Zwei Jahre medizinisches Cannabis in Deutschland

Seit nunmehr zwei Jahren ist es in Deutschland möglich, Cannabis auf Rezept zu erhalten. Die Blüten der Hanfpflanze werden für die Linderung verschiedener Symptome eingesetzt, so dass immer mehr Ärzte die für gewöhnlich als Droge bekannte Pflanze als natürliches Medikament verschreiben. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland rund 100.000 Rezepte ausgestellt. Die Nachfrage steigt.
  • Die Akzeptanz von Cannabisblüten als Medizin steigt. Bildquelle: SeaweedJeezus / Pixabay

Für viele Patienten mit den verschiedensten Beschwerden stellt der 10. März 2017 ein wichtiges Datum dar. Seither ist es in Deutschland möglich, Cannabis auf Rezept zu erhalten. Ärzte können die bereits seit Jahrtausenden in einigen Kulturen als Heilpflanze eingesetzte Droge in Ausnahmefällen verschreiben. Beispielsweise wirkt es unterstützend bei der Therapie von:

  • Übelkeit und Brechreiz bei der Chemotherapie
  • Chronischen Schmerzen
  • Epilepsie
  • Multipler Sklerose
  • HIV/AIDS aufgrund der appetitsteigernden Wirkung


Die Bandbreite des Einsatzgebietes ist hoch und in einigen Bereichen noch nicht hinreichend medizinisch erforscht. So sollen die Blüten der Hanfpflanze auch bei Angst- oder Schlafstörungen und beim Tourette-Syndrom helfen, die Symptome zu lindern. Dass die Wirkstoffe in der Pflanze viele positive Eigenschaften besitzt, zeigen auch CBD-Produkte. Im Vergleich zu THC soll bei CBD die medizinische Bandbreite noch größer sein; gleichzeitig sind die Nebenwirkungen geringer, weil aufgrund der fehlenden psychoaktiven Wirkung kein Rausch entsteht.

Die Verschreibungszahlen von medizinischem Cannabis steigen

Der Start der Rezeptausstellung im Jahr 2017 begann noch relativ schleppend, auch wenn vor zwei Jahren bereits rund 27.000 Rezepte von Ärzten ausgestellt wurden. Dass die Zahlen im Jahr 2018 sich mehr als verdreifacht haben, zeugt von einer größeren Akzeptanz seitens der Ärzte und auch von einem höheren Bedarf bei den Patienten. Fast 100.000 Rezepte Cannabis-haltiger Rezepturen wurden laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände 2018 ausgestellt. Das stellt ein Zeichen dar, dass die Hanfpflanze in die Mitte der Gesellschaft vorrückt.

Somit wird deutlich, dass immer mehr Patienten mit medizinischem Cannabis versorgt werden. Offizielle Zahlen gibt es dazu nicht, allerdings gehen Schätzungen davon aus, dass etwa 15.000 Patienten hierzulande die pflanzlichen Produkte als Medizin einnehmen. Die gesetzlichen Krankenkassen erhalten ebenso eine größere Anzahl an Anträgen: 2018 waren es insgesamt 19.600. Davon wurden rund zwei Drittel genehmigt.

Schwierigkeiten bei der Therapie mit medizinischem Cannabis

Die Therapie, bei der die Cannabisblüten inhaliert werden, bringt aber auch das Problem der Dosierung mit sich. Für eine optimale Behandlung ist die Anwendung oral einzunehmender Rezepturen womöglich besser geeignet als die Inhalation. Das ist beispielsweise bei den Cannabidiol-Produkten ohne Weiteres möglich, die meist in Form von CBD-Ölen oder -Kapseln eingenommen werden.

Weiterhin ist es schwierig, den Bedarf an medizinischem Cannabis mit hierzulande angebauten Pflanzen zu decken. Die Regulierung und Kontrolle verzögert den Anbau und die Ernte, obwohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte den Anbau von 10,4 Tonnen medizinischem Cannabis ausgeschrieben hat. Erst 2020 wird erstmals mit heimischen Hanf in den deutschen Apotheken gerechnet.

Das ist natürlich ein Vorteil für die ausländischen Firmen, die ihre Produkte in den hiesigen Apotheken vertreiben können. Exporteure kommen wenig verwunderlich aus den Niederlanden, aber auch aus Kanada und Israel. In Kanada wurde Marihuana komplett legalisiert und in Israel hat medizinisches Cannabis eine langjährige Tradition. Weiterhin laufen in Israel aktuell 200 klinische Studien zu dem Thema, so dass in Zukunft mit weiteren fundierten Aussagen zur Wirkungsweise und den Anwendungsgebieten gerechnet werden kann.

Somit können Patienten auch auf eine baldige Verbesserung der Lage und eine höhere Akzeptanz seitens der Ärzte hoffen. Vor allem Betroffene, bei denen die „klassischen“, pharmazeutischen Produkte nicht wirken, können dann die alternative Behandlungsmethode nutzen.

Bildquelle: Pixabay https://pixabay.com/de/photos/blumen-natur-gef%C3%BChrt-bl%C3%BCte-gr%C3%BCn-2469212/

© Gmünder Tagespost 28.03.2019 08:20
2545 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.