Frankreichs Konservative wollen Sarkozy zurück

Die Republikaner stellten fünf von acht Staatspräsidenten – nun dümpeln sie bei 8,5 Prozent der Wählerstimmen. Der Ruf nach einem Comeback ihres einstigen Vorsitzenden wird lauter.
Die Diagnose ist so trost- wie gnadenlos: Frankreichs bürgerlich-konservativen Partei „Les Républicains“ (LR) liegt am Boden. Bei der Europawahl wurde die stolze Volkspartei, aus der fünf der acht Staatspräsidenten der Fünften Republik hervorgingen, auf 8,5 Prozent zusammengestaucht und taumelt seit dem Rücktritts ihres Vorsitzenden Laurent Wauquiez ins Chaos.

Die Eroberung der Staatspräsidentschaft durch den politischen Quereinsteiger Emmanuel Macron hat Frankreichs Parteienlandschaft umgepflügt. Nach den Sozialisten, die ihren scheinbar unaufhaltsamen Niedergang in erster Linie der katastrophalen Regentschaft von Macrons Vorgänger François Hollande verdanken, stehen jetzt auch die Republikaner am Rande der politischen Bedeutungslosigkeit. Jeden Tag desertieren weitere prominente Mitglieder aus der führungslosen Partei, die sehendes Auge auf ein weiteres Wahldebakel bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr zusteuert.

Bürgermeister für Macron

Schon seit der Wahl Macrons zum Präsidenten leiden die Republikaner an Auszehrung. Gemäßigte Kräfte wie den ehemaligen Premier Alain Juppé haben die knallrechte Linie, mit der Wauquiez den Rechtsextremen Stimmen abjagen wollte, zum Austritt oder gar in die Arme der Regierungspartei LREM getrieben. Es kommt hinzu, dass Macron die Republikaner über seine linksliberale Politik hinaus von Anfang an ganz gezielt umworben hat und dies durch seine Personalpolitik geschickt unterfütterte. Mit Edouard Philippe (Regierungschef), Bruno Maire (Wirtschaftsminister) und Gérald Darmanin (Budgetminister) besetzte er gleich drei Schlüsselpositionen mit republikanischen Überläufern. Dies sowie die ersten Reformen – vorneweg die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, die Abschaffung der Vermögensteuer und die Reform der Staatseisenbahn SNCF – verfestigten die Meinung eines Teils der Republikaner, dass „wir ja in gewisser Weise mitregieren“ oder dass „Macron umsetzt, was wir immer machen wollten und nicht getan haben“.

Am Wochenende ereilte die Republikaner ein weiterer Tiefschlag. 72 LR-Bürgermeister erklärten in einem offenen Brief, die Politik Macrons unterstützen zu wollen. Eine Ergebenheitsadresse, die auf der Hoffnung beruht, dass LREM im Gegenzug darauf verzichtet, in ihren Städten einen eigenen Kandidaten in den Kommunalwahlkampf zu schicken. „Jetzt brauchen wir Nicolas Sarkozy“, reagierte der ehemalige Innenminister Brice Hortefeux. Er machte sich damit zum Sprachrohr der Parteibasis, wo die Rufe nach einer Rückkehr des früheren Parteivorsitzenden immer lauter werden. Peter Heusch

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© Südwest Presse 14.06.2019 07:45
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