Jetzt ist der KSV Aalen Favorit

Das hatte keiner auf der Rechnung. Der KSV Aalen hat sich mit einem 20:18-Auswärtssieg im Final-Hinkampf gegen Weingarten eine sehr gute Ausgangsposition für den Rückkampf in Aalen geschaffen. Nach fünf Kämpfen hatte der KSV sogar mit 14:5 geführt.

Es war ein Wechselbad der Gefühle: Vier Siege für den KSV aus den ersten fünf Kämpfen, eine 14:5-Führung zur Pause. Fröhliche Gesichter in der Aalener Ecke, Schulterklopfen, Umarmungen. "Wir waren tot", so die drastisch formulierte Zwischenbilanz des SVG-Vorsitzenden Ralph Oberacker. Und dann kam Weingarten nach der Pause zurück, verkürzte den Neun-Punkte-Vorsprung auf zwei Pünktchen, der sicher geglaubte KSV-Sieg war sogar noch in Gefahr geraten. Der Start war entscheidend dafür, dass die Aalener Ringer am Ende doch den Sieg feiern durften. Der Georgier Amiran Elbakidze (55 Kg Freistil) wurde zum Matchwinner (siehe auch "Wie immer gut aufgestellt"), als er Weingartens Christoph Ewald souverän von der Matte fegte. Nach einer dreiviertel Minute führte Elbakidze nach zwei Drehern in Serie mit 5:0 in Runde eins, der Blitzstart endete mit einem 7:1-Rundensieg. Am Ende war's ein unerwarteter Triumph in drei Runden, bei dem Elbakidze sogar noch die zum 4:0-Überlegenheitssieg notwendigen elf Punkte Vorsprung holte. Ein perfekt gelaufener Schlüsselkampf, der der Auftakt war zu einer grandiosen ersten Halbzeit. Zweimal ein souveränes 3:0 für Anatoli Guidea (66F) und den jungen Peter Modos (60G) gegen gewiss nicht schlechte Gegner, das war nicht zu erwarten gewesen. Und auch Ralf Böhringer (120 G) brachte mit dem 1:3 das Maximum dessen, was er zurzeit bringen kann. Stefan Kehrer entschied im 96er Freistil einen offenen Kampf gegen Johannes Kessel für sich, auch bei ihm haben die (Konditions-)Probleme der Vorrunde einer richtigen Endrundenform Platz gemacht. Vorsprung schmolz dahin Die Euphorie bei den KSV-Fans war groß zur Pause, aber es waren noch fünf Kämpfe, die es zu ringen galt. "Dass es nach der Pause nicht so weitergeht, war doch klar", sagt Trainer Anton Nuding. Der Vorsprung schmolz dahin: Patric Nuding (84G) fightete, gab aber doch drei Runden gegen René Zimmermann ab. Christian Fetzer lieferte sich einen engen Kampf gegen den Vize-Europameister von 2008, Ionut Panait, doch der Rumäne war am Ende zu stark. Für den einzigen Aalener Sieg nach der Pause sorgte David Bichinashvili, doch wie so oft gegen den schnellen, aber konditionsschwachen Arpad Ritter war's kein glatter Sieg. "Gegen ihn gebe ich immer die erste Runde ab, da muss ich mir im Rückkampf etwas einfallen lassen", sagte Bichinashvili nach dem Kampf. Der Schlüsselkampf der zweiten Hälfte verlief anders als der der ersten: Emzarios "Shako" Bentinidis hatte zum zweiten Mal in der Saison fürs 74er Gewicht gemacht und trat gegen Szabolcz Laszlo an. Ein offener Kampf, auf dem Papier wie auf der Matte, den Ausschlag gab letztlich die Kondition, Bentinidis hatte man das Gewichtmachen schon in Runde zwei angemerkt, und beim Stand von 1:2 Runden war der Gesamtsieg in Gefahr. "Da habe ich schon ein bisschen Muffe gekriegt", gab Coach Nuding hinterher zu. Ein 1:3 und dann ein durchaus mögliches 0:4 von Hans-Jörg Scherr gegen Adam Juretzko (74G), und es hätte 19:19 gestanden. Doch Trainer und Teamkollegen konnten Bentinidis nochmal entscheidend motivieren, und er holte sich Runde vier. Keine Enttäuschung in der Aalener Ecke nach der 2:3-Niederlage: "Das waren für mich zwei gewonnene Punkte", stellte Anton Nuding fest. Ähnlich drückte sich der Trainer beim 0:3 von Hansi Scherr gegen Juretzko aus, Scherr kämpfte bis zum Umfallen und gab keine vier ab. "Auch ein gewonnener Punkt", so Nuding. "Zwei Punkte sind gar nichts" "Wir haben Weingarten wehgetan, und jetzt haben wir's selber in der Hand", zog Nuding Bilanz und zeigte nochmal seinen Optimismus: "Ich bin sicher, es wird ein gutes Ende haben." Die Weingartener mussten da natürlich gegenhalten: "Zwei Punkte sind gar nichts", sagte SVG-Vorsitzender Ralph Oberacker und sein Trainer Frank Heinzelbecker fügte hinzu: "Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden." Da hat er recht, aber die besseren Chancen hat der KSV Aalen. Mit nochmal einer solchen Leistung wie in Bretten wird der KSV Aalen am kommenden Samstag Deutscher Meister. Und die KSV-Ringer wollen sich jetzt auch selbst belohnen. Patric Nuding: "Jetzt sind wir so weit gekommen, jetzt wollen wir auch die Party mitnehmen."

SV

Germania Weingarten – KSV Aalen 05 18:20

55F:

Christoph Ewald – Amiran Elbakidze 0:4 (1:7, 0:3, 1:3);

120G:

Mihaly Deak-Bardos - Ralf Böhringer 3:1 (1:0, 1:0, 0:1, 1:0);

60G:

Oleg Boikov – Peter Modos 0:3 (0:1, 0:1, 0:2);

96F:

Johannes Kessel – Stefan Kehrer 2:3 (1:3, 2:0, 1:2, 1:0, 0:1);

66F:

Gergö Wöller – Anatoli Guidea 0:3 (0:1, 0:1, 0:7);

84G:

René Zimmermann – Patric Nuding 3:0 (1:0, 1:0, 1:0);

66G:

Ionut Panait – Christian Fetzer 3:1 (0:1, 1:0, 1:0, 1:0);

84F:

Arpad Ritter - David Bichinashvili 1:3 (2:1, 1:3, 0:3, 0:4);

74F:

Szabolcz Laszlo – Emzarios Bentinidis 3:2 (0:2, 7:0, 2:0, 0:4, 2:1);

74G:

Adam Juretzko – Hans-Jörg Scherr 3:0 (3:0, 2:0, 4:0).

Zuschauer:

2100.

BERND MÜLLER

Zurück zur Übersicht: Regionalsport

Kommentare