Aufstand gegen Ausländer in Portugal: "Wir sterben aus!"

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Portugisische Fußball-Fans freuen sich über ihre starke Liga - doch für die einheimischen Aktiven ist kaum noch Platz.

Lissabon - "Wir sterben aus!" Mit diesem Warn- und Hilferuf ging die Gewerkschaft der Portugiesischen Fußball-Spieler SPJ dieser Tage auf die Barrikaden.

Gewerkschafts-Chef Joaquim Evangelista beteuerte, dass die Zukunft des portugiesischen Fußballs auf dem Spiel stehe. Die SPJ will der zunehmenden Flut ausländischer Profis in den nationalen Meisterschaften nun ebenso ein Ende setzen wie der Einbürgerung von Ausländern für die portugiesische Nationalelf. Dazu will er eine "Krisensitzung" mit Verband, Nationaltrainern sowie wichtigen Spielern und ehemaligen Profis organisieren. Hintergrund: Der Ausländer-Anteil in den Clubs der 1. Liga klettert diese Saison auf 55 Prozent. Damit liegt Portugal nur hinter England (59 Prozent).

Für Empörung sorgt außerdem die geplante Einbürgerung des Brasilianers Liedson. Der Mittelstürmer von Sporting Lissabon soll ein Scheitern des WM -Vierten von 2006 in der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika verhindern. Das ist nachvollziehbar, denn das Team um Superstar Cristiano Ronaldo liegt in Gruppe 1 sieben Punkte hinter Schweden und vier Zähler hinter Ungarn, das vier Runden vor Ende der Qualifikation Rang zwei belegt, der die Relegations-Chance bedeutet. Evangelista sieht aber eine gefährliche Tendenz. "Junge talentierte Portugiesen werden von unseren Vereinen kaum noch eingesetzt". Es gebe zudem immer mehr arbeitslose portugiesische Profis.

Evangelista spricht von einem Skandal und steht mit seiner Meinung nicht allein da. Gegen die Einbürgerung von Ausländern sprechen sich schillernde Ikonen des portugiesischen Fußballs wie Luis Figo , Rui Costa , Fernando Couto oder Joao Pinto immer häufiger aus. Figo hatte schon gegen die Berufung der geborenen Brasilianer Deco und Pepe protestiert. "Nichts gegen Liedson, aber das ist der falsche Weg, wir müssen vorsichtig sein", warnte auch Pinto. Aktuelle Nationalspieler klagten nicht, "aber nur deshalb, weil sie sonst bestraft werden. Besorgt sind sie alle", behauptete Evangelista.

Auch Fans und Medien sind zunehmend besorgt. Es wird darauf verwiesen, dass gute Jugend-Teams wie die U-20-Weltmeister von 1989 und 1991 längst Vergangenheit sind. Die Sportzeitung "Record" erinnert daran, dass in den letzten 20 Jahren nur drei Portugiesen Torschützenkönige der Liga wurden. "Wann geht diese Dürre zu Ende? er die Einbürgerung von Ausländern befürwortet, gewinnt unterdessen an Boden. Zum Schaden des Fußballs und des Volkes in Portugal", schrieb das Sportportal "Olheiros". Nationaltrainer Carls Queiroz, einst ein Verfechter der Jugendarbeit, bleibt pragmatisch und sagt: "Liedson ist ein guter Spieler, und Gesetz ist Gesetz".

Von Emilio Rappold, dpa

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