Vor Länderspiel gegen Irland

Götze-Kritik: Löw gibt Hoeneß Kontra

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Vor dem Länderspiel Deutschland gegen Irland hat Bundestrainer Jogi Löw (links) auf die Götze-Kritik von Bayern-Präsident Uli Hoeneß reagiert - und kontra gegeben.

Düsseldorf - Bundestrainer Joachim Löw hat am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit klaren Worten die Kritik von Uli Hoeneß an der Berufung von Mario Götze zurückgewiesen. Was Löw sagte:

So energisch hat man Joachim Löw abseits des Spielfeldrandes selten gesehen. Nach zahlreichen Diskussionen und Kritik aus den großen Vereinen setzte sich der sichtlich genervte Bundestrainer am Mittwoch mit einem Machtwort zur Wehr. „Es ist immer noch meine Entscheidung, wen ich nominiere“, sagte der 53-Jährige: „Es ist klar, dass man sich abspricht. Aber am Ende entscheide ich!“

In diesem Fall bezog sich der 53-Jährige auf die Einmischung von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der trotz klarer Absprachen mit den Münchner Verantwortlichen die Nominierung von Mario Götze kritisiert hatte. Doch auch die ständige Kritik an seinem konsequenten Ignorieren des Leverkusener Bundesliga-Torschützenkönigs Stefan Kießling sowie am Umgang mit den Dortmunder Spielern hat bei Löw in den aufreibenden vergangenen Wochen Spuren hinterlassen. Dass die DFB-Elf mit einem Sieg am Freitag (20.45 Uhr/ARD) gegen Irland das WM-Ticket lösen kann, war zuletzt aufgrund der Personal-Diskussionen fast untergegangen.

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten

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Uwe Seeler, Debüt am 16.10.1954 mit 17 Jahren und 11 Monaten, gegen Frankreich (1:3), insgesamt 72 Länderspiele © dpa
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Mario Götze, Debüt am 17.11.2010 mit 18 Jahren und 5 Monaten gegen Schweden (0:0). Noch aktiv. © dpa
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Olaf Thon am 16.12.1984 mit 18 Jahren und sieben Monaten gegen Malta (3:2), insgesamt 52 Länderspiele. © dpa
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Lukas Podolski am 06.06.2004 mit 19 Jahren gegen Ungarn (0:2). Noch aktiv. © dpa
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Karl-Heinz Schnellinger am 02.04.1958 mit 19 Jahren gegen die CSSR (2:3), insgesamt 47 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Helmut Haller am 24.09.1958 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Dänemark (1:1), insgesamt 33 Länderspiele. Vier Jahre zuvor gab Klaus Stürmer am 16.10.1954 mit 19 Jahren und zwei Monaten sein Debüt gegen Frankreich (1:3), insgesamt zwei Länderspiele - hier die WM-Elf von 1954 aus dem gleichen Jahr. © dpa
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Lothar Matthäus am 14.06.1980 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen die Niederlande (3:2), insgesamt 150 Länderspiele © dpa
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Marko Marin am 27.05.2008 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Weißrussland (2:2), noch aktiv. © dpa
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Ludwig Kögl am 15.06.1985 mit 19 Jahren und drei Monaten gegen Mexiko (0:2), insgesamt zwei Länderspiele (Kögl ist hier bei einem Altstars-Spiel zwischen dem FC Bayern und Real Madrid zu sehen). © dpa
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Bernd Schuster, Debüt am 22.05.1979 mit 19 Jahren und fünf Monaten gegen Irland (3:1), insgesamt 21 Länderspiele. © dpa
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Karlheinz Förster, Debüt am 05.04.1978 mit 19 Jahren und acht Monaten gegen Brasilien (0:1), insgesamt 81 Länderspiele. © dpa

„Ein Bundestrainer sollte kein Fähnchen im Wind sein, sondern autonom von Umfragen oder von Kolumnen selbsternannter Bundestrainer eigene Entscheidungen treffen“, sagte er zum Thema Kießling. Dem Leverkusener hielt er zugleich die Tür zur Nationalelf offen: „Wenn Bedarf besteht, können Sie davon ausgehen, dass ich die Nummer von Stefan habe. Und dass ich auch keine Probleme habe, meine Meinung zu revidieren“, sagte Löw.

Auch im Fall des „überragenden Innenverteidigers“ Mats Hummels, dem letzten verbliebenen Dortmunder nach vier verletzungsbedingten Absagen, sei es „an der Zeit für ein Gespräch“ gewesen. „Dass man beim DFB keine Kritik äußern darf, ist mir neu. Und das habe ich ihm auch gesagt“, sagte der Bundestrainer: „Wir sind erwachsen und professionell und sogar froh über konstruktive Kritik. Wer glaubt, dass wir jemanden nicht aufstellen, weil er seine Meinung äußert, ist weit weg von der Realität.“ Dass er Hummels nach dem 3:3 gegen Paraguay öffentlich kritisiert habe, sei „mein gutes Recht als Trainer“.

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Genauso sei es absurd, dass Spieler des BVB im Nationalteam benachteiligt würden. „Es geht um Form und Qualität, und gibt keinerlei Bevorzugungen oder Benachteiligungen“, stellte Löw klar: „Nennen Sie mir einen Grund, warum ich Spieler aus Dortmund benachteiligen sollte? Ich kenne keinen.“

Außerdem rechtfertigte der Bundestrainer auch die Nominierung des gerade erst genesenen Götze, die er mit Bayern-Trainer Pep Guardiola und Sportchef Matthias Sammer abgesprochen hatte. „Ich wollte Mario dabei haben, weil wir ihn immer gebrauchen können und er in den nächsten Jahren ein wichtiger Spieler ist“, betonte Löw: „Außerdem haben die Bayern fast keine Spieler zu Hause. Da würde er am Ende vielleicht alleine trainieren.“

Für das Spiel gegen Irland wird Götze nach zwei Fünf-Minuten-Einsätzen bei den Bayern allenfalls als Joker für „15 bis 20 Minuten“ ein Thema sein. Seine Startelf hat der Bundestrainer offenbar schon im Kopf. In der werden Kapitän Philipp Lahm und sein Münchner Klubkollege Thomas Müller auf ihren angestammten Positionen stehen und nicht auf denen, die sie zuletzt bei den Bayern bekleidet hatten. Dort spielt der rechte Außenverteidiger Lahm derzeit als „Sechser“, der rechte Offensivspieler Müller als „falsche Neun“ in der Sturmspitze.

Was die Weltmeister von 1990 heute machen

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Klaus Augenthaler: Bis Juni 2011 Trainer des Drittligisten SpVgg Unterhaching © dpa
Raimond Aumann: Fanbeauftragter von Bayern München © dpa
Thomas Berthold: TV-Experte bei Liga total!, Geschäftsmann, kümmerte sich unter anderem um Fan-Arrangements für die WM 2010 in Südafrika © Getty
Andreas Brehme: Privatier und DFB-Botschafter (Aktion „1000 Mini-Spielfelder“), lebt in München und Kitzbühel © dpa
Guido Buchwald: Präsidiumsmitglied beim Drittligisten Stuttgarter Kickers, bis zum Ende der Hinrunde Interimstrainer
Thomas Häßler: Bis August 2011 Technik-Trainer beim 1. FC Köln © Getty
Günter Hermann: seit 2001 Trainer des VSK Osterholz-Scharmbeck (Landesliga), Inhaber eines Sportgeschäfts © Getty
Uwe Bein: Trainer in Kinder-Fußballschulen © AP
Bodo Illgner: Privatier in Florida, Experte beim Al-Jazeera-Tochtersender beIn Sport © dpa
Jürgen Klinsmann: Nationaltrainer der USA © dpa
Jürgen Kohler: Sportlicher Leiter beim Regionalligisten Waldhof Mannheim © Getty
Andreas Köpke: Seit Oktober 2004 Bundestorwarttrainer © Getty
Pierre Littbarski: Scout beim VfL Wolfsburg © dpa
Lothar Matthäus: Experte beim TV-Sender Sky © Getty
Frank Mill: Betreibt erfolgreich die „Kids-Active“-Fußballschulen. Unter anderem bei ihm tätig: Uwe Bein © Getty
Andreas Möller: Bis April 2011 Sportdirektor beim Drittligisten Kickers Offenbach © Getty
Hans Pflügler: Seit 1992 im Bereich Merchandising bei Bayern München tätig, heute Abteilungsleiter © Getty
Stefan Reuter: Manager des FC Augsburg © dpa
Karlheinz Riedle: Betreiber eines Hotels im Allgäu und einer Sport- und Eventagentur © dpa
Paul Steiner: Bis Mai 2011 Video-Analyst und Scout beim 1. FC Köln © Getty
Olaf Thon: Arbeitssuchend. Bis September 2011 Trainer des NRW-Ligisten VfB Hüls © dpa
Rudi Völler: Seit Januar 2005 Sportchef beim Bundesligisten Bayer Leverkusen © dpa
Teamchef Franz Beckenbauer: Ehrenpräsident von Bayern München, Experte bei Sky und SAT.1, Bild-Kolumnist - und Fußball-„Kaiser“ © dpa

Mit Lahm plane er „im Moment rechts“, sagte Löw: „Er ist wahrscheinlich der beste Außenverteidiger der Welt, und ich will keine neue Baustelle aufmachen.“ Gleichzeitig erklärte der Bundestrainer, er könne „absolut nachvollziehen, was Guardiola sich dabei denkt“. Der Katalane hatte Lahm bei den Münchnern zuletzt im defensiven Mittelfeld aufgeboten.

„Philipp ist wahrscheinlich der einzige Spieler in Deutschland, der alle Positionen spielen kann“, sagte Löw dazu: „Man stellt Philipp auf eine Position, und er füllt sie gut aus.“ Er verwies darauf, dass Lahm auch in der Nationalelf 2007 in England schon mal als Sechser agiert habe, „und das hat er wahnsinnig gut gemacht.“ Aber auch mit den Stamm-Sechsern Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sei es meist gelungen, „ein Übergewicht zu erzielen“.

Müller betrachtet er „rechts als sehr wichtig für unsere Mannschaft“. Er könne sich den 24-Jährige zwar als Sturmspitze vorstellen, „aber vielleicht nur während des Spiels oder wenn ich keine anderen Möglichkeiten habe“. Somit dürfte gegen die Iren der Mönchengladbacher Max Kruse in vorderster Front beginnen, der am Mittwoch wieder ein großes Lob von Löw erhielt: „Er hat mich mit seiner Spielweise überzeugt. Ich bin froh, dass ich diesen Spielertyp habe.“

Vor den Iren hat der Coach trotz des klaren 6:1 im Hinspiel in Dublin großen Respekt. „Wir können davon ausgehen, dass es nicht wieder in dieser Höhe ausgehen wird“, sagte er: „Die Iren fighten immer bis zum Umfallen, egal, ob es 0:1 oder 0:3 steht. Wer denkt, dass sie hier etwas verschenken, weil sie nur noch eine ganz minimale Chance haben auf die WM, ist auf dem Holzweg.“

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung: Neuer - Lahm, Mertesacker, Boateng, Jansen - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Draxler (Schürrle) - Kruse.

Von Holger Schmidt und Jürgen Zelustek

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