Kommentar Thomas Veitinger zu Facebooks heimlichem Mithören

Nicht mehr lustig

  • Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könneke
Eigentlich ist die Tatsache lustig – wenn sie nicht so ärgerlich wäre. Ausgerechnet das Geräusch eines Reißverschlusses soll Siri aktivieren. Wer sein iPhone über diesen Sprachassistenten nach dem Wetter fragt, sollte also in Räumen aufpassen, in denen Reißverschlüsse geöffnet werden. Zwar hat Apple zugesagt, künftig keine Menschen mehr die von Siri aufgefangenen Worte mithören und aufzeichnen zu lassen. Aber kann man Apple noch trauen?

Nun ist Facebook dabei aufgeflogen, Sprachaufnahmen der Nutzer abzutippen. Davor waren es schon Amazon, Google – und Apple. Alles sagen, dass sie mit dem Abschreiben mitgehörter Texte lediglich die Zuverlässigkeit ihrer Assistenten, Übersetzungs- oder Transkriptionsprogramme verbessern wollen. Aber wer einmal verheimlicht, dem glaubt man nicht: Nicht nur die Tatsache empört, dass Amazon & Co. mitschreiben, sondern dass es niemand für nötig hält, darüber zu informieren. Warum eigentlich nicht? Schließlich hören die Assistenten vermutlich in 10 Prozent aller Fälle unbeabsichtigt mit. Haben die Konzerne etwas zu verbergen?

Nutzer haben sich daran gewöhnen müssen, dass sie mit ihren Daten und Persönlichem kostenlose Dienste bezahlen. Google wertet etwa alle Emails seines Dienstes Gmail aus. Aber dass reale Menschen im Schlafzimmer mithören, ist wirklich alles andere als lustig.
© Südwest Presse 15.08.2019 07:45
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