Leistungsmerkmale und Kaufkriterien von Nachtsichtgeräten

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Ein Nachtsichtgerät im Einsatz

Nachts nimmt die Sehkraft des menschlichen Auges rapide ab, denn der Mensch ist evolutionär so ausgerichtet, dass er am Tag aktiv ist, in der Nacht aber ruht. Doch der technologische Fortschritt macht nicht vor den Begrenzungen unseres wichtigsten Sinnesorgans halt. Mit Nachtsichtgeräten lässt sich unsere Sehkraft unter dunklen Voraussetzungen erheblich ausbauen. Die modernen Geräte finden vor allem bei Jägern, Naturforschern, beim Militär und in der Überwachungstechnik Anwendung. Planen auch Sie eine solche Anschaffung, dann klären wir Sie über die wichtigsten Kriterien von Nachtsichtgeräten auf.

Man unterscheidet zwei Arten von Nachtsichtgeräten

Im Laufe der Zeit haben sich bei den Nachtsichtgeräten mit Infrarot-Strahlern (Wärmebildkameras) und Restlichtverstärkern zwei unterschiedliche Technologien herausgebildet. Sie bieten jeweils verschiedene Vor- und Nachteile und ergänzen sich für ein breiteres Wirkspektrum gut miteinander. Außerdem beraten wir, für welche Anforderungen sich welches Modell besser eignet.

Nachtsichtgeräte mit IR-Strahlern

Nachtsichtgeräte mit Infrarot-Strahlern wie die innovativen Modelle vom Typ Helion sind Wärmebildkameras, die mithilfe von Sensoren dazu fähig sind, bestimmte Temperaturen zu visualisieren. Da jedes Wild eine dem Menschen ähnliche Körpertemperatur aufweist, lässt sich auf diese Weise die thermische Strahlung der Tiere in Konturen übersetzen. Eine Wiedergabe der Farben der Tiere ist aber ebenso wenig möglich wie eine Visualisierung von Hörnern und Geweih. IR-Strahler lassen sich nicht durch Fenster nutzen, weil das Infrarotlicht von diesem abgelenkt wird. Auch Schneefall sollte während der Beobachtung nicht herrschen, weil diese die Infrarotstrahlen reflektieren. 

Da die anvisierten Tiere das Infrarotlicht in der Regel genauso wenig wahrnehmen wie wir Menschen, werden sie in ihrem natürlichen Verhalten nicht gestört. Das Wild kann zudem leichter identifiziert werden. So können Jungtiere zum Beispiel vor dem Mähen dichter Wiesen aufgespürt und geschützt werden. Das übersetzte Bild ist grundsätzlich zweidimensional, was die Abschätzung von Entfernungen erschwert. Der Aktionsradius ist deutlich begrenzter als beim Einsatz von Restlichtverstärkern.

Restlichtverstärker

Beim Restlichtverstärker kommt hingegen eine Methode zur Geltung, durch die das fahle Licht, das üblicherweise vom Mond, den Sternen oder einer künstlichen Lichtquelle ausgesendet wird, verstärkt wird. Möglich macht dies die Technologie, die Photonen im Licht in Photokathodenröhren zu bündeln, wonach diese in Elektronen umgewandelt werden und sich vielfach verstärken. Der Umwandlungsprozess findet schließlich durch den in der Kamera integrierten Phosphorschirm statt. Restlichtverstärker bieten ein kontrastreicheres und schärferes Bild als bei Wärmebildkameras und der Aktionsradius des Benutzers ist größer.

Dafür können die Tiere einen möglichen Jagdprozess visuell wahrnehmen und haben dadurch bessere Fluchtmöglichkeiten. Ein weiterer Nachteil ist die stärkere Witterungsabhängigkeit, da schlechte Witterungsverhältnisse wie Regen und Nebel sich nachteilig auf die Sichtbarkeit auswirken. Damit der Restlichtverstärker funktioniert, muss zumindest eine schwache Lichtquelle vorhanden sein.

Drei Leistungsmerkmale werden in Generationen unterschieden

Generation 1

Die erste Generation wurde im Zweiten Weltkrieg entwickelt. Die Technologie besticht durch ein ausgezeichnetes Preisleistungsverhältnis und bietet eine Lichtverstärkung bis zum Faktor 1.000. Abstriche muss der Nutzer in Form eines etwas unscharfen Randbereichs und eines mehrminütigen Nachglimmens nach dem Abschalten hinnehmen.

Generation 2

Bei der zweiten Generation kommen bereits hochmoderne Mikrokanalplatten mit Millionen winziger Glasröhren zum Einsatz, wodurch eine Lichtverstärkung um den Faktor 20.000 erzielt wird. Dafür haben diese fortschrittlichen Nachtsichtgeräte ihren Preis.

Generation 3

Die fortschrittliche Technologie in der zweiten Generation wird beibehalten und um die chemische Halbleiterverbindung Galliumarsenid ergänzt. Die Leistungsfähigkeit bei der Restlichtverstärkung vergrößert sich so auf den Faktor 30.000 bis 50.000

Sicht durch ein Nachtsichtgerät

Weitere wichtige Kaufkriterien

Auflösung

Die Sehschärfe wird wie von Fotos und Filmen bekannt in Pixel angegeben. Als hochwertig gelten Geräte mit einer Auflösung von 640 × 480 px. Kameras mit einer Auflösung von 320 × 240 px sind eher durchschnittlich, während Modelle mit einer Auflösung von 160 × 120 px am unteren Rand der Leistungsskala agieren.

Zoom

Die Vergrößerung kann digital oder optisch geleistet werden. Den Vorzug erhält die optische Vergrößerung, da diese keine Einbußen bei der Bildqualität mit sich bringt. Bei der digitalen Auflösung werden die gegebenen Informationen lediglich vergrößert, was im Endeffekt die Bildschärfe reduziert.

Reichweite

Nachtsichtgeräte eignen sich für verschiedene Reichweiten. Am geläufigsten ist die Kennziffer in Metern, wobei die Reichweite der verschiedenen Kameras in etwa zwischen 30 und 200 Metern schwankt.

Übertragungsgeschwindigkeit

Die Übertragungsgeschwindigkeit wird wie bei Videos in Hertz gemessen. Auf dem Markt dominieren Geräte mit 9 Hz, 25 Hz und 50 Hz. Die Kennzahl gibt an, wie schnell der Umwandlungsprozess gelingt. Bei Nachtsichtgeräten mit 9 Hz muss bis zu acht Sekunden gewartet werden, bis sich ein scharfes Bild ergibt. Dieser Wert verbessert sich bei leistungsstärkeren Geräten bis auf eine Sekunde.

Objektivdurchmesser

Der Objektivdurchmesser ist bei Nachtsichtgeräten weniger eine Kennzahl für Leistung als vielmehr für eigene Vorliebe. Kleine Objektive erzeugen schärfere Bilder, aber zulasten der Bildgröße.

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