Christoph Wallner: Ade Elternhaus, hello California

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Unter der kalifornischen Sonne im Shirt seiner neuen Uni: Christoph Wallner ist endlich an seinem Studienort angekommen.
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Endlich angekommen: Nach einem Jahr Online-Studium von daheim aus darf der Aalener Christoph Wallner jetzt an seiner Uni in Los Angeles studieren und trainieren.

Aalen/Los Angeles

Mit einem Jahr Verspätung ist der Aalener Läufer Christoph Wallner US-Unisportler geworden. Sein erstes Flugticket für die Reise nach Kalifornien war für den 16. August 2020. Abgeflogen ist der heute 24-Jährige schließlich am 17. August 2021. Ein Jahr lang war er nur als Online-Student an der „Loyola Marymount University“, jetzt hat er seine Vorlesungen wirklich in Los Angeles – und nicht mehr am Bildschirm im Elternhaus in Waldhausen.

„Ein Jahr online studieren, das wäre der worst case“, hat Christoph Wallner im letzten Sommer gesagt, als es schon unsicher war, ob die US-Behörden ihn angesichts der Corona-Pandemie ins Land lassen. Dann ist er eingetreten, der denkbar schlimmste Fall. Aber irgendwie ging es dann doch: „Ich will mich nicht beschweren, das Onlinestudium lief gut“, sagt Wallner im Rückblick. Sein Training hat der Mittelstreckenläufer in der Zeit selbst organisiert, in Aalen oft gemeinsam mit Joachim Krauth, den er schon lange kennt. „Ich war froh, jemanden fürs Training zu haben.“ Dazu kamen Treffen mit seinem früheren Uni-Team in Karlsruhe plus einige Trainingslager.

Wie sich der US-Unisport anfühlt

In seinen ersten Wochen in LA hat er nun erfahren, wie sich das US-System im Uni-Sport anfühlt. Anders auf jeden Fall: „Auf das Gemeinschaftsgefühl, den Team Spirit wird sehr großer Wert gelegt.“ Morgens um 7 Uhr trifft sich das Leichtathletik-Team der Loyola Marymount, um gemeinsam zu laufen. „Da ist jeder da; da muss jeder da sein“, sagt Wallner. Ungewohnt für europäische Sportler, die häufiger individuell trainieren. „Es ist für mich schon eine Umstellung, auch für die spanischen Kollegen.“ Das Team ist sehr oft zusammen: Wallner trainiert ähnliche Umfänge wie früher, rund 100 Kilometer pro Woche, „aber es geht extrem viel Zeit drauf“.

Ohne den Sport und seine Klasse hätte der Aalener sein Stipendium nicht bekommen. Der Leichtathletiktrainer Scott Guerrero wollte Wallner, den Deutschen Vizemeister im 10-Kilometer-Straßenlauf, in seinem Team haben. Die Leichtathletik-Mannschaft mit seinen 20 Sportlern ist nur ein kleiner Teil der sehr professionell organisierten Sport-Abteilung der Uni. Es ist ein bisschen wie olympisches Dorf in klein: „Es gibt noch zehn andere Sportteams mit insgesamt über 500 Sportlern, es ist wie eine Firma“, sagt Wallner. Eine eigene medizinische Abteilung gibt es natürlich auch.

Auch das Studieren fühlt sich sehr anders an. „Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Wallner. Bisher: Videounterricht aus USA, als Aufzeichnung statt live wegen der Zeitverschiebung. Nur einmal war er extra nachts um 4 Uhr aufgestanden, um eine Präsentation zu halten.

Jetzt: Ein lebensechter Professor, richtige Mitstudierende – und echten Austausch. „Es gibt viele Diskussionen und Fallstudien, an denen man gemeinsam arbeitet.“ Mit Leuten zu tun zu haben, das habe ihm schon sehr gefehlt. „Es war ein Ein-Mann-Studium.“

Radtour nach Venice Beach

Und dann ist da noch die Umgebung. „Ich habe schon ein paar Radtouren gemacht, nach Venice Beach und Santa Monica“, sagt Wallner, dessen Uni drei Kilometer vom Meer weg liegt. Das Wetter ist auch nicht übel: „Das ist eigentlich jeden Tag gleich: Morgens ist es etwas bewölkt. Dann klart es auf. Und es hat angenehme 22 bis 28 Grad.“

Bald kommt zum Urlaubsgefühl in der Freizeit das Wettkampfgefühl im Sport dazu: Für Wallners Uni-Team stehen die wichtigsten Wettkämpfe des Winterhalbjahres im Crosslauf an. „Am 29. Oktober sind die Conference-Meisterschaften, am 15. November die Regionals. Das ist, wo es wirklich zählt.“

Info: Ein Porträt von Christoph Wallner als Student in „System engineering“ findet man auf der Website seiner Uni: www.cbanews.lmu.edu/ (im Suchfeld „Wallner“ eingeben).

Auf den Team Spirit wird großer Wert gelegt.“

Christoph Wallner, Läufer und US-Stipendiat

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