Liebe, Leid, Aquarium

Wer Liebeskummer hat, dem vergeht der Spaß am Leben – kein Appetit, keine Lust auf welche Aktivität auch immer, dafür viele düstere Gedanken. Kurz: Man leidet. Wer das für ein rein menschliches Phänomen hält, liegt aber falsch. Das legen neue Studienergebnisse der Universität Burgund in Dijon nah. Die Forscher nahmen Zebrabuntbarsche genauer unter die Lupe. Die sind dafür bekannt, sich lebenslang zu verpartnern sowie ihren Nachwuchs liebevoll aufzuziehen. Die Forscher fanden dabei heraus, dass die Weibchen fast komplett die Nahrungsaufnahme verweigern, wenn man ihnen den männlichen Langzeitpartner wegnimmt. Sie wirken dann geradezu apathisch.

Und es geht ihnen nicht wirklich besser, wenn man stattdessen ein fremdes Männchen ins Becken gibt. Dann verging ihnen jegliche Lust, herumzuschwimmen. Ihre Stimmung sei depressiv gewesen. Für Francois-Xavier Dechaume-Moncharmont, einen der Co-Autoren der Studie, ist das die erste bekannte „Demonstration einer emotionalen Bindung zwischen nicht menschlichen Partnern“. Da schaut man doch mit ganz anderen Augen in ein Aquarium. Falls man selbst ein solches besitzt – der Zebrabuntbarsch gilt als pflegeleichter Anfängerfischer für Hobbyaquarianer –, sollte man ab sofort unbedingt dem Weibchen die Wahl des Partners überlassen. Sonst schauen nicht nur liebeskranke Augen in das Aquarium hinein, sondern auch heraus. Hajo Zenker
© Südwest Presse 14.06.2019 07:45
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