"Keiner hat gefeiert"

Sie sahen bereits wie der sichere Meister aus. Und dann dieser verrückte vorletzte Spieltag in der Fußball-Bezirksliga: Der FV 08 Unterkochen kassiert eine 2:7-Heimklatsche gegen den Tabellenletzten SG Heldenfingen/Heuchlingen. Es kam noch bitterer: Weil der Rivale FC Bargau einen 12:0-Kantersieg landete, gab es an der Tabellenspitze einen Wechsel.

Mit 13 Toren Vorsprung geht der FCB in den letzten Spieltag.

Das Handy hatte Rolf Huttenlauch am Sonntag während der gesamten 90 Minuten bei sich. Als er kurz vor Schluss die Nachricht vom 2:7 aus Unterkochen eintraf, wollte es der Abteilungsleiter des FC Bargau nicht glauben – obwohl am anderen Ende der Leitung Huttenlauchs Patenkind Lukas war. "Ich habe Lukas sogar gedroht. Für den Fall, dass er mir etwas falsches sagt", sagt der Abteilungsleiter, der sich sogar beim FV 08 zusätzlich rückversichert hat. Und es hat gestimmt: Unterkochen zwei, der Tabellenletzte sieben. Erhard Kühnhold, der Trainer des FV 08 Unterkochen, ist ein Mann der klaren Worte: "Das war eine Demontage, das hat wehgetan", sagt der Trainer. Mit seiner Mannschaft erlebte Kühnhold am Sonntag einen rabenschwarzen Tag: als Tabellenführer auf eigenem Platz mit 7:2 vom Schlusslicht abgefertigt zu werden, schlimmer geht's kaum. Doch: Die DJK Schwabsberg ließ sich zwölf Kisten einschenken. Eben von jenen Bargauern, die nun dank des besseren Torverhältnisses die Tabellenführung übernommen haben. "Wir haben mit vielem gerechnet, aber doch nicht, dass Unterkochen gegen Heldenfingen verliert. Wenn, dann hätten wir gedacht, dass die 08er zum Schluss gegen Bopfingen patzen", sagt Huttenlauch. Gefeiert habe allerdings keiner. "Wir haben nicht mal ein Bier getrunken. Warum auch? Wir haben noch nichts erreicht." FCB-Trainer Markus Lakner verhält sich ähnlich zurückhaltend. "Warum sollte ich mir gratulieren lassen? Geburtstag habe ich erst im Juli ..." Lakner erinnert an die vergangene Woche: "Vor drei Tagen hatte Unterkochen noch genau dieselben Chancen wie wir jetzt. Es gibt noch einen Spieltag, und an dem ist alles möglich." Zumal beide Meisterschaftsanwärter schwere Aufgaben vor sich haben: Bargau in Hofherrnweiler. Unterkochen in Bopfingen. "Das einzig Gute ist, dass wir es selbst in der Hand haben", sagt Lakner, der deshalb am Sonntag auch nichts vom Gegner wissen will. "Wir schauen nur nach uns. Wenn wir gewinnen, sind wir Meister. Punkt." Vor dem Saisonfinale am Sonntag muss der FC Bargau noch ein weiteres Endspiel bestreiten: das im Bezirkspokal am Donnerstag gegen den TV Heuchlingen. Schonen will Lakner da keinen. "Wenn ich mit 70 Prozent gegen Heuchlingen spiele, verliere ich. Und ich bezweifle, dass eine Niederlage gut wäre vor dem Spiel am Sonntag." "Es war ein Nervenspiel" Ja, das Psychologische, das war es laut 08-Trainer Kühnhold, was seiner Mannschaft am Sonntag das Genick gebrochen hat. "Es war ein Nervenspiel", sagt der Coach. "Wir haben natürlich das Spiel in Bargau verfolgt, dort ist Tor um Tor gefallen, und meine Jungs waren in der Halbzeitpause total verkrampft." Die frühere Unbekümmertheit konnte in dieser Situation keiner mehr wiederbeleben. "Es ist eben eine junge Mannschaft, die Hälfte der Spieler hat vor zwei Jahren noch in der Kreisliga A gespielt", sagt Kühnhold. Jetzt will der Trainer mit seinem Team das Beste aus der Situation machen – notgedrungen. Dass er mit dem FV nochmal an Bargau vorbeiziehen kann, hält Kühnhold für unrealistisch. "Ich denke nicht, dass die sich das noch nehmen lassen. Bargau ist stark genug, um zu gewinnen. Wir müssen uns so teuer wie möglich verkaufen, das sind wir unseren Fans schuldig. Aber wir scheitern wohl am Torverhältnis." Also Relegation. "Dort werden wir versuchen den Bezirk ordentlich zu repräsentieren", sagt Kühnhold, der auch in der kommenden Saison in Unterkochen arbeiten wird. Vom Aufstieg redet er nicht, dafür von der kommenden Bezirksliga-Saison. "Da werden viele vom Favoriten Unterkochen reden, wenn wir kommen. Das wird bedeutend schwieriger, in dieser Saison hatte uns ja niemand auf der Rechnung."

ALEXANDER HAAG UND BERND MÜLLER

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