Kommentar Mathias Puddig zum Urteil über das Kükentöten

Der wahre Skandal

Wohl selten gibt es ein Gerichtsurteil, das sich so einfach skandalisieren lässt: Das Kükentöten bleibt vorerst erlaubt. Millionen niedlicher Junghähne werden sterben, weil sie nutzlos sind. Leichter als mit diesem Bild lässt sich für Tierrechte wohl kaum mobilisieren. Dabei hat das Gericht eine entscheidende Verschiebung angestoßen. Wirtschaftliche Interessen akzeptieren die Richter nämlich nicht mehr als „vernünftigen Grund“ für die Tötung frisch geschlüpfter Hähne. Einzig die Tatsache, dass die Brütereien ihre Arbeitsweise nicht sofort umstellen können, führt zu dem Aufschub. Der Skandal löst sich also in Luft auf. Das Kükentöten steht vor dem Aus.

Damit kann der Blick auf das gelenkt werden, was wirklich wichtig ist. Wer etwas im Sinne der Tiere tun will – und das ist selbstverständlich geboten –, der muss nämlich beim Tierwohl ansetzen. Getötet werden Tiere in der Landwirtschaft sowieso. Wer auf tierische Produkte nicht verzichten will, muss das akzeptieren. Was aber nicht akzeptabel ist, sind Lebensbedingungen, die den Tieren vorher Leid, Stress und Schmerz zufügen. Sie sind der Skandal.
© Südwest Presse 14.06.2019 07:45
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Kommentare

Frieder Kohler

Aus "Worte wie Spiegel" (Herder/Dostojewskij):

Man spricht von  der "tierischen" Grausamkeit des Menschen. Aber das ist sehr ungerecht und für die Tiere wirklich beleidigend: ein Tier kann niemals so grausam sein wie der Mensch, so ausgeklügelt, so kunstvoll grausam!

Auf Beispiele der Vergangenheit und Gegenwart verzichte ich, hier sind die (Groß-)Eltern und Erzieher gefragt, diese werden die "Tagesschau" mit berücksichtigen...