Interview

„Unbedingt antworten“

Nicht jede Rechnung eines Inkasso-Unternehmens müssen Verbraucher akzeptieren. Peter Lassek, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Hessen, gibt Tipps, wie man sich wehren kann.

Wie erkenne ich ein unseriöses Inkasso-Schreiben?

Peter Lassek: Skeptisch sollte man vor allem dann werden, wenn man sich nicht erklären kann, wieso man das Schreiben erhalten hat und wenn man den Vertragspartner nicht kennt. Auch viele Rechtschreibfehler können ein Hinweis darauf sein, dass mit dem Brief etwas nicht stimmt.

Wie soll man sich dann verhalten?

Wer ein offenkundig unseriöses Schreiben erhält, sollte es dennoch nicht einfach wegwerfen, sondern unbedingt antworten. In der Antwort sollte stehen, dass keine Vertragsgrundlage besteht und man insofern keinen Rechtsgrund für die Zahlungsaufforderung sieht. Den Brief dann am besten per Einwurfeinschreiben losschicken.

In manchen Fällen gibt es keinen Streit um die Forderung an sich, aber die Inkasso-Gebühren erscheinen maßlos überhöht.

Das Hauptproblem ist, dass es keine wirkliche Kostengrenze für Inkasso-Unternehmen gibt. Deshalb langen diese oft über Gebühr zu. Verbraucher hätten die Möglichkeit, einfach nur den Teil einer Rechnung zu überweisen, den sie für berechtigt halten. Damit gehen sie aber das Risiko ein, dass der Streit weitergeht und möglicherweise vor Gericht landet. Für einzelne Bereiche wie Telekommunikation und Energie gibt es immerhin Schlichtungsstellen, an die man sich wenden kann.

Ist Ratenzahlung möglich?

In manchen Fällen lassen sich die Unternehmen darauf ein. Nur muss sich jeder, der eine Vereinbarung über Ratenzahlung unterschreibt, auch darüber im Klaren sein, dass er damit die Forderung des Inkasso-Unternehmens anerkennt.

Werden bei Ratenzahlung überhöhte Zinsen verlangt?

Das kommt häufig vor. Da werden teilweise Zinssätze von zehn, zwanzig Prozent jährlich gefordert. Das braucht man nicht zu akzeptieren.

Verzichten Inkasso-Unternehmen auf einen Teil des Geldes, wenn kaum etwas zu holen ist?

Ja, das geschieht hin und wieder, vor allem bei Menschen, die sehr viele Schulden angehäuft haben. Da lohnt es sich zu verhandeln. Zu solchen Gesprächen kann man auch Mitarbeiter von Schuldnerberatungen hinzuziehen.

Michael Gabel
© Südwest Presse 14.06.2019 07:45
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