Das Kabinenfest gehört dazu

  • Weitere
    schließen
+
Das wünscht sich Jens-Peter Schuller schnellstmöglich: dass die Kicker im Bezirk Ostwürttemberg wieder auf die Fußballplätze zurückkehren und kicken dürfen. Dabei muss es nicht immer um Punkte und Pokale gehen.
  • schließen

Spielverbote und Saisonabbruch: Beim Bezirkstag am Freitag geht es auch um diese Themen. Der Vorsitzende Jens-Peter Schuller im Interview.

Aalen

Der Bezirksvorsitzende ist noch lange nicht müde. Jens-Peter Schuller stellt sich am Freitag beim virtuellen Bezirkstag erneut zur Wiederwahl. In der Hoffnung, dass im Fußball schnellstmöglich Normalität einkehrt. „Wir werden Jugendliche und Ehrenamtliche verlieren“, sagt der 52-Jährige.

Herr Schuller, Homeoffice statt Open Air: Wie traurig sind Sie, dass der Bezirkstag statt in der Aalener Ostalb-Arena daheim am Laptop stattfindet?

Schuller: Sehr traurig. Wir sind eine große Gemeinschaft im Bezirk, und ich hätte gerne alle getroffen und mit ihnen diskutiert.

Wie viele Vereinsvertreter erwarten Sie an den Bildschirmen?

74 der 128 Vereine im Bezirk haben sich angemeldet. Es sind noch Nachmeldungen möglich, aber diese Vereine bekommen kein Stimmrecht mehr.

Es geht auch um Ihre Wiederwahl. Sie gehen in ihre sechste Amtsperiode. Sind Sie nicht müde?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe großen Spaß an diesem Amt.

Aber Sie mussten bestimmt Kritik einstecken, als es zu den Saisonabbrüchen kam. Oder?

Bettringen, Essingen, ... ich weiß, dass wir einigen Vereinen weh getan haben, die sich bis zum Abbruch viel erarbeitet hatten. Aber es war alternativlos.

Gab es Diskussionen?

Im vergangenen Jahr wurde diskutiert, man hat die Standpunkte ausgetauscht, und es waren nicht immer beiden Seiten glücklich, wenn man aufgelegt hatte. Aber der Respekt ging nicht verloren. Und in diesem Jahr gab es keine Anrufe. Was hätten wir auch tun sollen? Andere Verbände und Sportarten haben viel früher alles abgesagt.

Haben Sie Verständnis für die Entscheidungen der Politik?

Sowohl als auch: Ich habe kein Verständnis, dass wir nicht Fußball spielen dürfen, denn beim Fußball steckt sich niemand an. Aber es gehören zum Fußball auch Zuschauer, Vereinsheime und das Kabinenfest mit Bier - das lässt sich nicht trennen. Da habe ich dann Verständnis.

Glauben Sie, dass der Fußball langfristige Schäden nimmt?

Die Pandemie hat definitiv Folgen. Wir werden Jugendliche verlieren, und wir werden Ehrenamtliche verlieren. Ich hoffe aber auch, dass es zu Trotzreaktionen kommt, wenn wir wieder grünes Licht bekommen.

Hat Corona sportliche Folgen?

Ganz klar auf die Gesundheit und Entwicklung der Kinder. Wenn ich nur daran denke, dass es über ein Jahr lang keinen Schwimmkurs gab. Da kann eine Schulgeneration nicht schwimmen.

Unabhängig von Corona gehen die Mitgliederzahlen im WLSB bei den männlichen Schülern und Jugendlichen stark zurück.

Das liegt einerseits an den vielen Angeboten, die Verlockungen werden immer größer. Und dann sehe ich noch einen Grund: Wenn Kinder im Alter von 5 Jahren bereits um Pokale, Punkte und Medaillen spielen, dann haben sie als A-Junioren keine Lust mehr drauf.

Was schlagen Sie vor?

Reine Kinderspieltage. Bis zum 10. Lebensjahr soll es nur ums Spielen gehen, ohne Punkte. Dann gibt es später neue Anreize. Ich habe drei Kinder: Meine große Tochter ging eines Tages zu einem Leichtathletik-Wettkampf, meine mittlere Tochter zu einem Turnwettkampf und mein Jüngster zu einem Spieletag im Fußball. Hinterher hatte ich zwei enttäuschte Töchter und einen glücklichen Sohn ...

Wie verträgt sich das mit dem Leistungsgedanken?

Ich weiß, dass ich damit oft alleine dastehe. Für mich sollte es Vereinswechsel erst ab dem 10. oder 12. Lebensjahr geben. Ich bin dagegen, dass Eltern Kinder 50 Kilometer zu einem großen Verein ins Training fahren. Die Kinder sollen mit ihren Freunden und Klassenkameraden in ihren Heimatvereinen kicken. Druck haben sie sonst genug.

Zurück zum Fußball-Bezirk. Es steht eine Reform an ...

Die ist nötig. Wir in Ostwürttemberg sind mit 128 Mannschaften der größte Bezirk, kleine Bezirke haben nur 60 Mannschaften. Trotzdem haben wir auch nur einen Bezirkspokalsieger, einen Bezirksliga-Meister und einen Vereins-Ehrenamtspreis. Das ist unsportlich und unfair. Wir brauchen dringend gleich große Bezirke im WFV. Deshalb soll es künftig 12 statt 16 Bezirke geben. Und 12 statt 16 Bezirksligen.

Beim Fußball steckt sich niemand an.“

Jens-Peter Schuller, Bezirksvorsitzender
Jens-P. Schuller

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL