Ein Traum, der viel Kraft gegeben hat

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Auf den Dörfern lernen Natalie und Julian viel über uralte Bräuche, regionale Heilkunde und das Leben an sich.

Natalie Gräfe (geb. Müller) hat sich ins Leben zurückgekämpft und freut sich, jetzt tief in die vielfältige Kultur Mexikos eintauchen zu können.

Hola hola liabs Schwåbaländle! Julian und ich haben nach dem Abitur hier jeweils für ein freiwillig soziales Jahr gelebt und empfinden seither beide eine tiefe Liebe für dieses besondere Land und die Menschen. Nach mehr als zehn Jahren konnten wir uns nun den Traum erfüllen und endlich wieder für einige Monate zurück kehren. Durch meine schwere Krebserkrankung waren erst einmal andere Träume an der Reihe, vor allem der zu überleben. Nachdem ich – entgegen aller Prognosen – vor acht Jahren krebsfrei aus der Palliativstation entlassen wurde, habe ich mich langsam wieder ins Leben zurück gekämpft. Schmerzen, chronische Fatigue, Medikamente und Therapien begleiten mich aber immer noch täglich. Und Mexiko war in weiter Ferne. Doch der Traum eines Tages wieder hier zu sein, hat uns gerade in schweren Zeiten viel Kraft gegeben.Heute stehen wir  nun hier und sind überwältigt von unserem eigenen kleinen Wunder, dem Leben und der Lebendigkeit dieses großen und vielfältigen Landes. Wir besuchen vor allem unsere Familien und Freunde, mit denen wir hier gelebt haben. Und so tauchen wir grade wieder tief ein in die mexikanische Kultur mit ihren Geschmäckern und Farben. Während in 'Mexiko Stadt' die Globalisierung eingezogen ist, leben viele Menschen auf den Dörfern noch sehr traditionell und wir lernen viel über uralte Bräuche, regionale Heilkunde und das Leben an sich. Vor allem die tiefe Verbindung zur Natur, ihren Elementen und auch zur Spiritualität ist hier noch sehr lebendig. Es ist unglaublich bereichernd und heilsam das zu erleben, auch wenn es gleichzeitig viele Fragen zu unserer eigenen Lebensweise aufwirft. Ähnlich der deutschen Kultur besteht auch die hiesige  aus einer Ansammlung vieler kleiner kultureller Ausdrücke. Mit eigener Sprache, eigener Tracht, eigener Musik und eigenen Traditionen. In Mexiko gibt es neben Spanisch noch 64 anerkannte indigene, gesprochene Sprachen.Während ich von Musikern hier grade also Lieder in Spanisch, Zapoteko, Mixe und Nahuatl lerne, freue ich mich vor allem auch über meinen eigenen, schwäbischen Dialekt und „Auf'm Wása grasat Hása“ ist neben anderen deutschen Liedern ein Renner beim Singen. Häufig merken wir auch, dass unsere Antworten auf die tägliche Frage: „Wie ist das in Deutschland?“, letzten Endes eher Erzählungen aus unseren Familien und unserer, oft schwäbischen Umgebung sind.Es ist unglaublich schön uns zu erinnern, woher wir kommen und letztendlich aber zu merken, wir sind vor allem eins: Menschen. Wir leben, leiden und lieben. Wir erfinden grandiose Dinge, schreiben Gedichte und Musik über unsere Erfahrungen, tanzen dazu, zaubern Gerichte aus dem, was die Natur um uns herum bereit hält und erschaffen uns immer wieder neu, im besten Fall, ohne das Alte zu vergessen.Es sind verrückte Zeiten und ich möchte an dieser Stelle vor allem viel Hoffnung in die weihnachtliche Zeit zu euch schicken. Angst finden wir ja überall. Leider nicht mehr nur vor unseren Türen, sondern auch in unseren Herzen. Und da diese es ja bekanntlich sind, die uns leiten und Angst leider kein guter Ratgeber ist, wünschen wir euch und uns allen einen wachen Blick für die kleine und große Schönheit um uns herum. Dazu viel Kraft unsere vielfältigen Kulturen zu pflegen, um sie in die Welt zu tragen und mit neuen Ideen heim zu kommen.

Es ist ein großes Geschenk Teile von sich selbst in anderen Kulturen zu finden und gleichzeitig die Liebe zur eigenen Kultur zu spüren. In diesem Sinne:„Mir wenschat eich scheane Feierdag ond an guada Rutsch ens neie Joar.“

Julian und Natalie Gräfe (geb. Müller)

Julian und Natalie Gräf haben sich zehn Jahre nach ihrem ersten Aufenthalt einen Traum erfüllt und sind für mehrere Monate nach Mexiko zurückgekehrt.

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