Vamos FC Bayern! Heynckes lobt Moral

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Jupp Heynckes jubelt am Spielfeldrand

München - Beim FC Bayern zeigten sich die Beteiligten mit dem Resultat gegen Real zufrieden - wenn auch nicht überglücklich. Jupp Heynckes hat schon eine erste Idee, wie sein Team in Madrid spielen wird.

Großes Spiel, großer Wille - und fast am großen Ziel: Die Bayern-Stars ließen sich vor der tosenden Fankurve feiern, Jupp Heynckes schwärmte nach dem verdienten Sieg gegen Real Madrid von der Leidenschaft seines FC Bayern. “Das zeichnet meine Mannschaft aus, dass wir nie aufgeben, dass wir eine super Moral haben, dass man dann auch solch einen Sieg erzwingt“, betonte der Trainer am Dienstagabend nach dem 2:1 (1:0).

Das in der Bundesliga im Titelkampf gescheiterte Team habe in der Champions League eindrucksvoll “Leidenschaft, Gier und Hunger“ auf dem Weg ins Heim-Finale am 19. Mai demonstriert. Und mit dem Sieg im Rücken soll in einer Woche auch die Festung Bernabéu erobert werden.

Zwar hatte Heynckes so kurz nach dem Schlusspfiff eines hochklassigen Halbfinalspiels “natürlich nicht die Strategie, wie wir dort spielen“. Aber gemauert werden soll nach den berauschenden 90 Minuten von München auf keinen Fall. “Der FC Bayern wird seinem Stil treubleiben und auch in Madrid nach vorne spielen“, versicherte der 66-Jährige.

Der brillante Franck Ribéry hatte in der 17. Spielminute die Führung erzielt. Nachdem die Münchner den Schock durch das 1:1 von Nationalspieler Mesut Özil verdaut hatten, sorgte Gomez in der 90. Minute doch noch für Ohren betäubenden Jubel an einem stimmungsvollen Europapokalabend vor 66 000 Zuschauern. Im Überschwang warnte der nunmehr zwölfmalige Saisontorschütze in der Königsklasse aber gleich: “Wir haben natürlich ein gefährliches Ergebnis, ein 1:0 für Real reicht. Das Finale ist nicht nur ein Traum - wir glauben dran.“

Bayerns tolle Bilanz gegen Real Madrid: Wir blicken zurück

Bayern-Gegner Real: Bilanz und Porträt

Im Halbfinale der Champions League trifft der FC Bayern auf Real Madrid. Wir haben die Bilanz beider Teams und ein kurzes Porträt der Königlichen erstellt. © dpa
29. Februar 2000: Zwischenrunde der Champions League 1999/2000: Bayern spielt eine überragende Partie und gewinnt im Santiago Bernabeu mit 4:2. © dpa
Das Rückspiel acht Tage später wird zum Lothar-Matthäus-Abschiedsspiel. Zwei Tage später wechselt Matthäus in die USA nach New York. © dpa
Als Matthäus ausgewechselt wird, gibt es rührende Szenen. Trainer Ottmar Hitzfeld hat Tränen in den Augen. © dpa
Das überragende 4:1 durch die Tore von Scholl, Elber und Zickler (2) gerät dabei zur Nebensache. © dpa
Im Verlauf der Saison sollten sich die Wege der beiden Teams aber noch einmal kreuzen ... © dpa
Im Halbfinale gibt es das gleiche Duell noch einmal: Nachdem die Bayern das Hinspiel in Madrid mit 0:2 verloren hatten, wähnen sie sich im Rückspiel nach dem frühen 1:0 durch Carsten Jancker (Bild) auf einem guten Weg. © dpa
Doch Real erzielt durch Anelka den zwischenzeitlichen Ausgleich und kann sich so eine 1:2-Niederlage leisten. Bayern ist raus und Real gewinnt am Ende die Champions League. © dpa
1. Mai 2000, Saison 2000/2001: Als wüsste Uli Hoeneß schon, wie das Ende der Saison aussehen würde, blickt der damalige Bayern-Manager grinsend ins weite Rund des Estadio Santiago Bernabeu. © dpa
Durch ein spektakuläres Tor von Giovane Elber gewinnen die Bayern das Hinspiel in Madrid mit 1:0. © dpa
Torschütze Elber im Duell gegen seinen brasilianischen Landsmann Roberto Carlos. © dpa
Stefan Effenberg aggressiv gegen Luis Figo. © dpa
Real-Star Raúl scheint es nach Spielende schon zu ahnen: Die Hinspiel-Niederlage wird nur schwer wieder wettzumachen sein. © dpa
Tatsächlich sind die Bayern auch acht Tage später die bessere Mannschaft. © dpa
Giovane Elber erzielt bereits in der achten Minute die Führung für die Bayern. © dpa
Fortan werfen sich die Bayern in alles, was auf ihr eigenes Tor kommt. © dpa
Und selbst der zwischenzeitliche Ausgleich der Madrilenen durch Luis Figo tut den Münchnern nur kurzzeitig weh. © dpa
"Goalgetter" Jens Jeremies nämlich besorgt noch vor der Halbzeit das 2:1, dabei bleibt es bis zum Schluss. Bayern zieht ins Finale gegen Valencia ein, der Rest ist bekannt. © dpa
2. April 2002: In der darauffolgenden Saison kommt es erneut zum Duell Bayern gegen Real, dieses Mal im Viertelfinale. © dpa
Real geht früh in Führung. © dpa
Doch Bayern dreht das Spiel noch durch die späten Tore von Effenberg (82.) und Pizarro (88.). © dpa
Doch der Vorsprung ist zu knapp: © dpa
Obwohl Effe und Co. gewohnt aggressiv zu Werke gehen ... © dpa
... hält die Bayern-Abwehr den spanischen Angriffen nicht stand. © dpa
Helguera und Guti treffen für Real Madrid, das später im Finale Bayer Leverkusen besiegt. © dpa
24. Februar 2004: Nach zweijähriger Unterbrechung kommt es im Achtelfinale der Saison 2003/2004 mal wieder zum Klassiker. © dpa
Im Hinspiel in München erzielt Roy Makaay in der 75. Minute die Führung für die Bayern, ... © dpa
... die die Superstars um David Beckham ganz gut im Griff haben. © dpa
Doch dann nimmt das Drama seinen Lauf: Oliver Kahn lässt in der 83. Minute einen 30-Meter-Freistoß von Roberto Carlos durchrutschen. Endstand 1:1. © dpa
Das Rückspiel zwei Wochen später gewinnt Real dank des Treffers des überragenden Zinedine Zidane mit 1:0. Bayern ist wieder ausgeschieden. © dpa
20. Februar 2007: Im Achtelfinale reisen die Bayern mal wieder nach Madrid. © dpa
In einem fantastischen Spiel verlieren die Münchner knapp mit 2:3. Die Tore erzielen Lucio (23.) und Mark van Bommel kurz vor Schluss (88.). Unvergessen die abfällige Geste des ehemaligen Barca-Spielers in Richtung des Madrider Publikums, die damals für viel Ärger sorgt. © dpa
FC Bayern München, Real Madrid
Auch das Rückspiel gerät zum unvergesslichen Erlebnis: Nach 10,03 Sekunden erzielt Roy Makaay das bis heute schnellste Tor der Champions-League-Geschichte. © dpa
Als Lucio dann nach 67 Minuten das 2:0 nachlegt, ist der Käs' so gut wie gegessen. © dpa
Bayern kassiert zwar noch den Anschlusstreffer durch van Nistelrooy (83.), rettet den Vorsprung aber über die Zeit. © dpa
FC Bayern München Real Madrid 2012
17. April 2012: Das Halbfinal-Hinspiel gewinnen die Münchner mit 2:1 © dpa
FC Bayern München Real Madrid 2012
Die Treffer erzielen Franck Ribéry und Mario Gomez, Mesut Özil trifft zum zwischenzeitlichen Ausgleich © dpa
FC Bayern München Real Madrid 2012
25. Apirl 2012: Das Rückspiel entwickelt sich für die Bayern zur Zitterpartie. Nach einem Doppelpack von Superstar Cristiano Ronaldo verkürzt Arjen Robben per Strafstoß zum 1:2. © dpa
FC Bayern München Real Madrid 2012
Im nervenaufreibenden Elfmeter-Drama macht Bastian Schweinsteiger den Sack zu und verwandelt den entscheidenden Strafstoß. Die Bayern ziehen ins "Finale dahoam" ein, verlieren dort aber unglücklich gegen den FC Chelsea nach Elfmeterschießen. © dpa
Bayerns Bilanz gegen Real Madrid liest sich beeindruckend: 20 Mal standen sich die Münchner und die Königlichen im Europapokal gegenüber, elfmal ging der deutsche Rekordmeister als Sieger vom Platz, dazu gab es zwei Remis und sieben Erfolge für die Spanier. © dpa
Die Jagd nach La Décima - dem zehnten Titel in der Königsklasse - elektrisierte die Real-Fans. Nach zwölf Jahren war es dann endlich soweit. © AFP
Nachdem man im Halbfinale den ewigen Rivalen aus München ausschaltete, holte man mit La Lécima endlich den zehnten Titel in der Königsklasse. Xabi Alonso (l.) landete später in München, genauso wie ... © AFP
Carlo Ancelotti
... Carlo Ancelotti. Der "Mister" ist seit dieser Saison Trainer mit den Bayern und trifft nun mit Alonso auf seinen Ex-Verein. © dpa
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2016 ging die Titelsammlerei weiter. Wie schon zwei Jahre zuvor sicherten sich die Königlichen im Finale gegen Stadtrivale Atlético den Titel. Diesmal sogar erst nach Elfmeterschießen, nachdem man 2014 dank eines Last-Minute-Treffers von Sergio Ramos noch in der Verlängerung triumphierte. © AFP

Euphorischer klangen auch andere. “Das Ergebnis gefällt mir gut“, sagte Kapitän Philipp Lahm, der das Siegtor vorbereitet hatte. “Wir wollten 90 Minuten eine Schlacht liefern, das haben wir getan.“ Riesig jetzt das Verlangen auf das Heim-Finale, in dem Titelverteidiger FC Barcelona oder der FC Chelsea der Gegner wäre. Vorher muss aber noch der brisante Auftritt am 25. April in Madrid gemeistert werden. “Es wird noch mal ein heißer Tanz - aber wir freuen uns darauf“, erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger.

Nach der ersten Niederlage in der laufenden Champions-League-Saison sehen sich aber auch die Königlichen trotz Niederlage in einer ordentlichen Ausgangssituation. “Es ist kein schlechtes Ergebnis“, betonte Trainer Jose Mourinho. “Aber es ist ein Ergebnis, dass von dir verlangt, dass du es zu Hause drehst.“ Die Mannschaft werde dann zu dem Zeitpunkt alles abrufen, zeigte sich der Portugiese zuversichtlich.

Während für die Madrilenen am Wochenende in der heimischen Liga das große Kräftemessen mit dem FC Barcelona ansteht, können die Münchner sehr dosiert in der Bundesliga bei Werder Bremen antreten. “Wir haben eine Woche Zeit zu regenerieren und fahren nicht chancenlos nach Madrid“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Das hofft auch ein Daumendrücker in den USA: “Großer Sieg für Bayern zuhause“, twitterte Basketball-Star Dirk Nowitzki kurz nach dem Schlusspfiff aus Dallas. Nun müsse man abwarten, ob die Münchner das in Madrid halten könnten.

dpa

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