Carina Vogt testet vorab die Olympiaschanze in Peking

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Raw Air Tournament 2019. FIS Skisprung Weltcup Ski jumping Skispringen Ski nordisch Skispringen Ski nordisch World Cup Trondheim Norway. Carina Vogt (GER) während dem Wettkampf am 14.03.2019 in Trondheim. Raw Air Tournament 2019 *** Raw Air Tournament 20
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Die Olympiasiegerin des SC Degenfeld startet im Continental-Cup in China - dort, wo im Februar 2022 das Großereignis ansteht.

Bad Endorf / Peking

Carina Vogt ist eine glänzende Taktikerin. Nachdem der Weltcup-Auftakt für die Olympiasiegerin des SC Degenfeld zu früh kommt, hat sie sich einen Plan B ausgedacht. Die 29-Jährige geht in der kommenden Woche beim zweitklassigen Continental-Cup an den Start. Netter Nebeneffekt: Sie darf auf der Anlage springen, auf der im Februar 2022 die Olympischen Spiele ausgetragen werden.

Carina Vogt wirkt beim Interview keineswegs traurig. Die 29-Jährige kann locker verschmerzen, dass sie beim Weltcup-Auftakt am Freitag und Samstag in Nischni Tagil nicht zum deutschen Aufgebot gehört. „Das kommt viel zu früh“, sagt die Waldstetterin, die eine lange Leidenszeit hinter sich hat. Wieder einmal. Monatelang kämpfte sie sich nach einer neuerlichen Knie-OP zurück. Und auch diesmal mit Erfolg. Seit gut einem Monat kann sie wieder über die Schanzen springen. „Ich bin nicht immer schmerzfrei, immer wieder klemmt es im Knie, aber alles in einem erträglichen Maße.“ Und sie weiß auch, dass sie beim Skispringen wohl nie mehr ganz beschwerdefrei sein wird. „Ich habe schließlich kein jungfräuliches, 16-jähriges Knie mehr ...“ Nein, den Humor hat sie trotz aller Rückschläge nie verloren.

Und das hilft ihr enorm beim neuerlichen Versuch eines Comebacks. „Hallo Leeeuteee, ich kann wieder jumpen“, so meldete sich die erfolgreichste Skispringerin aller Zeiten Mitte Oktober auf Instagram zurück. Inzwischen ist sie auch wieder weit „gejumpt“ - auf einer Großschanze. „Eigentlich ganz o.k.“ seien die Sprünge in Garmisch Partenkirchen gewesen. „Der Anlauf hat gepasst, es war kein Problem.“ Was Vogt aber auch sagt: dass sie noch längst nicht die Alte ist. „Ich schaffe es mental noch nicht, das ganz große Risiko einzugehen.“ Heißt: Sowohl oben auf der Schanze als auch während des Flugs ist die 29-Jährige noch nicht frei im Kopf. „Ich mache mir noch zu viele Gedanken“, sagt sie. Deshalb wähle sie zum einen keinen ganz langen Anlauf. „Zum anderen mache ich während des Flugs auf, wenn ich merke, dass der Sprung ganz weit hinab geht.“

Am Mittwoch geht's nach China

All das ist nach der langen Zwangspause normal. Was hilft, sind viele Sprünge. Und zwar nicht nur im Training. „Ich muss da jetzt raus aus dieser Komfortzone“, sagt die Fünffach-Weltmeisterin. Deshalb hat sie auch sofort Ja gesagt, als die Anfrage vom deutschen Skiverband (DSV) kam, ob sie im Continental-Cup starten möchte. Am kommenden Mittwoch geht's nach China, wo die ersten Wettkämpfe in diesem B-Wettbewerb anstehen. Carina Vogt will dabei nur auf sich selbst schauen. „Es geht mir überhaupt nicht um die Platzierungen, ich weiß noch nicht einmal, wer meine Konkurrentinnen sind. Ich will auch noch nicht meine Grenzen ausloten.“ Stattdessen gehe es darum, Wettkampfluft zu schnuppern. „Ich möchte in dieses ganze Wettkampf-Procedere wieder reinkommen. Ich möchte es schaffen, oben zu stehen und mir keinen Kopf zu machen. Es soll der nächste Schritt in die richtige Richtung werden.“

Dass die 29-Jährige dazu die weite und durch die Coronaauflagen auch beschwerliche Reise nach China auf sich nehmen muss, sieht sie gelassen. „Natürlich wäre mir Europa lieber gewesen, aber jetzt ist es eben so ...“ Zumal der Wettkampfort kein unbedeutender ist. Auf der Anlage in Peking geht's am 5. und 7. Februar um die olympischen Medaillen. Ist dieses Großereignis auch das große Ziel? Carina Vogt hält sich auch da bedeckt. „Im vergangenen Jahr wurde meine Rückkehr derart forciert. Das hat nichts gebracht. Deshalb schaue ich von Woche zu Woche.“

Dass sie die Olympiaanlage vorab testet, kann aber zumindest nicht schaden.

Ich muss jetzt raus aus der Komfortzone.“

Carina Vogt, Olympiasiegerin des SC Degenfeld

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