Die Italiener überzeugen

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Serge Gnabry, Mats Hummels und Robin Gosens (von links) freuen sich über den 4:2-Erfolg über Portugal.
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Nach dem 4:2-Erfolg gegen Portugal sehen die Fußballexperten Deutschland „in der Spur“. Ob's aber ins Finale reichen wird? Zuschauerfrage wird heiß diskutiert.

Ostalbkreis.

Die Gruppenphase wird Deutschland überstehen. Da sind sich die Fußball-Experten von der Ostalb nach dem 4:2-Sieg gegen Portugal einig. Skepsis steht jedoch hinter der Einschätzung, ob Jogis Jungs ins Finale dieser Fußball-Europameisterschaft einziehen werden. Auch, ob es richtig ist, Zuschauer ins Stadion zu lassen - und vor allem wie viele - ist eine viel diskutierte Frage. Der allgemeine Tenor. Ein volles Haus wie in Budapest darf es in dieser Pandemiesituation eigentlich nicht geben.

Frank Dürr (Bezirksschiedsrichterobmann): Was die deutsche Mannschaft betrifft, ist es bisher so gelaufen, wie ich mir das gedacht habe. Nämlich, dass wir gegen Frankreich höchstwahrscheinlich verlieren und gegen Portugal gewinnen werden. So gesehen sind wir in der Spur, was meine Erwartungen betrifft. Was die Spiele betrifft, muss ich sagen, dass wir gegen die Franzosen zu wenig nach vorne gemacht haben, vor allem über die Flügel. Das war gegen Portugal dann wesentlich besser. Da haben wir druckvoll nach vorne agiert. Aber wir dürfen uns natürlich nicht nach einer Viertelstunde so auskontern lassen. Das Spiel gegen Ungarn wird nicht leicht werden. Das große Plus wird sein, dass wir wieder in München spielen und nicht in Budapest. Ich glaube schon, dass nach so langer Zeit ohne Zuschauer auch die Fußballprofis Frankreichs beim 1:1 gegen Ungarn sich von der Zuschauerkulisse in Budapest haben beeindrucken lassen. Und die Ungarn hat das zusätzlich beflügelt. Mit dem Rückenwind von dem Auftritt gegen Portugal werden wir am Mittwoch diese Hürde nehmen. Wie weit wir dann kommen werden, ist sehr schwer zu sagen. Auch die kleinen Nationen sind in Europa doch sehr nahe an die großen herangerückt. Ich habe vor Turnierbeginn auf Frankreich als Europameister getippt, aufgrund der besseren Einzelspieler. Dabei bleibe ich auch, auch wenn mich die Italiener in ihren ersten beiden Spielen als Mannschaft bisher überzeugt haben. Als ich den Spielplan vor der EM für mich durchgespielt habe, habe ich Deutschland als Gruppenzweiter gesehen. Dann würden wir auf den Gruppenersten der England-Gruppe stoßen. In London gegen England, das würde dann schon schwierig werden. In K. o.-Spielen kann viel passieren. Es gibt deshalb mehrere Mannschaften, die ich mir im Finale – gegen Frankreich – vorstellen könnte.

Was die Zuschauerthematik betrifft: Das ist ein schwieriges Thema. Es ist echt schön, dass wieder Zuschauer im Stadion sind. Da hat die UEFA ja vor der EM ordentlich Druck gemacht. Aber ich finde, dass es nicht sein muss, dass man – wie in Budapest – vor einem vollen Haus spielt. Die Gesundheit der Menschen geht immer vor, auch wenn es eine Europameisterschaft ist.

Jana Köder (U17-Oberligaspielerin des FC Ellwangen): Ich finde, gegen Frankreich haben die Deutschen noch nicht so richtig zusammengespielt. Das ist gegen Portugal schon viel besser gewesen. Da haben sie es auch verstanden, ordentlich Druck aufzubauen. Natürlich haben die Ungarn gegen Frankreich gezeigt, dass man sie nicht unterschätzen darf. Aber wenn Deutschland so spielt wie gegen Portugal, kann man gegen Ungarn die drei Punkte einfahren. Verdient wäre es schon. Mein Favorit auf den Titel ist Frankreich. Dass Deutschland ins Finale kommen wird, glaube ich nicht. Bis zum Halbfinale schaffen sie es. Dass bei einer Europameisterschaft Zuschauer im Stadion sind, ist schon wichtig – auch für die Fußballer selbst. Ob es aber in dieser Situation fast 60000 Menschen sein müssen wie in Budapest, das bezweifele ich doch sehr.

Philipp Rettenmeier (Fußball-Abteilungsleiter SV Jagstzell): Ich denke, dass wir prinzipiell schon nicht schlecht sind. Gegen Portugal sind wir es spielerisch nach vorne gut angegangen. Aber es hakte im defensiven Umschaltverhalten und bei den Standards gegen uns waren wir nicht merklich sicherer. Ich denke trotzdem, dass uns gegen Ungarn selbst ein Unentschieden reichen würde, um weiterzukommen. Aber spätestens im Halbfinale wird Schluss sein. Mein EM-Tipp ist Italien. Die gefallen mir sehr gut. Spielerisch geht noch etwas bei denen. Dennoch liegt das Feld der Mannschaften eng beieinander. Das sieht man sogar an den vermeintlichen Außenseitern, die mit dafür sorgen, dass diese EM von der Qualität auf einem guten Niveau ist. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Spieler gegen Ende der Spiele sehr platt wirken. Vielleicht macht sich hier die aufgrund der Pandemie doch lange Saison bemerkbar. Dass Zuschauer im Stadion sind, halte ich in dieser Situation für sehr schwierig. Man darf sich ja selbst nur aus drei Haushalten treffen und in Ungarn ist die Hütte voll. Das ist nur schwer zu vermitteln.

Norbert Stippel (Waldstetten/Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums der Stuttgarter Kickers): Gegen Portugal hat Deutschland einfach prima gespielt. Die Körpersprache war eine völlig andere als noch gegen Frankreich. Man muss aber sehen, dass auch ein anderer Gegner auf dem Platz stand. Mit dem Sieg gegen Portugal hat Deutschland den Grundstein fürs Weiterkommen gelegt. Wenn du nach so einem Spiel rauskommst, ist das der Katalysator fürs nächste Spiel. Wir werden Ungarn sicher nicht im Vorbeigehen mit 4:0 abfertigen. Aber dass das Spiel wieder in München und nicht in Budapest ist, ist gut für Deutschland. Vor der EM habe ich in Sachen Favoriten an Frankreich und Belgien gedacht. Italien hat mich jetzt absolut überrascht. Es macht Spaß, denen zuzusehen. Dennoch ist es schwierig, einen Favoriten auszumachen. Da sind die Mannschaften einfach viel zu eng beieinander. Alle, die ins Viertelfinale kommen, können am Ende den Titel holen. In den K.o.-Spielen kann viel passieren. Deutschland zählt für mich zu diesem Kreis absolut dazu. Wir sind eine Turniermannschaft. Ich habe für alle Gruppenspiele Deutschlands in München und sogar für ein mögliches Deutschlandspiel in London Karten gehabt. Ich habe sie alle zurückgegeben. Und ich bin froh darüber. Wenn ich sehe, dass sich mehr als ein Drittel der Zuschauer nicht an die Maskenpflicht hält, fehlt mir dafür jedes Verständnis.

Wenn ich sehe, dass sich mehr als ein Drittel der Zuschauer nicht an die Maskenpflicht hält, fehlt mir dafür jedes Verständnis.“

Norbert Stippel, NLZ-Leiter Stuttgarter Kickers
Frank Dürr
Jana Köder
PhiippRettenmeier
Norbert Stippel

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