Self-Tracking wird immer beliebter - inwieweit fördert „das vermessene Ich“ die Leistungssteigerung?

Wie viele Schritte bin ich heute gelaufen, wie viele Kalorien hab ich verbraucht und wie sieht mein Blutdruckprofil im Laufe des Tages aus? Diese Daten und noch viel mehr liefern so genannte Self-Tracker. Self-Tracking wird immer beliebter besonders im Bereich Gesundheit und Fitness. Leistungssportler und Prominente waren die Vorreiter, jetzt hat der gesunde Trend die breite Masse erreicht und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Gerade bei Profisportlern hat der Trend sich bezahlt gemacht. Durch das Beobachten der eigenen Leistung sind sie fähig, ihren Körper weiterhin zu optimieren und viele Fortschritte im Sport zu machen. Das lässt sich vor allem bei großen Sport Events sehen, bei denen die Kontrahenten sich gegenseitig messen. Auch viele Sportwetten-Anbieter haben das erkannt und bieten im Internet bereits Online-Wetten an.

Gesundheits- und Fitnesstracker liegen in einem Grenzbereich zwischen Lifstyle- und Medizingerät. Hobby- und Leistungssportler, gesundheitsbewusste Menschen und nicht zuletzt chronisch Kranke profitieren von den Trackern. Sensoren im Armband, als Anhänger oder Clip getragen, senden Daten über Blutzucker, Blutdruck, Kalorienverbrauch, Schlaftiefe, Energieverbrauch und noch viel mehr an Computer oder Handy. Ein Programm erstellt aus den getrackten Daten ein Datenprofil. So lassen sich Blutzucker und Blutdruck kontrollieren und dokumentieren. Sportler sehen genau, wieviel sie trainiert haben und wie viele Kalorien sie dabei verbraucht haben.
Der Trend zeigt, dass in Deutschland vernetzbare Personenwaagen im vergangenen Jahr fast doppelt so häufig gekauft wurden wie 2012, mobil vernetzte Blutdruckmessgeräte um etwa ein Viertel mehr. Dabei wird die Bereitschaft des Verbrauchers, Gesundheits- und Fitness-Tracker zu nutzen, sogar noch steigen. Die meisten Menschen wollen möglichst zeitgleich Informationen über ihren Gesundheitszustand oder ihren Fitnessstand.
Der gesundheitliche Nutzen ist dabei enorm: Mit dem Schrittzähler beim Self-Tracking kommt wesentlich mehr Bewegung in den Alltag - bis zu 40 Prozent mehr Schritte pro Tag sind es durchschnittlich!
Dass uns Apps und Sensoren auf Trab halten, ist super. Aber macht das Self-Tracking uns auch schneller, fitter, gesünder?

Gesundheitsexperten sehen darin ein großes Potenzial, warnen aber vor zu viel Technikgläubigkeit. Bewegung ist grundsätzlich gut. Es ist aber ein Irrglaube, dass genügend Sport und gesunde Ernährung alle Krankheiten verhindern können. Grundsätzlich regen die Self-Tracker zu mehr Leistung an, sollten aber nicht als Geheimrezept für eine steigende Leistungsfähigkeit gesehen werden. Wer sich selber trackt, weiß stets über seine Fitness Bescheid und kann sich somit bei der Steigerung seiner Leistung besser beobachten. Self-Tracking könnte eine Motivation sein, einen aber auch gleichzeitig verunsichern. Bei Auffälligkeiten empfiehlt es sich deshalb, lieber zum Arzt zu gehen, anstatt gleich zu Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen.

Bild: Pixabay user:ArturLuczka

© Gmünder Tagespost 12.04.2018 16:12
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