Real-Trainer vor dem Aus

Mourinho: "In Spanien hassen mich viele Menschen"

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Jose Mourinho

Madrid - Jose Mourinho könnte am Dienstag sein letztes großes Spiel als Trainer von Real Madrid erlebt haben. Der Portugiese sprach nach dem Abpfiff Sätze, die auf Abschied deuten.

 Nach seiner Abrechnung mit Real Madrid schlug Jose Mourinho die geballte Wut entgegen. Die Sporttageszeitung Marca degradierte den den selbsternannten „Besonderen“ am Donnerstag gnadenlos - „The Semispecial One“, lautete die Schlagzeile. 82 Prozent von 26.000 Lesern des einflussreichen Blattes stimmten zudem für einen Abschied von Mourinho. Als Nachfolger des Real-Trainers werden bereits Carlo Ancelotti von Paris St. Germain und auch Dortmunds Erfolgscoach Jürgen Klopp gehandelt.

Mourinho scheint alle Symphatien verspielt zu haben. Nachdem für Real trotz eines 2:0 (0:0) gegen den BVB im Halbfinal-Rückspiel der Traum vom Champions-League-Endspiel wieder einmal geplatzt war, nutzte der exzentrische Portugiese die große Bühne zu seiner ganz persönlichen Abrechnung mit den Königlichen. „In England lieben mich die Leute und haben stets anerkannt, was ich geleistet habe. Da gibt es Differenzen zu Spanien. Hier gibt es viele, die mich hassen“, sagte „Mou“ und fügte mit grimmigem Blick hinzu: „Einige davon sitzen auch in diesem Raum.“

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. © dpa
Februar 2005: Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball “in Verruf gebracht“, schreibt die UEFA-Disziplinarkommission. © Getty
Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: “Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm. © Getty
März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als “Hurensohn“ bezeichnet haben. “Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er. © Getty
April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen. © Getty
November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab. © Getty
Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum. © Getty
Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40 000 Euro Strafe ein. © Getty
Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: “Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18 000 Euro. © Getty
November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. “Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt. © Getty
Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit “13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: “Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“ © Getty
Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. “Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“ © Getty
März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als “Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. “Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese. © Getty
April 2011: Mourinho ledert nach dem CL-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (0:2) gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark, die UEFA und den FC Barcelona sowie dessen Coach Pep Guardiola. Der Portugiese wittert mal wieder eine Verschwörung und glaubt, der FC Barcelona würde seit Jahren im Europapokal bevorzugt. © Getty
August 2011: Mourinhos Besessenheit für den FC Barcelona nimmt groteske Züge an. Kurz vor dem Ende des Supercup-Rückspiels bei Barca (2:3) rastet der Portugiese im Zuge einer Rudelbildung aus, tritt zunächst den am Boden liegenden Cesc Fabregas und greift anschließend Barca-Co-Trainer Tito Vilanova ins Auge. © dpa
Januar 2012: Hier greift sich Mourinho ausnahmsweise mal selbst ins Auge. Nach dem Pokal-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona fühlt sich Mourinho mal wieder benachteiligt. Er lauert dem Schiedsrichter in der Tiefgarage auf und sagt: "Du Künstler, du fickst die, die arbeiten. Du respektierst nicht die richtigen Profis. Jetzt gehst du eine Zigarre rauchen und dann gehst du nach Hause, du Lümmel.“ © dpa
Winter 2012: Nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit an seiner Außendarstellung präsentiert sich Mourinho vor dem Heimspiel gegen Atletico Madrid den Fans und steht einige Minuten mitten auf dem Feld, "damit die Leute ihre Meinung über mich abgeben können". Die Reaktionen im spärlich gefüllten Stadion sind gemischt. © dpa
Nach seinem Abschied zum FC Chelsea kartet Mourinho nach: Das Opfer dieses Mal: Cristiano Ronaldo. "Ich hatte ein einziges Problem mit ihm: Cristiano denkt, dass er alles besser weiß, und er akzeptiert keine Kritik an seiner Spielweise", sagte Mourinho, obwohl sein Landsmann auch in Mourinhos letzter Saison bei Real bester und torgefährlichster Spieler war. © dpa
August 2013: Auch bei Chelsea kann es Mourinho nicht lassen - und lästert dabei sogar Europa-übergreifend. Die Giftpfeile treffen seinen Intimfeind und Neu-Münchner Pep Guardiola. Vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern stichelt er: „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ © dpa
März 2014: Seine Ex-Vereine sind Mourinho heilig. Der Portugiese schimpft und lästert über vieles, aber gegen seine ehemaligen Arbeitgeber und Spieler eigentlich nicht. Über einige Spieler von Real Madrid sagte Mourinho aber: "Bei Real Madrid standen die Spieler vor den Spielen in der Kabine Schlange vor dem Spiegel, damit sie ihre Frisuren noch überprüfen konnten, bevor es raus auf den Platz ging", lästere Mourinho. © AFP
September 2014: Wieder mal eine Attacke von Mourinho gegen seinen Erzfeind Pep Guardiola, dieses mal sogar auf persönlicher Ebene: "Wenn einer das genießt, was er tut, dann verliert er nicht die Haare. Guardiola aber hat eine Glatze. Er genießt den Fußball nicht", lautete die unverschämte Aussage des ehemaligen Trainers von Real Madrid. Vorausgegangen war ein Disput der beiden bei der Trainertagung in Nyon, bei dem es um die vorgeschriebene Rasenlänge bei internationalen Spielen ging. © AFP

Wenig später verriet er im kleineren Kreis, er wolle künftig dort arbeiten, „wo mich die Leute lieben.“ Sprich: auf der Insel. Seinen wohl bevorstehenden Wechsel zu seinem Ex-Klub FC Chelsea nach dem Rundenende wollte Jose Mario dos Santos Felix Mourinho allerdings noch nicht bestätigen. Das Boulevardblatt „The Sun“ druckte am Donnerstag allerdings eine Fotomontage, auf der ein blaueingefärbter Mourinho als Coach der „Blues“ jubelt.

Nachdem für Real der Traum von einer magischen Nacht geplatzt war, kündigte der 50-Jährige an: „Ich werde das erst am Ende der Saison gemeinsam mit dem Präsidenten entscheiden.“ Seinem Image als selbstherrlicher Coach wurde er wieder einmal gerecht, als er wie selbstverständlich nachschob: „Es hängt nur von mir selbst ab.“

Die Sporttageszeitung Sport hatte ihr Urteil aber bereits gefällt: „Adios Mou! Die Pleite ist vollbracht“, titelte das Blatt aus Barcelona, während Marca mit Seitenhieb auf Mourinho schrieb: „All you need is Klopp - la-la-lara-la.“

Da passte es ins Bild, dass Mourinho die Schuld für das Verfehlen des Endspiels auch bei Schiedsrichter Howard Webb (England) suchte. Nach Meinung des Trainers hätte der Referee gleich mehrere Spieler vom Platz stellen müssen. „Das Handspiel von Mats Hummels war eine klare Rote Karte. Da hatte Webb wohl das Gefühl, dass er den Dortmundern die Finalteilnahme verderben könnte“, haderte Mourinho. Es müsse eben „alles zusammenpassen“, wenn man ins Finale wolle.

Mit Real Madrid und ihm passt es wohl nicht, denn auch im dritten Anlauf in Serie war in der Vorschlussrunde der Königsklasse Endstation. „Da ist einem nur noch zum Weinen zumute“, sagte Torschütze Sergio Ramos und erhielt Unterstützung von Superstar Cristiano Ronaldo: „Das ist natürlich enttäuschend. Wir hätten in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore machen können. Das hätte alles verändert.“ Die späten Treffer von Karim Benzema (83.) und Ramos (88.) reichten letztlich nicht.

Seit 2002 jagt der spanische Rekordmeister der begehrtesten Team-Trophäe im europäischen Fußball hinterher. Den Grund für das neuerliche Scheitern sah Mourinho eindeutig in der 1: 4-Hinspielpleite. „Es hat für uns nicht gereicht, weil wir in Dortmund ein unterirdisches Spiel gemacht haben.“

Mourinho zeigte aber dennoch Größe und erkannte den Triumph der Gäste an. „Wir haben gegen ein Team verloren, das schneller und flexibler gespielt hat.“ Zumindest war es im vierten Duell mit der Borussia in dieser Saison der erste Sieg der Spanier.

Eine Tatsache, die einen wie Mourinho freilich nicht zufriedenstellen konnte. Der 50-Jährige flirtete lieber mit „Miss England“. „Da werde ich von einigen Klubs geliebt, speziell von einem“, sagte Mourinho und meinte zweifelsohne den FC Chelsea. Das Boulevardblatt The Sun zeigte ein Foto von ihm mit der Überschrift: „Ich will geliebt werden.“ In dem Wort „loved“ besteht der Buchstabe „v“ aus dem Chelsea-Logo.

sid

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