Medizinstudienplätze in Baden-Württemberg

Reinhart dringt auf Landarztquote

Das Tauziehen um Pläne von Wissenschaftsministerin Bauer für neue Studienplätze hält an: Die CDU-Fraktion stellt eine Bedingung, Stuttgart will eine zweite Chance.
  • Eine Arztpraxis in einer kleinen Gemeinde hat auf dem Land inzwischen Seltenheitswert. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Vor gut einem Monat hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) ihre Kabinettsvorlage zum Ausbau der Medizinstudienplätze fertiggestellt. Wann die Pläne im Ministerrat beschlossen werden können, ist indes offen. Die CDU-Fraktion knüpft die Freigabe an eine Bedingung: Sie verlangt eine verbindliche Landarztquote.

„Wir als CDU-Fraktion halten eine Landarztquote bei der Zulassung zum Medizinstudium für den richtigen Weg. Wir wollen in der Kabinettsvorlage von Ministerin Bauer verbindlich gewährleistet wissen, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum deutlich gestärkt wird“, sagte Fraktionschef Wolfgang Reinhart dieser Zeitung. Im Gespräch mit ihm hätten die Dekane der medizinischen Fakultäten der Unikliniken Ulm, Tübingen, Freiburg, Heidelberg und Mannheim „die Notwendigkeit einer effektiven Lösung“ zur Erhöhung der ärztlichen Niederlassungen im ländlichen Raum anerkannt. Das begrüße er.

Laut Bauers Vorlage soll der Ausbau um 150 Studienplätze an den fünf bestehenden Unikliniken erfolgen, vom Sommersemester 2020 an erhält jeder Standort 30 zusätzliche Studienplätze pro Jahr. Um die Plätze hatten auch die städtischen Kliniken von Stuttgart und Karlsruhe gebuhlt. Sowohl Bauer selbst wie auch ein von ihr eingesetztes Expertengremium hatten sich aber klar für das Konzept der bestehenden Fakultäten ausgesprochen und damit gegen die Schaffung neuer Unikliniken gewandt.

Bestandteil des Konzepts von Ulm, Tübingen, Freiburg, Heidelberg und Mannheim ist die Einführung eines Neigungsprofils „Ländliche Hausarztmedizin“, das allen Studierenden offensteht. Neben Bauer hält es auch der Präsident des Landkreistags, der Tübinger Landrat Joachim Walter (CDU), für erfolgversprechend: „Das Konzept der fünf Medizinischen Fakultäten überzeugt uns vollauf, weil es Studenten für die Tätigkeit als Landarzt begeistern und sie noch während des Studiums mit örtlichen Akteuren verzahnen kann.“ Bei diesem Konzept, so Walter, sehe er durchaus Chancen, „zunächst ohne Landarztquote auszukommen“. Man solle eine verpflichtende Regelung nicht aus den Augen verlieren, aber erst mal schauen, ob das Konzept Erfolge zeitige.

Derweil versucht Stuttgart die Hängepartie für einen zweiten Anlauf zu nutzen: Man wolle sein Konzept dem Land erneut präsentieren, hat der neue Stuttgarter Krankenhausbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) angekündigt. Die Chancen, dass sich an den Standorten noch etwas ändert, dürften aber überschaubar sein. Das Ministerium jedenfalls teilte mit, dass es aus seiner Sicht „keinen neuen Stand“ zu den Medizinstudienplätzen gebe.
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
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