Geschichtspfad statt Dorffest

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Die Ortsdurchfahrt von Spraitbach mit der katholischen Kirche St. Blasius (links) und der evangelischen St. Michaelskirche.

Im Jubiläumsjahr blickt Spraitbach zurück und lässt dabei die Zukunft nicht aus dem Blick.

Spraitbach. Ein großes Dorfjubiläum war geplant. Mit aufwendigem Drei-Tage-Fest, vielen Ehrengästen und launigen Reden sowie buntem Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein. Die Planungen dafür waren beinahe abgeschlossen, bis das Virus einen Strich durch die Rechnung machte. In seiner „Festrede“ zum Jubiläum schreibt Bürgermeister Johannes Schurr: „So wurde also ein neuer Plan gefasst, was wir denn ansonsten tun können, um wenigstens ein kleinwenig daran zu erinnern. Denn klar ist auch, dass man zwar in der Gegenwart und der Zukunft lebt, aber nur dann erfolgreich und gut, wenn man die Vergangenheit nicht vergisst. Also wollen wir das Jubiläum nutzen, um eben genau das zu tun.“

Geschichtspfad der Gemeinde

Mit einem sich ständig erweiternden Geschichtspfad möchte die Gemeinde jetzt auf ihre Vergangenheit aufmerksam machen und an markante Orte erinnern, die es nicht mehr gibt, oder eine Umnutzung erfahren haben. Spraitbach möchte sich im Jubiläumsjahr auf seine Historie konzentrieren, sagt Schurr, denn „nur wer seine Herkunft kennt, kann nachhaltiger in die Zukunft planen“. Denn die Entscheidungen von früher beeinflussen das Leben von heute.

Blickt man zurück, so ist erkennbar, wie sich Spraitbach mit seinen Teilorten Hinterlintal, Vorderlintal und Hetighofen vom Bauerndorf zu einer Arbeits- und Wohngemeinde gewandelt hat. Noch in den 1950er Jahre war die Gemeinde von der Landwirtschaft geprägt. Rund 60 Nebenerwerbslandwirte und sieben Vollerwerbsbauern prägten das Ortsbild. Die nachhaltigste Entwicklung vollzog Spraitbach in den vergangenen rund 100 Jahren. Mit der zunehmenden Industrialisierung veränderte sich auch das Gesicht Spraitbachs, größere Firmen siedelten sich an und sorgten für Arbeitsplätze am Ort. Susa, Index und Bully stehen nur für einige der größeren Arbeitgeber. Dass genau diese Firmen heute nicht mehr in Spraitbach anzutreffen sind, war ein „herber Schlag“ meint Bürgermeister Schurr, von dem sich die Gemeinde „lange erholen musste“.

Größere und kleinere Betriebe haben sich in der Zwischenzeit niedergelassen, allein in diesem Jahr konnten vier Grundstücke an Gewerbetreibende verkauft werden. Trotzdem ist der Anblick von Kühen auf der Weide in Spraitbach normal. Dem Bürgermeister gefällt der gute Mix aus ländlicher und industrieller Prägung sowie Tradition und Moderne.

Das soziale Leben unterliegt in Spraitbach ebenfalls einem natürlichen Wandel. Auch wenn sich Vereine auflösen, entstehen an deren Stelle „tolle neue Vereine und Dinge“, die zur Weiterentwicklung des Ortes nötig sind.

Es lebt sich gut in der Gemeinde und ihren Teilorten. In den vergangenen 40 Jahren ist die Bevölkerungsanzahl von rund 2600 auf nun über 3330 angestiegen, Bürgermeister Schurr kann dabei einige „Rückkehrer“ verzeichnen, junge Menschen, die sich sichtbar mit ihrem Heimatort identifizieren.

Die Gemeindeverwaltung investiert viel Geld in die Infrastruktur. Die Schule und der gemeindeeigenen Kindergarten mussten angesichts der steigenden Kinderzahlen erweitert werden und mit etwas Stolz kann der Bürgermeister davon berichten, dass die Infrastruktur zur Grundversorgung erhalten werden konnte. Für eine der beiden Hausarztpraxen konnte eine Nachfolgerin gefunden werden, es gibt Facharztpraxen, Apotheke, Supermärkte kleinere und größere Handwerksbetriebe. Dem Handels- und Gewerbeverein „Spraitbach aktiv“ haben sich rund 60 Mitglieder angeschlossen. aro

Nur wer seine Herkunft kennt, kann nachhaltiger in die
Zukunft planen.“

Johannes Schurr

Bürgermeister von Spraitbach

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