Down-Syndrom hält Brucker nicht auf

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Lars Brucker
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Kommt für Lars Brucker nach 6,5 und 10 Kilometern nun der Halbmarathon?

Bettringen. Für trainierte Läufer oder Hobbyjogger sind 6,5 Kilometer im Normalfall keine Herausforderung. Für den 30-Jährigen Lars Brucker - der mit Down-Syndrom lebt, aber dennoch vor Ehrgeiz strotzt - war es hingegen ein besonderer Moment, als er vor einigen Wochen beim Härtsfelder Panoramalauf nach fast sieben Kilometern auf Platz 21 über die Ziellinie lief. „Er redet immer noch begeistert von diesem Lauf“, sagt Gisela Ocker, die Brucker schon seit knapp 25 Jahren kennt. „Lars ist mit meiner Tochter zur Schule gegangen. Unsere Familien sind befreundet.“

Feuer und Flamme fürs Laufen

Dementsprechend ist Gisela Ocker, die gemeinsam mit Lars den Panoramalauf absolvierte und bei den Frauen Platz 23 erreichte, eine enge Bezugsperson. Die Idee dazu hatte sie vor über einem Jahr. Seitdem habe „Lars ein Ziel vor Augen gehabt. Er war sofort Feuer und Flamme“. Die richtigen Eigenschaften, um einen Lauf über längere Distanz zu meistern, besitzt der 30-Jährige laut Ocker definitiv. „Er ist schon sehr sportlich und hat viel Kondition.“

Zweifel, dass Brucker es nicht ins Ziel schaffen würde, hatte sie nie, denn „sonst hätte ich ihn gar nicht erst mitgenommen. Er kann brutal beißen“. In 50:54 Minuten meisterten sie die Strecke - wobei sowohl Zeit als auch Platzierung für die beiden eher eine nebensächliche Rolle spielten. „Wir wollten nur gemeinsam ankommen“, so Ocker, die außerdem hervorhebt, dass das Laufevent Bruckers Selbstvertrauen gestärkt habe und er unheimlich stolz auf seinen Erfolg sei.

Gruppenlauf als Motivationskick

Der Laufsport gibt dem gebürtigen Bettringer, der derzeit in einer WG in Wäschenbeuren lebt, enorm viel. Zwei bis drei Mal die Woche schnürt Brucker die Laufschuhe und trainiert, läuft für sich. Beste Voraussetzungen, um möglicherweise auch eine längere Distanz zu stemmen. Gisela Ocker traut das Brucker, der auch schon über die 10-Kilometer-Distanz lief, in jedem Fall zu. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass er einen Halbmarathon schaffen würde.“ Allerdings würde seine Laufleistung aus der Sicht von Ocker noch besser und gezielter trainiert werden, „wenn er sich einer Gruppe anschließen könnte. Lars würde dadurch sicherlich mehr Läufe machen. Das ist dann eine ganz andere Motivation“.

An dieser mangelt es Brucker grundsätzlich nicht, dennoch könnte er durch eine Laufgemeinschaft noch mehr gefördert werden. Und vielleicht gelingt ihm dadurch im nächsten Jahr dann auch der 21-Kilometer-Coup. ⋌Alessandro Gleich

Gisela Ocker

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