus trug das Nummernschild „BOP“, war wundervoll bunt bemalt und mit ziemlichen Hippie-Sprüchen wie ‘Believe in your dreams and you’re halfway there‘“, erzählt Mona heute. Da machte es klick, für ihre Vision: „Ich bin ein Langhaarmädchen, ich liebe lange Haare. Ich liebe normale Mädels von nebenan. Ich liebe es, ein Stück Hippie zu sein, mobil zu sein, meine Expertise zu teilen und angenommen zu werden, wie ich eben bin“, so Mona weiter. Fortan veranstaltete sie in ihrem BOP Styling-Partys für Backpacker-Mädels und ließ ihrer Kreativität freien Lauf.

Nun nahm Mona über Skype Julia mit auf ihre große Reise und berichtete ihr täglich von ihren Ideen und Erlebnissen. Es entstand dabei ein Plan: „Was in Australien funktioniert, müsst doch auch in Deutschland klappen.“ Den beiden war schnell klar: sie wollten die erste nahbare Beauty-Marke mit Persönlichkeit und Herz auf den Markt bringen. Auch einen Styling-Bus sollte es wieder geben. Gesagt, gekauft. Eine große Drogerie-Marktkette stieg auf ihre Ideen ein und verkauft seitdem die Langhaarmädchen-Produkte nicht nur in Deutschland, sondern in weiteren zwölf europäischen Ländern. Mona und Julia sind nun Managerinnen ihrer Kollektion und ihrer Ideen geworden, aber auch jetzt sind sie noch oft als Handwerkerinnen unterwegs: in ihrem BOP, einem großen amerikanischen Bus, den sie zum Friseur- und Styling-Mobil ausgebaut haben, sind sie auf Tour und schneiden Haare oder stylen – und meist ganz einfach für den guten Zweck. HWK Ulm

Und wer die beiden so sehen will: www.youtube.com/
watch?v=gx0T1ZxUGFI

© Gmünder Tagespost 29.11.2019 15:50
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