Aus Kamerun über München nach Österreich

Nach FCB-Aus wegen gefälschtem Pass: Hermann Gerlands Einsatz rettete Ngwat-Mahops Karriere

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Louis Ngwat-Mahop (li.) ging einst durch die harte Schule von Hermann Gerland (re.).
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Louis Ngwat-Mahop spielte einst für die FC Bayern Amateure. Ein gefälschter Pass wurde ihm jedoch zum Verhängnis. Heute ist der Kameruner Co-Trainer in Österreich.

München/Altach - „Ich wollte schon im Herbst unbedingt Schnee sehen. Ich mag die Ruhe und die Nähe zu den Bergen. Manchmal gehe ich wandern. Ich war auch schon beim Snowboarden, aber da bin ich immer hingefallen“, beschreibt Louis Ngwat-Mahop im „Spox“-Interview die Vorzüge seiner Wahlheimat Altach.

Ngwat-Mahop kommt ursprünglich aus Kamerun. Sein fußballerisches Talent zog den Afrikaner 2006 nach Europa. Der damals 18-Jährige wechselte zum FC Bayern. Den Rekordmeister musste er aber nach nur einem Jahr wegen einer Pass-Affäre wieder verlassen. Heute scheint Ngwat-Mahop sein Glück im österreichischen Altach gefunden zu haben.

Loius Ngwat-Mahop: Erstes Aufeinandertreffen mit der deutschen Mentalität

Doch zurück zum Anfang seiner Karriere. „Das lief über einen Spielerberater namens Yalla Krüger. Sein Cousin lebte noch in Kamerun. Dort hat er mich zufällig spielen sehen und Yalla von mir erzählt“, berichtet Ngwat-Mahop von seiner ‚Entdeckung‘. Und da Krüger Kontakt zu Franz Beckenbauers Sohn hatte wurde das einstige Talent zu einem Probetraining nach München eingeladen.

Der Wechsel zum FC Bayern war aber noch längst nicht ausgemacht. In einem Probetraining mit drei anderen Stürmern musste Ngwat-Mahop sich erst beweisen. Dabei kam der Kameruner erstmals mit der deutschen Mentalität in Verbindung. „Nach dem Training hat Hermann Gerland zu Yalla gesagt, dass ihm meine Körpersprache nicht gefällt, weil ich den Kopf immer hängen lasse. In Deutschland heißt das, dass man müde oder traurig ist - aber das war ich gar nicht“, erzählt das Nachwuchstalent von seinem ersten Training an der Säbener Straße.

Loius Ngwat-Mahop: Starke erste Bayern-Saison inklusive Bundesliga-Debüt

Ab dem zweiten Tag hielt Ngwat-Mahop den Kopf immer oben und wurde schließlich verpflichtet. Ein Traum ging in Erfüllung: „Yalla hat den Vertrag ausgehandelt, er war über zwei Jahre, glaube ich. Ich habe nicht einmal nachgeschaut, wie hoch mein Gehalt ist.“ Und der Traum sollte weitergehen. Der Kameruner wurde sofort fester Bestandteil der zweiten Mannschaft und kam in seiner ersten Saison in 33 Regionalliga-Spielen zum Einsatz, in denen ihm sieben Treffer gelangen. Die Belohnung: Ngwat-Mahop debütierte am 33. Spieltag der Saison 2006/07 unter Ottmar Hitzfeld gegen Energie Cottbus in der Bundesliga.

Einer, der den Weg des Nachwuchstalents von Anfang an in München begleitete, war Hermann Gerland. „Er hatte zwei Gesichter: eines als Mensch und eines als Trainer. Auf dem Platz war seine Stimme immer zu hören. Da wusste man sofort: Der Tiger ist da! Als Trainer war er sehr anstrengend“, beschreibt Ngwat-Mahop die Bayern-Legende.

Und was wäre eine Zeit unter dem „Tiger“ ohne die passenden Anekdoten dazu. Auch Ngwat-Mahop spürte die harte Hand des Talentschleifers: „Am Tag nach einem Spiel sind wir normalerweise locker gelaufen oder Fahrrad gefahren. Als er einmal wütend über unsere Leistung war, mussten wir aber eine Stunde lang um den Platz laufen. Pro Runde durften wir nicht langsamer als 1 Minute und 20 Sekunden sein.“

Loius Ngwat-Mahop: Passfälschung führt zum Bayern-Ende

Doch der Traum des Youngsters nahm ein abruptes Ende. Im Vorfeld einer Vorbereitungsreise nach Asien 2007 wurde eine Passfälschung bekannt. Bei seiner Ankunft aus Kamerun hatte Ngwat-Mahop einen Aufenthaltstitel gebraucht, um in Deutschland spielen zu dürfen. Der damalige Teenager vertraute die Aufgabe anderen Personen an, die schlussendlich einen französischen Pass für ihn fälschten.

„Ich war unendlich traurig, weil ich wusste, dass ich deshalb nicht bei Bayern bleiben durfte. Ich wollte damals nur zurück nach Kamerun. Das habe ich auch Hermann Gerland erzählt“, blickt Ngwat-Mahop zurück. Doch der „Tiger“ hielt zu seinem Spieler, glaubte an seine Unschuld, bestärkte ihn zu bleiben, arrangierte ein Probetraining bei RB Salzburg und sagte sogar bei der DFB-Anhörung für ihn aus.

Mit der Unterstützung von Gerland und Salzburg konnte Ngwat-Mahop letztendlich beweisen, dass er unschuldig ist und wechselte zu RB. Nach einer bewegten Spielerkarriere mit weiteren Stationen unter anderem in Griechenland und beim KSC ist der Kameruner mittlerweile Co-Trainer beim SCR Altach in der österreichischen Bundesliga und verfolgt dabei seine nächsten Ziele. Auf die Frage, ob er lieber den FC Bayern oder die Nationalmannschaft von Kamerun trainieren wolle, antwortet er lachend: „Erst Bayern, dann Kamerun.“ (kk) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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