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Demenz. Wir müssen reden!

Eine Demenzdiagnose schneidet tief ins Leben ein. Für die Erkrankten und ihre Angehörigen verändert sie den Alltag unwiderruflich. Das Miteinander muss umsichtig geregelt werden.
  • Demenz ist eine große Herausforderung für die Pflegenden. Foto: adobe stock/Ocskay Mark

Das Motto des Welt-Alzheimertags 2020 lautet: „Demenz. Wir müssen reden!“ Trotz einer steigenden Zahl von Menschen mit Demenz fehlt es in Deutschland an ausreichenden Unterstützungskonzepten für sie und ihre Familien. Und noch immer trauen sich viele Menschen nicht, darüber zu sprechen, dass sie oder ein naher Angehöriger eine Demenzdiagnose erhalten haben, weil sie – berechtigte – Sorge haben, deswegen ausgegrenzt und diskriminiert zu werden.

Den Alltag möglichst selbstbestimmt gestalten

Eine Demenz führt oft zu ungewöhnlichem Verhalten: im Alltag, beim Einkaufen, bei der Arbeit, beim Sport. Wichtig ist, dass sich Freunde, Familie, Nachbarn und Mitbürger nicht abwenden, sondern über die Erkrankung reden. Menschen mit Demenz wollen weiterhin an gemeinsamen Aktivitäten teilhaben, ihre Hobbys und den Alltag möglichst selbstbestimmt gestalten. Dazu braucht es mehr Wissen und Verständnis in der gesamten Gesellschaft. Wenn man miteinander ins Gespräch kommt, erleben Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, dass sie trotz der Erkrankung akzeptiert werden und dazugehören.

Leben mit Demenz – 2020 eine besondere Herausforderung

Die Corona-Pandemie bedeutet für Angehörige von Menschen mit Demenz eine außerordentliche Belastung. Sie haben mit besonderen Problemen zu kämpfen und sind dabei in den zurückliegenden Monaten vielfach an ihre Grenzen gekommen. Eine Demenzdiagnose schneidet tief ins Leben ein. Für die Erkrankten und ihre Angehörigen verändert sie den Alltag grundlegend und unwiderruflich, indirekt betroffen sind oft aber auch Nachbarn und Freunde, das Sportteam im Verein, der Kirchenchor oder die Bürogemeinschaft.

Im Laufe der Erkrankung müssen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen den Alltag immer neu abstimmen: Was ist noch möglich, was gelingt nicht mehr?

In der ersten Phase ist es vor allem wichtig, sich zu informieren, für die Zukunft vorzusorgen und dabei so lange wie möglich trotz und mit der Erkrankung am Leben teilzuhaben. Schwierigkeiten – etwa bei der Orientierung – können in dieser Phase zumeist noch ausgeglichen werden, wenn die Menschen im Umfeld gut informiert sind und einfühlsam und rücksichtsvoll reagieren. Schreitet die Krankheit voran, nimmt die Selbstständigkeit ab und der Unterstützungsbedarf zu.

Wie schnell eine Demenz voranschreitet, ist individuell unterschiedlich und nicht vorherzusagen. In dieser Phase werden unterstützende und entlastende Angebote wie Betreuungsgruppen oder Tagespflegen immer wichtiger, denn rund zwei Drittel aller Menschen mit Demenz werden zuhause versorgt, eine oft kräftezehrende Aufgabe rund um die Uhr. Nur etwa ein Drittel der Erkrankten lebt im Pflegeheim, vielfach auch dort unterstützt und begleitet von den Angehörigen. Das Leben mit Demenz – schon in normalen Zeiten eine Herausforderung – wurde in die-sem Jahr für viele zu einer (er-)drückenden Belastung.

Alzheimer Gesellschaft Baden-
Württemberg e.V.

© Gmünder Tagespost 18.09.2020 14:54
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