Sneakers hoch im Kurs

Limitierte Streetwear-Artikel werden als Geldanlage genutzt und an Online-Börsen gehandelt.
  • Bis zu 160?000 Dollar: Nikes von 1972. Foto: dpa/Monika Skolimowska
Kürzlich kam Nikes streng limitierter Basketballschuh „Air Jordan 1 High OG TS“ heraus – mit 175 Dollar (156 EUR) nicht eben günstig. Doch das Modell war sofort ausverkauft und kostete am Zweitmarkt zuletzt je nach Größe schon bis zu 2849 Dollar (2545 EUR). Dass bestimmte Schuhe begehrte Sammlerobjekte sind, ist nichts Neues. Doch mittlerweile entwickeln sich Sneakers wie Kunst, Oldtimer oder Whisky in Richtung einer alternativen Anlageklasse.

Dass der Handel mit rarer Streetwear eine lukrative Nische sein könnte, ahnten Josh Luber und Greg Schwartz schon vor Jahren. 2016 gründeten sie mit dem US-Unternehmer und Besitzer des Basketball-Teams Cleveland Cavaliers, Dan Gilbert, die Online-Börse StockX. Hier werden neben Kleidung angesagter Marken wie Supreme oder BAPE und raren Schuhen wie Jordans und Yeezys auch Handtaschen und Uhren gehandelt. Die Geschäfte laufen offenbar sehr gut.

Im Juni schloss StockX eine Finanzierungsrunde mit mehreren Investoren ab, bei der das Detroiter Unternehmen mit mehr als 1 Mrd. Dollar (893 Mio. EUR) bewertet wurde. Zeitgleich wurde in Scott Cutler ein Top-Manager vom Internet-Riesen Ebay abgeworben, der künftig die Geschäfte führen soll. StockX sei eines der am schnellsten wachsenden Tech-Unternehmen weltweit.

Das lässt sich zwar schwer prüfen, da die Firma keine Finanzberichte veröffentlicht. Doch dass es ein so junges Unternehmen auf eine Milliardenbewertung bringt, zeigt, welches Potenzial Investoren wittern. Was sich früher auf eine überschaubare Szene beschränkte, erreicht den Mainstream und wird damit für die Finanzwelt interessanter.

Online-Börsen wie StockX, an denen Sportschuhe wie Wertpapiere gehandelt werden, sind die logische Konsequenz. Im Netz präsentiert sich StockX im Stil einer Investment-Plattform – wie hoch welcher Schuh gerade im Kurs steht, wird anhand von Angebot und Nachfrage laufend ermittelt.

Die Investmentbank Cowen & Co schätzt, dass das Volumen alleine bei Sneakern und Streetwear in Nordamerika bis 2025 von derzeit 2 Mrd. Dollar (1,8 Mrd. EUR) auf rund 6 Mrd. Dollar (5,4 Mrd. EUR) steigt. Hierbei geht es wohlgemerkt nur um den Zweitmarkt, also wiederverkaufte Artikel. Kein Wunder also, dass das Segment auch für Branchengrößen wie Nike, Adidas oder Puma längst große Attraktivität gewonnen hat.

Potenzielle Anleger sollten sich indessen im Klaren darüber sein, dass nicht jeder Sneaker ein Renditebringer ist und die Kurse auch an der Turnschuh-Börse kräftig fallen können.

Hannes Breustedt, dpa
© Südwest Presse 15.08.2019 07:45
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