SVG-Frauen holen DM-Bronze in Berlin

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Das erfolgreiche SVG-Team. Von links: Paula Fuchs, Ida Schneider, Trainer Björn Koch, Dana Akhmedova und Marie Fuchs.

Bronze für die Gmünder Damen über 4 x 100 Meter Lagen / Beste Leistung einer Frauenmannschaft seit Gründung des Schwimmvereins im Jahr 1902.

Berlin. 

Sie lagen sich mit ihrem Trainer Björn Koch minutenlang in den Armen, tanzten fröhlich Ringelreihen – Paula Fuchs, Dana Akhmedova, Marie Fuchs und Ida Schneider haben am Donnerstag um 13.05 Uhr Gmünder Sportgeschichte geschrieben: Die vier jungen Frauen gewannen über 4 x 100 Meter Lagen bei den 133. Deutschen Schwimm-Meisterschaften im Rahmen der „Finals 22“ im Schwimm- und Sprungbad des Europasportparks in Berlin in württembergischer Rekordzeit von 4.16,16 Minuten hinter dem SV Nikar Heidelberg (4.11,89) und der SG Essen (4.16,05) die Bronzemedaille. „Mit einer nie vorstellbaren Leistungssteigerung haben die Mädels die beste Mannschaftsleistung bei den Frauen seit der Gründung unseres Schwimmvereins im Jahr 1902 erbracht“, jubelte am Liveticker in seinem Büro SVG-Vorsitzender Roland Wendel.


„Ich bin grenzenlos stolz auf die Mädels“, funkte Björn Koch aus Berlin und verriet, weshalb dieser Podestplatz so sensationell ist. Zwar rangierte die Gmünder Damenstaffel nach der Jahresbestenliste auf dem zweiten Platz, doch war bekannt, dass die Topvereine SV Nikar Heidelberg, SG Essen, Wasserfreunde Spandau, SG Frankfurt oder TB Erlangen und auch andere bisher noch nie in Bestbesetzung geschwommen. Am Ende hätte die bei den Süddeutschen Meisterschaften von den Gmünderinnen erzielte Zeit von 4.23,77 Minuten in Berlin gerade zum zehnten Platz gereicht. „Wir wussten, dass wir uns enorm steigern müssen, wen wir tatsächlich aufs Podest wollen“, hatte Koch vorausgesagt. Seine stille Hoffnung: „Die erstmals für uns startende ukrainische Spitzenschwimmerin Dana Akhmedova bringt uns in der Brustlage so viel Schub, dass es reichen könnte“. Die bange Frage dabei aber: Kann die 20-Jährige nach ihrer Flucht aus der Ukraine überhaupt physisch und psychisch ein Meisterschaftsrennen durchstehen? Und dazu noch musste der Trainer um den Einsatz von Paula Fuchs bangen. Die Rückenschwimmerin war nämlich vor 14 Tagen am Coronavirus erkrankt und musste mit dem Training pausieren. „Das haben wir unter der Decke gehalten und in den letzten Tagen vor Berlin ganz fokussiert auf Schnelligkeit trainiert. Am Ende ging unser Plan glücklicherweise auf.“


Es war eine dramatische Entscheidung über 4 x 100 Meter Lagen unter ungewöhnlichen Vorzeichen. Der SV Nikar Heidelberg war nach der Meldezeit nämlich nicht im schnellsten Lauf gesetzt, legte aber mit 4.11,89 Minuten im „langsamen“ Lauf eine Wahnsinnszeit vor, die für die anderen Teams unerreichbar war. So ging es im „Finale“ im Grunde „nur“ noch um den zweiten Platz.

Startschwimmerin Paula Fuchs begann nach ihrer Coronainfektion wie abgesprochen verhalten über die 100 Meter Rücken. Von Platz sieben bei der 50-Meter-Wende arbeitete sie sich nach 1.06,04 Minuten bis zum Wechsel auf Rang sechs vor. „Keine vier Zehntelsekunden langsamer als ihre Bestzeit, vor dieser Leistung kann ich nur den Hut ziehen“, analysierte Björn Koch. Und Brustschwimmerin Dana Akhmedova legte dann los, dass dem SVG-Trainer die Tränen in die Augen schossen: 1.10,90 Minuten ihre für Gmünder Verhältnisse unvorstellbare Zwischenzeit, die Gmünder Mädels rückten auf Rang vier, in Schlagdistanz zur SG Essen und den Wasserfreunden Spandau. Die Topperformance der ersten beiden Schwimmerinnen beflügelten dann Marie Fuchs und Ida Schneider. Marie Fuchs flog im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Schmetterling übers Wasser und brachte nach 1.01,32 (Bestzeit) das Gmünder Quartett sogar vor der SG Essen in Front – die Bronzemedaille war greifbar nahe. Und Ida Schneider ließ als Schlussschwimmerin über die 100 Meter Freistil das Edelmetall nicht mehr aus den Händen. Nach 57,40 Sekunden (noch nie schwamm sie über diese Distanz schneller) schlug sie nur hauchdünne elf Hundertstel Sekunden hinter der Nationalmannschaftschwimmerin Juliana Dora Bocska von der SG Essen, aber sehr deutlich vor den am Ende Viertplatzierten Wasserfreunden Spandau (4.17,50), dem TB Erlangen (4.17,79), des Wasserfreunden Hannover (4.19,30), dem SC Wiesbaden (4.19,98), der SG Frankfurt (4.22,30) und dem SC Chemnitz (4.22,69) an.

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