Gundremmingen: Block C mit Verzögerung wieder am Netz

In einer Revision wurde Block C des Kernkraftwerks einem Wartungs- und Prüfprogramm unterzogen

Gundremmingen. Mit einigen Tagen Verspätung ging am Sonntag Block C des Atomkraftwerks Gundremmingen wieder ans Netz.

Block C des Atomkraftwerks Gundremmingen ist mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde nach Abschluss des Brennelementwechsels und aller Revisionsarbeiten und Prüfungen am Sonntag wieder ans Netz gegangen. Das berichtet die Heidenheimer Zeitung. Im Laufe des Sonntags wurde die Leistung der Anlage auf Volllast angehoben.

Zur Erinnerung: Block B ist seit Silvester 2017 für immer vom Netz.

In der am 21. April begonnenen Revision mit Brennelementwechsel wurde Block C einem Wartungs- und Prüfprogramm unterzogen, um die Anlage für den kommenden Produktionszyklus vorzubereiten. Insgesamt seien mehr als 3000 einzelne Arbeitsaufträge umgesetzt worden.
Zwei defekte Brennelemente

Unter Aufsicht des TÜV SÜD als Gutachter im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums seien rund 400 wiederkehrende Prüfungen erfolgreich durchgeführt worden. Der finanzielle Aufwand für Wartung und Prüfung von Block C belief sich nach Angaben des Betreibers auf rund 15 Millionen Euro.

Zu Beginn der Revision wurden die bisher im Reaktor eingesetzten Brennelemente mit einem so genannten Sipping-Verfahren überprüft, da sich im letzten Produktionszyklus Hinweise auf einen Brennelementdefekt ergeben hatten.

Zwei defekte Brennelemente wurden lokalisiert und aus dem Reaktor entladen. Diese müssen laut AKW-Betreiber zunächst mehrere Monate lang abklingen, bevor sie eingehender untersucht werden können. Im Zuge des Brennelementwechsels wurde der Reaktor mit 120 frischen Brennelementen beladen.
Zwei Ereignisse während der Revision

Während der Revision traten zwei meldepflichtige Ereignisse auf, insgesamt verzögerte sich die Wiederinbetriebnahme des Block C um mehrere Tage:

So war es am Abend des 13. Mai auf Grund eines Gewitters zur Abschaltung der Blockleitung „Gundremmingen 4D“ des Übertragungsnetzbetreibers (ÜNB) und eines Maschinentransformators des Kraftwerks durch den Netzschutz des Netzbetreibers gekommen.

Der Netzschutz des ÜNB klärte konzeptgemäß den durch das Gewitter verursachten Kurzschluss. Der zweite Maschinentransformator des Blocks, der für die jährliche Revision mit Brennelementwechsel zum Zeitpunkt abgeschaltet war, stand wegen Wartungsarbeiten nicht zur Verfügung.

Der Ausfall der 400-kV-Netzanbindung hatte auslegungsgemäß eine automatische Umschaltung auf das 110-kV-Reservenetz zur Folge. Darüber hinaus startete ein Notstromdieselaggregat. Somit war die Stromversorgung zuverlässig sichergestellt , so der Betreiber.Nach Überprüfung der Leitung wurde der Maschinentransformator des Kraftwerks nach rund einer Stunde wieder mit dem öffentlichen Netz verbunden.

Das Kraftwerk Gundremmingen sei für solche Netztrennungen ausgelegt und verfüge über Netzanbindungen auf mehreren Spannungsebenen sowie über mehrere Notstromdieselaggregate, so der Betreiber.
Ventil am Sicherheitsbehälter undicht

Das zweite meldepflichtige Ereignis während der Revision ereignete sich in der Nacht auf Montag, 21. Mai.

Bei der Prüfung des Sicherheitsbehälters auf Dichtigkeit kam es nach etwa 15 Stunden zum partiellen Öffnen des Druckausgleichskugelhahns einer Schleuse, wodurch „geringfügig Luft“ aus dem Sicherheitsbehälter in das Reaktorgebäude übertrat, so der Betreiber. Nach Schließen des Ventils sei die Prüfung erfolgreich beendet worden.

Ursache für das Öffnen des Druckausgleichskugelhahns sei ein zu geringer Druck im Hydrauliksystem der Schleuse gewesen. Das betroffene Teil im Hydrauliksystem sei ausgetauscht worden.

Beide Vorkommnisse seien nach den Meldekriterien in die Kategorie N (Normal) eingestuft und der Behörde fristgerecht innerhalb von fünf Werktagen gemeldet worden.
Sicherheit habe oberste Priorität

Statt bereits Mitte Mai konnte Block C nach der Revision erst am 27. Mai wieder ans Netz gehen.

Dr. Heiko Ringel, technischer Geschäftsführer, bilanziert: „Für uns hat Sicherheit oberste Priorität: Das gilt mit Blick auf die Arbeit der ausführenden Fachleute. Und das gilt natürlich mit Blick auf den Betrieb der Anlage. Sorgfalt geht vor Schnelligkeit. Das begründet, warum die Revision einige Tage mehr in Anspruch genommen hat.“ cat

© Gmünder Tagespost 28.05.2018 13:46
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