Ruhrtriennale

Kritischer Blick auf die Gegenwart

Die Ruhrtriennale beginnt einmal nicht in einer Industriehalle, sondern im Audimax der Universität Bochum.
  • Bricht mit einer Tradition: Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp. Foto: Marcel Kusch/dpa
Die Zeiten, in denen neben den für die Ruhrtriennale (21. August bis 29. September) so typischen Kreationen auch große Werke aus dem Opern- und Theaterrepertoire in den Industriehallen neu befragt wurden, sind offensichtlich einstweilen vorbei. Denn auch in diesem ihrem zweiten Jahr setzt die Intendantin Stefanie Carp unter dem Motto „Zwischenzeit“ auf systemkritische, politisch akzentuierte Produktionen vor dem Hintergrund einer pessimistischen Bestandsaufnahme der Gegenwart und europäischer Selbstkritik.

Den Auftakt liefert eine Produktion in der Regie des „Artiste associé“ Christoph Marthaler, die bewusst mit einem Prinzip der Ruhrtriennale bricht. Denn „Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend“ geht nicht in einer der strukturgewandelten Industriehallen über die Bühne, sondern im Audimax der Ruhr-Universität Bochum.

In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ hat die Intendantin diesen Bruch mit der Tradition des Festivals gerechtfertigt: „Alle anderen Arbeiten finden ja in Industriehallen statt und man kann auch mal Ausnahmen machen. Christoph Marthalers Arbeit halluziniert ein imaginäres Weltparlament.“

Das Audimax habe großartig gepasst, sagte Carp. Es habe direkt mit der Industriegeschichte der Region zu tun, da die Universitäten anstelle der Zechen gebaut wurden, als Teil des Strukturwandels.

Marthalers „Spätabend“ verwendet politische Reden aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und Arbeiten von in der Nazizeit verfemten Komponisten. Eine weitere zentrale Produktion dieses Festivaljahrgangs ist „All the good“ von Jan Lauwers‘ Needcompany in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck, die vor dem autobiografischen Hintergrund des mitwirkenden israelischen Elitesoldaten und Kriegsveteranen Elik Niv, der heute Tänzer ist, über Terror und Krieg nachdenkt.

Insgesamt bietet die Ruhrtriennale vier Musiktheater-Produktionen, sechs im Bereich Schauspiel/Performance, vier Tanz-Produktionen und darüber hinaus Konzerte, zahlreiche Kunst-Projekte zwischen Installation und Diskurs und Diskussionen. dpa
© Südwest Presse 15.08.2019 07:45
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