Steffen Kienle trifft und leitet die Wende ein

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Die Erlösung: Jonas Arcalean (9) erzielt das 2:1 und feiert mit den Fans auf der Osttribüne.
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Auf eine schwache erste, folgt eine starke zweite Halbzeit: Der VfR Aalen dreht das Derby gegen die SG Sonnenhof Großaspach und gewinnt mit 2:1 (0:1). Alessandro Abruscia verschießt Elfmeter.

Aalen

Es hat nicht gut ausgesehen zur Pause. 45 Minuten lang war die SG Sonnenhof Großaspach die klar bessere Mannschaft im Derby. Dann kam der VfR Aalen nach einem Dreifachwechsel wie verwandelt aus der Kabine - und drehte mit viel Leidenschaft und Kampfgeist das Spiel. Steffen Kienle und Jonas Arcalean erzielten innerhalb von 120 Sekunden die Treffer zum 2:1 (0:1)-Sieg.

Auf diesem Moment musste Steffen Kienle lange warten. Über fünf Monate lang. Es lief die 81. Minute im Derby - viele der gut 1100 Zuschauer hatten schon nicht mehr dran geglaubt - als der Torjäger aus 16 Metern traf - 1:1. Und es kam noch besser. Nur zwei Minuten später hämmerte Jonas Arcalean den Ball unter die Latte. Das 2:1. Ausgelassener Jubel auf dem Platz. Ausgelassener Jubel auf der Tribüne. Der VfR Aalen lag plötzlich in Führung. Als schließlich Kai Gehring in der Nachspielzeit die letzte Chance für die Gäste vergab, war Schluss in der Ostalb-Arena. Trainer Uwe Wolf umarmte Geschäftsführer Giuseppe Lepore. Und die Profis sanken erschöpft, aber überglücklich zu Boden.

Was waren das für unterschiedliche 90 Minuten. Denn nach Festtagsstimmung hat es zunächst gar nicht ausgesehen. Die SG Sonnenhof Großaspach war zu Beginn die klar tonangebende Mannschaft. Aalen dagegen lief meist hinterher und fand nicht rein in die Partie. „Wir waren viel zu brav“, sagt Wolf. Und schlicht nicht gut genug. Die erste Großchance vergab der Ex-Aalener Sebastian Schiek (5.). Und beim zweiten Versuch war's passiert. Jonas Brändle durfte ungestört flanken, David Hummel ebenso ungestört köpfen - 0:1 (13.). Der VfR war wie gelähmt, Großaspach diktierte weiter das Geschehen. Keeper Tim Paterok war nach einer Flanke ebenso hellwach (31.) wie bei einem Schuss von Hummel (36.). Eckball-Bilanz zu diesem Zeitpunkt: 0:5. Die erste Aalener Durftmarke setzte Alessandro Abruscia mit einem 16-Meter-Schuss (44.). Das war's dann schon in den ersten 45 Minuten.

Wir waren viel zu brav.“

Uwe Wolf, Trainer des VfR Aalen

Wolf: „Schläfst Du ...?“

Rätselraten auf der Tribune zur Pause. Was war los mit dem VfR Aalen? Und vor allem: Wie würden die Ostälbler auf diesen schwachen Auftritt reagieren? Zunächst mit einem Dreifachwechsel. Dann mit einer Systemumstellung. Und vor allem: mit viel mehr Leidenschaft. Wobei zunächst viel Glück dabei war. Can Karatas tauchte völlig frei vor Paterok auf, zielte aber am Tor vorbei. Es war die Großchance zum 2:0 (48.). Eine solche hatte auch der VfR Aalen, als Benjamin Kindsvater im Strafraum von den Beinen geholt wurde. Den fälligen Elfmeter schoss Abruscia schwach und in die Arme von SG-Keeper Maximilian Reulke (50.). „Weiter so!“, sagte Innenverteidiger Gino Windmüller während der Trinkpause (68.). Als dann noch Wolf einen Balljungen anbrüllte („Schläfst Du ...?“), drehten die Aalener so richtig auf.
81. Minute: Nach einem Einwurf geht's schnell, Kienle zieht aus 16 Metern ab - 1:1.
83. Minute: Nach einem Freistoß schaffen es die Gäste nicht, den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen. Jonas Arcalean zieht wuchtig aus 14 Metern ab - 2:1.

Mit dem dritten Sieg im achten Saisonspiel ist der VfR Aalen nicht nur auf einen Nichtabstiegsplatz in der Tabelle geklettert. Er hat auch ordentlich Selbstvertrauen getankt. „Wenn wir so wie in der zweiten Halbzeit spielen, wird es jede Mannschaft gegen uns schwer haben“, sagt Steffen Kienle.

Bereits am Dienstag (19 Uhr) geht's beim VfB Stuttgart II weiter. Hoffentlich mit dem Gesicht des zweiten Durchgangs.

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